„Das ist für jeden Reiter ein Traum“
Manja von Hugo aus Groß Munzel und ihr Haflinger Asterix sind Teil der größten Quadrille der Welt

Nach dem gelungenen Rekordversuch sind Manja von Hugo und ihr Haflinger Asterix stolz wie Oskar.
Groß Munzel/Aachen. Heim-WM in Aachen im größten Reitstadion der Welt – mehr geht nicht. Und Manja von Hugo vom TSV Groß Munzel war mit ihrem Haflinger Asterix mittendrin. Gemeinsam mit 152 weiteren Pferden war sie Teil der größten Quadrille der Welt – und trug dazu bei, einen Weltrekord aufzustellen.

Vor eineinhalb Jahren begannen die Initiatoren des Weltrekordversuchs, Holger und Jutta Ludwig, ihre Idee über Social Media zu verbreiten. Sie wollten den bestehenden Weltrekord von 2019 überbieten. Der bisherige Rekord lag bei 132 Pferden und wurde von einer Friesen-Quadrille aufgestellt. Eine Quadrille ist eine Form des Formationsreitens, bei der eine Gruppe von Reiterinnen und Reitern synchron zu Musik eine einstudierte Choreografie aus verschiedenen Hufschlagfiguren und Gangarten reitet.

Als sie von der Weltrekord-Idee über Social Media erfuhr, überlegte Manja von Hugo, die im Vorstand des TSV Groß Munzel unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit und die Reit- und Voltigiersparte zuständig ist, nicht lange. Die FEI World Championships sind die Weltmeisterschaften im Pferdesport: „Das ist für jeden Reiter ein Traum, dort als Teilnehmer mitreiten zu können“, sagt die 40-Jährige. Bei der Heim-WM wurden Wettkämpfe im Springen, Dressurreiten und im Fahrsport ausgetragen.

Manja von Hugo selbst reitet seit ihrem zehnten Lebensjahr. Ihr Interesse für Pferde sei „mädchentypisch“ mit Pferdebüchern und ersten Reitversuchen auf Schulpferden geweckt worden – und geblieben. Sie empfinde es als „etwas Besonderes, weil man mit einem Tier zusammenarbeitet“, sagt von Hugo. Man lerne, Rücksicht auf ein Tier zu nehmen und sich selbst zu regulieren. Mittlerweile hat die Familie insgesamt fünf Pferde, darunter auch Ponys und „Rentner“, wie es von Hugo liebevoll ausdrückt.

Auf eigene Kosten ging’s gemeinsam mit ihrer 14-jährigen Tochter und Asterix, dem einzigen Haflinger im Stall des TSV Groß Munzel, nach Aachen. Der elfjährige Haflinger hat Erfahrungen mit Turnieren. Die fast 350 Kilometer lange Fahrt im Anhänger bis nach Aachen sei für ihn deswegen kein Problem gewesen. Genauso wenig, wie die Vorführungen dann. Der Haflingerwallach sei zwar erst seit etwas mehr als einem Jahr bei ihnen, erzählt von Hugo. Er wäre aber ein sehr ruhiges und ausgeglichenes Tier.

In Aachen „mussten wir mindestens fünf Minuten am Stück klar definierte Hufschlagfiguren, Schritt und Trab vorführen“, berichtet von Hugo. Dafür sei eigens Musik mit deutschem Text komponiert worden. In zwei Gruppen aufgeteilt habe man über 15 Minuten lang spiegelverkehrt Hufschlagfiguren geritten. „Unter den Reitern waren nur zwei Männer“, so von Hugo. Vorab üben habe man allein kaum können. Dafür seien dann die zwei Tage vor dem Rekordversuch genutzt worden. „Die Herausforderung war auch, diese Menge an Pferden zusammenzubekommen“, so von Hugo.

Überaus positiv habe sie die Stimmung im so entstandenen größten Haflinger-Pferdecamp der Welt empfunden: „Der Zusammenhalt, die Gemeinschaft, die da entstanden ist, war fast noch schöner.“ Jeder habe sich einen Bereich für das Pony eingezäunt und einen Pavillon als Sonnenschutz aufgebaut.

Für den einheitlichen Auftritt seien die Farbe der Pferdedecken sowie der Kleidung der Reiterinnen für den Rekordversuch vorgegeben gewesen. Was fast schiefgegangen wäre: „Ich hatte meine weißen Reithandschuhe vergessen“, erzählt von Hugo. Doch ruckzuck wurde geholfen. „Als ich in der Gruppe fragte, bekam ich sofort vier Angebote. Jeder hat dort jedem geholfen.“ Mit unsicheren Pferden, die noch keine Turniererfahrung hatten, sei vorab beispielsweise mit simuliertem Applaus geübt worden.

Der Rekordversuch für die größte Quadrille der Welt fand vor den strengen Augen der Rekordrichterin Laura Kuchenbecker vom Rekord-Institut für Deutschland statt. Dabei seien die Pferdepässe der hauptsächlich aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden stammenden Haflinger und Edelbluthaflinger geprüft worden. Gerten waren nicht zugelassen. Geritten wurde in zwei Gruppen, immer zu viert nebeneinander. Manja von Hugo befand sich in Reihe zwei. In der Reihe hinter ihr sei jemand vom Reit- und Fahrverein St. Georg Barsinghausen geritten.

„Es hat alles sehr gut geklappt“, meint von Hugo rückblickend. Von den 152 Teilnehmenden seien am Ende allerdings fünf abgezogen worden, weil sie nicht in der Formation geblieben seien. Gänsehautmoment auch für von Hugo: Ihren offiziellen Auftritt und die Urkundenübergabe feierten die Teilnehmer am Folgetag vor großer Kulisse im Rahmen der FEI World Championships in der Aachener Soers.



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