Gehrden legt beim Stadtradeln zu
Wernhard Thielemann, Vorsitzender ADFC Gehrden/Ronnenberg, ordnet das Ergebnis ein

Freut sich auf die neue Tourensaison: Wernhard Thielemann vom ADFC Gehrden/Ronnenberg hat deshalb mit weiteren Mitgliedern einen kritischen Blick auf die Radwege im Stadtgebiet geworfen.foto: Ingo Rodriguez
Gehrden. Beim diesjährigen, bundesweiten Wettbewerb „Stadtradeln“ hat Gehrden in der Region Hannover erneut nur den vorletzten Platz belegt – und das, obwohl 15.000 Kilometer mehr geradelt worden sind als noch 2025. Doch der Vorsitzende der ADFC-Ortsgruppe Gehrden/Ronnenberg, Wernhard Thielemann, warnt davor, nur auf die nackten Zahlen zu blicken. Aus seiner Sicht trügt die Statistik.

Auf den ersten Blick sei das aktuelle Ergebnis ernüchternd. „Doch wo bleibt bei dieser Art der Auswertung die sportliche Fairness?“, fragt Thielemann. Denn in der veröffentlichten Rangliste würden Städte wie Garbsen, Langenhagen oder Laatzen mit jeweils mehr als 40.000 beziehungsweise 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern direkt mit Gehrden verglichen, das lediglich rund 16.000 Einwohner zähle. „Auf den Fußball übertragen wäre das, als würde eine Mannschaft mit elf Spielern gegen eine mit nur vier oder fünf Spielern antreten. Der Ausgang der Partie stünde praktisch schon vor dem Anpfiff fest“, so Thielemann.

Vielmehr verweist Thielemann auf eine andere Zahl, die Gehrden in einem deutlich radfahrerfreundlicheren Licht zeigt. „Aussagekräftiger ist die ebenfalls von den Organisatoren des Stadtradelns veröffentlichte Auswertung nach geradelten Kilometern pro Einwohnerin und Einwohner“, meint der ADFC-Vorsitzende. Diese berücksichtige die unterschiedlichen Größen der Kommunen und ermögliche einen deutlich faireren Vergleich. Die Stadt Gehrden erreicht in dieser Wertung einen beachtlichen sechsten Platz mit 4,58 Kilometern pro Einwohnerin beziehungsweise Einwohner und liegt damit nur knapp hinter der Gemeinde Isernhagen mit 4,78 Kilometern. Die Mehrzahl der Kommunen in der Region Hannover bleibt deutlich unter vier Kilometern pro Einwohnerin beziehungsweise Einwohner.

Ein Vorbild für Gehrden bleibt jedoch Wennigsen. Die Nachbargemeinde liegt mit 16,3 Kilometern pro Einwohnerin beziehungsweise Einwohner mit großem Abstand an der Spitze. „Dieses hervorragende Ergebnis ist vor allem dem außergewöhnlichen Engagement einzelner Aktiver des ADFC Wennigsen zu verdanken“, lobt Thielemann. Mit zusätzlichen Aktionen sowie einer stärkeren Einbindung von Schulen und Vereinen sollen in Gehrden im nächsten Jahr noch mehr Bürgerinnen und Bürger für das Stadtradeln begeistert werden. „Vielleicht klappt es dann sogar mit Platz fünf“, meint Thielemann.

Eine wichtige Voraussetzung, dass Menschen das Rad benutzen, ist eine intakte Infrastruktur. Die ist in und um Gehrden durchaus verbesserungswürdig. Thielemann hatte im Frühjahr das Radwegenetz in Gehrden begutachtet. Sein Urteil: „Der Zustand ist nicht zufriedenstellend.”

Ein Beispiel ist der Abschnitt zwischen dem Delfi-Bad und der katholischen Kirche. Dort sind etliche Risse, Löcher und Furchen im Asphalt. „Ein Schutzstreifen bringt nicht viel, wenn man um die Risse und Huckel herumfahren muss“, meint Thielemann. Als „Dauerthema“ bezeichnet er die Fahrradroute von Northen über Lenthe nach Hannover. Seit Jahren seien die Löcher und Unebenheiten dieser Streckenverbindung ein großes Ärgernis für Fahrradfahrende. Für eine gefährliche Route hält der ADFC zudem die Ortsdurchfahrt von Everloh. Für Familien mit Kindern sei diese Wegführung viel zu gefährlich, so Thielemann.

Auch die fehlende Anbindung von Redderse nach Gehrden bemängelt Thielemann. Doch in dieses Thema kommt Bewegung. Nach Aussagen von Bürgermeister Malte Losert (parteilos) wird aktuell nach einer Lösung gesucht. Demnach gebe es Gespräche mit Grundstückseigentümern, um Flächen zu kaufen. Damit soll gewährleistet werden, dass ein durchgängiger Radweg von Redderse nach Gehrden eingerichtet werden könne. Gleichzeitig gibt Losert zu: „Der Prozess ist mühsam.“

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