Derweil kommen Vereine und auch die politischen Gremien in Empelde meist in Räumen und der Aula der Marie-Curie-Schule zu Treffen, Veranstaltungen und Sitzungen zusammen. Ein Zustand, der vielfach beklagt wird. Die Verwaltung verweist zudem auf steigende Baukosten, die das Stadtteilhaus in der Zukunft immer teurer werden lassen, und rät zum schnellen Bau des Stadtteilhauses. Das würde aber eine weitere Verschuldung bedeuten. Wir haben bei den Parteien nachgefragt.
Aus Sicht der größten Ratsfraktion SPD haben „die bereits durchgeführten Beteiligungsformate für Empelde-Mitte deutlich aufgezeigt, dass es seitens der Vereine und engagierten Gruppen ein großes Interesse gibt, hier einen Treffpunkt zu verwirklichen“. Neben Räumlichkeiten für Vereinstreffen werde auch Flächenbedarf für kulturelle Veranstaltungen gesehen. Daher sei es auch städtebaulich sinnvoll, diese Fläche für ein „Stadtteilhaus“ vorzusehen.
Das sehen auch die Grünen so. Empelde benötige ein Stadtteilhaus, das intern bewusst Gemeinschaftshaus genannt werde. „Denn im größten Stadtteil gibt es bislang kaum Räumlichkeiten, in denen unsere Vereine und Institutionen tagen oder Bürger zusammenkommen können.“ Allerdings zeigte die jüngste Bürgerveranstaltung auch, dass der vorgelegte Entwurf noch nicht alle Wünsche beinhaltete. Möglich, dass sich deshalb im weiteren Verlauf der Planungen die Kosten noch einmal erhöhen werden, wenn noch zusätzliche Lagerkapazitäten oder sogar eigene Räume für einzelne Vereine vorgesehen werden müssten.
Für die CDU steht deshalb fest: „Bevor Millionen investiert werden, muss klar sein, welche Nutzung tatsächlich besteht und ob bestehende Gebäude oder Kooperationen eine wirtschaftlichere Lösung bieten. Schulen, Kitas und Feuerwehr haben aktuell Vorrang.“ Angesichts der schwierigen Haushaltslage sehen die Christdemokraten den Bau eines Stadtteilhauses derzeit jedoch nicht als Priorität an.
„Empelde als größter Stadtteil verdient einen attraktiven Mittelpunkt“, heißt es vonseiten der FDP, die auch die Nutzungsmöglichkeiten identifiziert hat: „Ein Stadtteilhaus könnte Teile der Verwaltung, Bürgerservice und Begegnung (auch gegebenenfalls mit Gastronomie) bündeln.“ Für die Partei müssen allerdings Nutzungen, Kosten und Folgekosten „in einem vernünftigen Verhältnis stehen“. Aufgrund der desolaten Haushaltslage lehnen die Liberalen den Bau zum jetzigen Zeitpunkt aber ab.
Bei allem sozialen Nutzen hält die AfD jedoch einen solchen „Neubau auf Kredit“ angesichts der desolaten Haushaltslage für unverantwortlich. Alle Projekte müssten jetzt vielmehr konsequent nach Nutzwert priorisiert werden. Eine zeitnahe Umsetzung ist aus Parteisicht nur mit einem Finanzierungs- und Nutzungskonzept verantwortbar, das die Stadt Ronnenberg tragen kann. Damit macht sich die Partei eine Position zu eigen, die die CDU-Fraktion in der vergangenen Haushaltsdebatte vielfach gefordert hatte.
Die Linke sieht in dem geplanten Stadtteilhaus ein „sinnvolles Gemeinschaftszentrum“ für Empelde. Neben der Nutzung als Veranstaltungsort und Begegnungsstätte schlägt die Partei, die im September in den Rat zurückkehren will, eine weitere Funktion vor: „Als statistisch einkommensschwächster Ortsteil wäre eine allgemeine soziale Anlaufstelle denkbar, die bei Behördengängen, Sprachbarrieren oder anderen Problemen als erster Ansprechpartner zur Seite steht und gegebenenfalls an weitere Stellen vermittelt.“ Zu diesem Zweck betreibt die Stadt allerdings bereits erfolgreich ihre Sozialberatungsstelle in der Löwenberger Straße 24.
Anstelle eines Neubaus empfiehlt Paktplus die Nutzung vorhandener Potenziale. So solle die Stadt Räume wie Rathaussaal, Schulen und Vereinsheime gegen Mietzahlung nutzen und erweitern – das stärke den Ort. Doch genau an dieser Stelle besteht der Mangel im größten Stadtteil Empeldes: Nicht zuletzt verfügt das Rathaus als früheres Verwaltungsgebäude der Kali-Zeche Hansa über keinen eigenen Saal. Für Paktplus kein Problem: „Für die Politik reicht das Gemeinschaftshaus in Ronnenberg weiter aus.“