Viel Harmonie und keine Chancefür einen zweiten Kreisel
Vier Kandidierende für das Bürgermeisteramt haben beim Wahlforum von HAZ und NP Fragenzur Zukunft Ronnenbergs beantwortet. Die Diskussion verlief kaum kontrovers.

Wahlforum in Ronnenberg: Die Kandidierenden Marlo Kratzke (SPD, von links), Stephanie Harms (CDU), Patrick Bellmer (Grüne) und der parteilose Claudius Tänzer beantworten die Fragen der Moderatoren und der Gäste. foto: Ilona Hottmann
Ronnenberg. Die Wählerinnen und Wähler stellen am 13. September die Weichen für eine lange Phase in Ronnenbergs Zukunft. Bei der Kommunalwahl bestimmen sie, wer in den kommenden acht Jahren (zuletzt fünf) das Amt des Bürgermeisters in der Stadt bekleiden darf. Vier der Kandidierenden – Marlo Kratzke (SPD), Stephanie Harms (CDU), Patrick Bellmer (Grüne) und der parteilose Claudius Tänzer – haben sich am Donnerstagabend im Wahlforum von HAZ und NP den Fragen der Moderatoren und der Bürgerinnen und Bürger gestellt. Aus gesundheitlichen Gründen absagen musste Jan Hischer (Die Linke).

Alle anderen Bewerber bewältigten die Fragen, die ihnen die Moderatoren Jan Sedelies und Felix Harbart, stellvertretender HAZ-Chefredakteur, stellten, souverän und immer mit direktem Bezug auf die Stadt. In der harmonischen Veranstaltung offenbarten sich kaum kontroverse Positionen. Bei der Frage des früheren Ratsherrn Jens Williges, ob die Kandidierenden in ihrer Amtszeit den Vorschlag der Region Hannover unterstützen würden, einen Kreisel am Ihmer Tor zu bauen, antworteten alle sogar gleichlautend: „Nein!“

Den Auftakt bestimmte die angespannte finanzielle Lage der Stadt. Was müsste möglicherweise in der bevorstehenden Amtszeit gestrichen werden, so die Frage. Auf keinen Fall wolle er mit dem „Rasenmäher“ freiwillige Leistungen kürzen, betonte Tänzer, während Bellmer forderte, alle nicht vorgeschriebenen Ausgaben „regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen“. Wichtig sei es, Prioritäten zu setzen, meinte Harms. „Man muss schon bei kleinen Sachen anfangen.“ Als Amtsinhaber verwies Kratzke indes auf die großen Projekte. Dort ein paar Hunderttausend Euro zu sparen, „ist viel leichter, als wenn wir bei den freiwilligen Leistungen mit dem Rasenmäher alles kaputtmachen“.

Aber was ist mit Einnahmesteigerungen? „Uns fehlt ein großes Ankerunternehmen“, stellte Bellmer in Bezug auf die Gewerbeansiedlungen in der Stadt fest. Er möchte bei der Akquise die Zusammenarbeit mit erfolgreicheren Kommunen wie Barsinghausen und Garbsen suchen. Dabei will er nach Stärken Ronnenbergs suchen, „von denen noch keiner weiß“. Harms will die Wirtschaftsförderung „wieder zur Chefinnensache machen“ und Kontakte zu Firmen in Netzwerken und auf Messen knüpfen. Kratzke hob eine besondere Situation der Stadt hervor: Nahezu alle Gewerbegebiete in der Region seien aktuell vollgelaufen, während Ronnenberg Nordost gerade erschlossen wird. „Im Moment gibt es absoluten Obermangel“, sagte er. So könnten an der B217 neben Ronnenberger Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Region auch „hochgradig attraktive Unternehmen“ von außerhalb angesiedelt werden. Tänzer mahnte, dabei den Blick auf die Infrastruktur vor Ort nicht aus den Augen zu verlieren. „Ich möchte kein Amazon-Logistikzentrum in Ronnenberg haben“, betonte er.

Auch die Frage nach einem Stadteilhaus für Empelde bestimmt derzeit die Diskussionen in Ronnenberg. Neben Räumlichkeiten, die Vereine nutzen dürfen, sollen auch eine Gastronomie und ein Saal in dem Gebäude in Empelde-Mitte eingerichtet werden. Der Bedarf nach Räumen für die Vereine in Empelde sei unumstritten, erklärte Harms. Empelde habe aber „viel Potenzial und viele Räumlichkeiten, die weniger genutzt werden“. Räume für Vereine ja, aber nicht für 4 Millionen Euro, sagte sie. Kratzke hingegen will sich nach eigenem Bekunden zu 100 Prozent für ein neues Stadtteilhaus einsetzen. „Wichtig ist, dafür Fördermittel einzusammeln und zu versuchen, die Kosten zu senken.“ Obwohl er Begegnungsstätten für „unheimlich wichtig“ hält, würde Tänzer das Haus zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht bauen. Erst einmal solle der Haushalt stabilisiert werden. Auch Bellmer will zunächst die städtischen Projekte priorisieren.

Ähnlich verlief die Diskussion über ein mögliches neues Jugendzentrum. Tänzer bezeichnete Kinder und Jugend als „unsere Zukunft“, in die investiert werden müsse. Er unterstütze Ideen, bestehende Gebäude, wie alte Feuerwehrhäuser als Jugendräume zu nutzen. Die fehlende Barrierefreiheit im bestehenden Jugendzentrum beklagte Bellmer, der als Lösung den alten Trakt der Grundschule in Ronnenberg und möglicherweise frei werdende Kindergärten ins Spiel brachte. Kratzke berichtete von einem Besuch in der „Wohnwelt“ in Wunstorf, einem alten Gebäude, das gemeinsam mit Jugendlichen renoviert wurde. „So etwas kann ich mir auch hier in Ronnenberg vorstellen“, sagte er. Harms will eine Lösung vor allem gemeinsam mit den Jugendlichen finden.

Diskutiert wurden auch Themen wie illegale Müllentsorgung, Klimawandel, Windenergie, Inklusion und die „Ronnenberger Standards“ bis hin zur laufenden Ortskernsanierung im Ortsteil Ronnenberg. Wie die neue Mitte gestaltet werden soll, will Harms mit dem künftigen Ortsrat gemeinsam abstimmen. „Traumhaft“ für Bellmer wäre es, wenn es gelänge, eine „winzige Fußgängerzone“ mit einer Gastronomie hinzubekommen. Auch Tänzer vermisst die alte Eisdiele an der Langen Reihe und begrüßt neue Gewerbeansiedlungen. Kratzke will mit Bürgerbeteiligung einen neuen Ortskern gestalten und verwies auf die Nachbargemeinde: „So etwas wie in Wennigsen das ist realistisch. Das können wir mit einer guten Wirtschaftsförderung hinkriegen.“

Aber wie auch immer die Ortskernsanierung weitergeht: Einen Kreisel am Ihmer Tor soll es nicht geben – egal, welche Kandidatin oder welcher Kandidat spätestens nach einer Stichwahl am 27. September erfolgreich sein wird.

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