Von der Bronzezeitbis zur Gegenwart
Heimatexperte Helmuth Temps hat eine neue Ausgabe der „Gelben Hefte“ veröffentlicht.Es geht um die Siedlungsgeschichte.

Ein Foto von 1949: In dieser Gruppe befanden sich die acht Bauherren, die die Häuser an der Hangstraße und am Rosenweg errichteten. Als Zweiter von links ist Fritz Temps zu sehen, der Vater von Helmuth Temps.foto: privat / Helmuth Temps
Gehrden. Helmuth Temps ist unermüdlich. Die Lokalgeschichte Gehrdens ist ihm ans Herz gewachsen. Nun hat sich das Mitglied der Ortsgruppe Gehrden des Heimatbunds Niedersachsen mit der Siedlungsgeschichte der Stadt Gehrden befasst. Seine Erkenntnisse hat er in der 80. Ausgabe der „Gelben Hefte“ niedergeschrieben. Dabei handelt es sich um eine von der Ortsgruppe aufgelegte Schriftenreihe. Die Mitglieder schreiben entweder allein oder auch gemeinschaftlich.

Temps hat sich in der aktuellen Ausgabe der Frage nach der Besiedlung und der Entstehung von Wohnraum gewidmet: Wann gab es die ersten Ansiedlungen in Gehrden, und wie hat sich die Stadt entwickelt? Ein Hügelgrab auf dem Suerser Berg zeugt von der ersten Ansiedlung überhaupt – das war rund 1000 Jahre vor Christus in der Bronzezeit. „Gehrden war ein beliebtes Siedlungsgebiet. Wegen der Hanglage, und Wasser und Wiesen gab es auch.“ In dem 56-seitigen Heft streift Temps durch die Jahrhunderte, über das Mittelalter bis in die Neuzeit – und zeigt die unterschiedlichen Entwicklungsstufen auf. Mit Zahlen über Stagnation und Anstieg der Bevölkerungsentwicklung sowie Daten und Texten – aber auch mit Fotos, Luftbildern und Grafiken. Das Heft behandelt ausschließlich den Ortskern, also das sogenannte Alt-Gehrden.

Ausführlich geht Temps auf den gut dokumentierten Wohnungsbau im 20. Jahrhundert ein, der das Gesicht großer Teile Gehrdens bis heute prägt – und kann dabei auch auf die eigene Familiengeschichte zurückgreifen. In den 1920er- und 1930er-Jahren errichtete der Bau- und Sparverein Mehrfamilienhäuser an der Gartenstraße und schwerpunktmäßig am Friedrich-Ebert-Platz und an der Lyrastraße. Ab 1934 wurden Wohnhäuser zwischen Franzburg und Gehrdener Berg errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden ab 1949 weitere Wohnhäuser gebaut. Je vier Häuser entstanden damals an der Hangstraße sowie am Rosenweg – mit acht Bauherren, die unterschiedliche Kenntnisse hatten und einander unterstützten. Einer davon war Fritz Temps, der Vater von Helmuth Temps – ein Stellmacher, der mit Holz umgehen konnte. Noch heute wohnt Helmuth Temps in seinem früheren Elternhaus am Rosenweg.

Das größte Neubaugebiet entstand schließlich in der Zeit von 1991 bis 1998. Im „Langen Feld“ wurden insgesamt 729 Wohneinheiten geschaffen. „Über 2000 Einwohner fanden hier Wohnraum – und zwar nicht nur Zuzügler, sondern auch Gehrdener, die dann wiederum anderen Wohnraum freigemacht haben“, berichtet Temps.

Seit 2010 gibt es die „Gelben Hefte“ zu den unterschiedlichsten Themen der Historie Gehrdens. Damals machte Dieter Mahlert, Vorsitzender der Ortsgruppe Gehrden vom Heimatbund Niedersachsen, den Anfang. Seitdem erscheinen rund vier Hefte pro Jahr. Das Heft für das vierte Quartal 2026 ist bereits in Arbeit – jedoch von Rainer Piesch vom Heimatbund, nicht von Helmuth Temps.

Auch Temps hat bereits eine Idee für sein nächstes Werk, das 2027 erscheinen wird. „Die Wasserversorgung in Gehrden ist ein spannendes Thema.“ Temps erzählt davon, dass in den 1950er-Jahren wegen eines Defekts im Harz und den dortigen Zuleitungen über mehrere Tage die Wasserleitungen außer Betrieb waren. „Bis zur Reparatur hat das mehrere Tage gedauert. Die Stadt hat dann das Wasser so lange aus dem Brauereiteich entnommen“, erzählt er. Bislang seien das nur Überlegungen für die nächste Ausgabe, aber „je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr gefällt mir diese Idee“, sagt Temps mit einem Augenzwinkern.

Das Heft kostet 5 Euro und ist ab sofort in der Buchhandlung Lesezeichen und in der Stadtbibliothek erhältlich. „Wir wollen damit nichts verdienen, haben damit die Druckkosten raus“, sagt der 78-Jährige. Die neueste Ausgabe des „Gelben Heftes“ hat eine Auflage von 200 Exemplaren.







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