Ein halbes Jahrhundert Nachwuchsarbeit
Jugendgruppe vom Technischen Hilfswerk Ronnenberg feiert auf dem Waldberg Empelde

Station Holzbearbeitung: Hier lösen die Jugendlichen eine Aufgabe mit einfachen Handwerkzeugen.foto: THW
Ronnenberg. Beim Technischen Hilfswerk (THW) geht es um Hochwasser, Unwetter, Stromausfälle und andere Notlagen. Doch bevor die Helfer mit schwerem Gerät ausrücken, braucht es Menschen, die gelernt haben, damit umzugehen. In Ronnenberg sorgt dafür seit 50 Jahren die THW-Jugend. Die Jugendgruppe feierte kürzlich auf dem Waldberg in Empelde ihr Jubiläum.

Rund 130 Menschen kamen zu dem Fest, darunter etwa 80 Kinder und Jugendliche. Bevor die Feier begann, traten acht Jugendteams aus der regionalen Blaulichtfamilie zu einem Wettstreit an. Neben den THW-Jugendgruppen aus Ronnenberg, Springe, Burgdorf und Rinteln beteiligten sich die Jugendfeuerwehren aus Empelde, Northen und Pattensen.

Die Teilnehmer mussten beim Orientierungsmarsch ebenso ihr Können unter Beweis stellen wie in einem Escape-Room, den das THW eigens zum Thema „Blackout“ aufgebaut hatte. Die Konstruktion hatte bereits im Juni auf der IdeenExpo Premiere gefeiert. Im Inneren mussten die Jugendlichen unter anderem Notfallrucksäcke packen, Lebensmittel nach ihrer Haltbarkeit sortieren und Menschen aus Gefahrenlagen retten. Auch die Kommunikation per Morsezeichen gehörte zu den Aufgaben. Am Ende setzte sich die THW-Jugend aus Springe durch.

Der Ortsverband entstand 1972, vier Jahre später gründete er seine Jugendgruppe. Schon damals verbanden die Verantwortlichen technische Ausbildung mit praktischen Projekten. 1982 halfen Jugendliche beispielsweise dabei, einen Bach im Saupark Springe so auszubauen, dass sich dort wieder Bisamratten ansiedeln konnten. Zwei Jahre später gehörten Ronnenberger Jugendliche zu einem THW-Kontingent, das im nordfranzösischen Hirson einen Soldatenfriedhof entwässerte, der nach Regenfällen regelmäßig unter Wasser stand.

Doch die lange Tradition geriet zwischenzeitlich ins Wanken. 2016 gehörten der Jugendgruppe nur noch zwei Jugendliche an. Der Ortsverband stellte seine Nachwuchsarbeit deshalb neu auf. Patrick Pomiluek und Marc Hollmann übernahmen gemeinsam die Ausbildung und änderten den Schwerpunkt. Die technischen Fähigkeiten blieben wichtig, doch regelmäßige Ausbildungsdienste, öffentliche Auftritte, Zeltlager und gemeinsame Freizeitaktivitäten rückten stärker in den Mittelpunkt. „Diese Mischung half dabei, dass wir immer mehr Kinder und Jugendliche gewinnen konnten“, sagt Pomiluek.

Heute gehören wieder 21 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren zur Gruppe. Einer von ihnen war einst selbst Teil dieses Neustarts: Ben Denecke kam mit zehn Jahren zum THW. Den technischen Aspekt und die Einsatzabläufe fand er spannend. Gleichzeitig habe ihn aber die Möglichkeit gereizt, Verantwortung zu übernehmen. Heute ist der 21-Jährige selbst Jugendgruppenleiter und gibt seine Erfahrungen an die nächste Generation weiter.

Damit steht Denecke für einen Effekt, der für den Ronnenberger Ortsverband besonders wichtig ist: Die Jugendgruppe bildet nicht nur junge Menschen aus, sie hält viele von ihnen auch langfristig beim THW. Hollmann arbeitet inzwischen als Ortsjugendbeauftragter, erfahrene ehemalige Jugendliche gestalten Ausbildungsdienste und Inhalte mit. Bei gemeinsamen Übungen trifft die Jugend zudem auf andere Helfer und Einsatzkräfte.

Auch mit den Jugendorganisationen anderer Hilfsorganisationen ist die Zusammenarbeit enger geworden. Bei einer diesjährigen 48-Stunden-Übung arbeiteten die Ronnenberger Johanniter-Jugend und die Jugendfeuerwehren aus Ronnenberg, Empelde und Weetzen mit dem THW-Nachwuchs zusammen. „Diese Verzahnung ist so eng wie nie“, sagt THW-Ortsbeauftragter Patrick Lutze.

Für den Ortsverband zahlt sich die Arbeit aus. Rund 90 Menschen engagieren sich derzeit ehrenamtlich im THW Ronnenberg. Etwa die Hälfte von ihnen hat einst in der eigenen Jugendgruppe angefangen. Heute gehören dazu unter anderem Hundeführer, Bediener schwerer Räumgeräte sowie Helfer in Stabs- und Führungsfunktionen. RED



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