Wennigsen blitzt wieder selbst
Wegen zahlreicher Tempoverstöße: Die Gemeinde will einen eigenen mobilen Blitzer anschaffen

Vorsicht, Blitzer: Die Gemeinde will künftig eigenen Geschwindigkeitskontrollen durchführen.Foto: Mark Bode
Wennigsen. Bei diesen Geschwindigkeitsüberschreitungen kann einem schonmal schwindelig werden: 158 Kilometer in der Stunde bei Tempolimit 100, 95 bei Tempo 70, 88 bei Tempo 50 und 59 bei Tempo 30. Alles ermittelt durch die Region Hannover in und um die Gemeinde Wennigsen im Jahr 2025. Im Jahr zuvor gab es Überschreitungen von bis zu 40 Kilometern in der Stunde außerorts und bis zu 12 innerorts. Die Tendenz ist also steigend. Auf diese Entwicklung reagiert die lokale Politik nun und plant, für die Gemeinde wieder einen eigenen Blitzer anzuschaffen.

Voraus ging ein Antrag zur Verkehrssicherheit der SPD-Fraktion, der auch Anfragen und Prüfaufträge zur Überwachung des fließenden Verkehrs in der Gemeinde Wennigsen enthielt. Ein weiterer Antrag der SPD aus dem November 2025 zielte darauf ab, dass die Gemeinde Wennigsen künftig wieder eigenständig Geschwindigkeitskontrollen durchführt. „Auswertungen von Geschwindigkeitsmessungen in den Jahren 2022 bis 2025 haben eine hohe Anzahl von Verstößen gegen die bestehenden Geschwindigkeitsvorgaben gezeigt“, bestätigte Jacqueline Gebauer, erste Gemeinderätin, eine Anfrage. Mit einem eigenen Blitzgerät könne die Gemeinde Wennigsen zukünftig „flexibler auf entsprechende Entwicklungen reagieren und so die Verkehrssicherheit verbessern“, so Gebauer.

Wo der neue Blitzer überall zum Einsatz kommt, steht noch nicht fest. Laut Gebauer bestünde aber aktuell für neun Messstellen das notwendige Einvernehmen mit der Polizei, weitere Standorte seien möglich. Wo am Ende geblitzt wird, wird Teil des Konzepts sein, das vor den Beratungen zum Haushalt 2027 beschlossen werden soll. Klar ist bereits, dass es sich um einen mobilen Blitzer handeln würde, der an verschiedenen Stellen eingesetzt werden kann. „Dabei besteht die Wahl zwischen einem Blitzer-Anhänger und einem mobilen Gerät, das aus einem Fahrzeug heraus blitzen kann“, teilte Gebauer mit – eine Entscheidung stehe noch aus.

Bleibt noch die Kostenfrage. Für das mobile Gerät müsste die Gemeinde laut Gebauer rund 80.000 Euro zahlen. Hinzu kämen Ausgaben für Schulungen zur korrekten Bedienung des Geräts sowie laufende Kosten zur Wartung und Eichung der Anlage. Noch teurer wäre ein Blitzer-Anhänger: Den Preis ordnet Gebauer bei rund 173.000 Euro ein, plus Schulungs-, Wartungs- und Eichungskosten.

Dafür winken der Gemeinde üppige Einnahmen durch Tempoverstöße. Im Jahr 2023 stellte die Region Hannover 971 Geschwindigkeitsüberschreitungen in Wennigsen fest und nahm dadurch 82.000 Euro an Bußgeldern ein. 2024 waren es 940 Verstöße und Einnahmen in Höhe von 146.000 Euro. Die hohe Summe sei durch die vielen Baustellen in der Gemeinde und das großflächige Tempo 30 zu erklären, wodurch es zu höheren Geschwindigkeitsüberschreitungen gekommen sei, wie Regionssprecher Tobias Manzke erklärte. 2025 stieg die Zahl der Verstöße auf 1690, was 70.500 Euro für die Region bedeutete.

Wann wird also losgeblitzt? Gemeinderätin Gebauer kündigte an, dass rechtzeitig vor den Beratungen des Haushalts 2027 ein Konzept zur Überwachung des Verkehrs vorliegen würde. Die Rahmenbedingungen würden in der zweiten Jahreshälfte 2027 geschaffen werden, zum 1. Januar 2028 solle dann die Aufgabe der Überwachung von der Region auf die Gemeinde übertragen werden, so Gebauer. Geplant sei außerdem, die Geschwindigkeitskontrollen „öffentlichkeitswirksam zu begleiten“, wie die Stadträtin betonte – Messungen und Ergebnisse sollen in den Medien und im zuständigen Ausschuss transparent gemacht werden.

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