Ein Herz für Kinder und sozial schwache Menschen
Der als Mühlenvater bezeichnete Norbert Gardlo ist im Alter von 86 Jahren gestorben – ein Nachruf

Sein Zuhause: Norbert Gardlo wohnte im Müllerhaus, das sich neben der Mühle befand.Ingo Rodriguez (Archiv)
Gehrden. In Gehrden kannte man ihn und liebte ihn – gleiches galt auch über die Grenzen der Burgbergstadt hinaus. Nun ist Norbert Gardlo gestorben. Sein plötzlicher Tod am 6. August hat viele Menschen betroffen gemacht. Gardlo, der als „Mühlenvater“ bezeichnet wurde, wurde 86 Jahre alt.„Sein Tod ist ein großer Verlust für Gehrden. Er hat sich immer mit viel Leidenschaft um die Menschen gekümmert“, sagt Gehrdens Bürgermeister Malte Losert (parteilos), der Gardlo seit Kindheitstagen kannte. „Oft waren wir oben an der Mühle, haben immer gesagt, dass wir zu unserem Norbert gehen“, erzählt Losert. Zudem engagierte sich Gardlo in der Flüchtlingsarbeit, reparierte Fahrräder und verschenkte sie an Kinder. „Er hatte ein großes Herz für die Schwächeren“, lobt Losert. Norbert Gardlo lebte in einem Haus am Gehrdener Berg. Er nutzte die 1878 erbaute Struckmeyersche Mühle seit 1994 in Erbpacht, steckte viel Geld aus eigener Tasche in das denkmalgeschützte Gebäude. Nachdem Gardlo die alte Mühle aufgemöbelt hatte, erinnerte der Ort an eine Mischung aus Waldorf-Schule und Peter-Lustig-Bauwagenplatz. Ein farbenfroher Ort mit einem besonderen Lernangebot.

Der Gehrdener hat das Ge­lände mit seinen zahlreichen Attraktionen als Ausflugsziel für Kindergruppen etabliert. Mit seiner Lebens­gefährtin Karin Kögel lebte er im früheren Müllerhaus, das sein Privatbesitz war.

Er lud immer wieder Schulklassen ein, brachte ihnen Mühle und Natur näher – richtete außerdem die Aktion „Vom Korn zum Brot“ und Mühlentage aus. In Gehrden legendär waren die von ihm ausgerichteten Mühlenfeste über Pfingsten. Der Spitzname „Mühlenvater“ hatte also seine Berechtigung. Nach jahrzehntelangem naturpädagogischen Einsatz zog er sich im Jahr 2020 aus der Pacht der Mühle zurück und räumte das Gebäude. Inzwischen hat der Verein Burgbergfreunde das historische Bauwerk übernommen.

Für viele Veranstaltungen, Projekte und Aktionen in und an der Mühle gab es Erlöse. Diese flossen als Spende an den Verein Südamerika-Zentrum Hannover (SAZ). Für das SAZ engagierte sich Gardlo seit 1998, nachdem die Flut- und Sturmkatastrophe durch den Hurrikan Mitch in Guatemala verheerende Schäden angerichtet hatte. Seitdem war er etliche Male in Südamerika, vor allem in Guatemala – um persönliche Kontakte zu knüpfen und sicherzustellen, dass das Geld auch ankommt. Seine Projekte unterstützten den Aufbau von Infrastrukturen, vor allem Schulen. Sein besonderes Anliegen war es, Kindern aus armen Verhältnissen durch Patenschaften und Schulstipendien eine Perspektive zu geben.

Generationen von Kindern und Jugendlichen war er darüber hinaus bekannt als Lehrer an der Grundschule Wettbergen – und blieb mit seiner herzlichen Art als Pädagoge mit Leidenschaft in Erinnerung.

Gardlos Familie teilt mit, dass es auf Wunsch des Verstorbenen eine Bestattung in aller Stille gibt. Ab dem 11. September kann er im Ruheforst Bredenbeck besucht werden, er wurde an Baum 287 beigesetzt.

Ein Wunsch von Norbert Gardlo war es zudem, dass es statt Blumen oder Beileidsbekundungen eine Spende an das SAZ unter dem Stichwort „Norbert“ gibt. Die IBAN lautet DE26 2505 0180 0025 5563 20.

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