„Wir sind längst aus der Schublade Backen und Kochen heraus“
Der Landfrauenverein feiert seinen Achtzigsten – und versucht den Spagat zwischen älteren und jungen Mitgliedern hinzubekommen

Die Spannung steigt: Heike Wekel (links) und Petra Paland feilen an ihrer Festrede.Foto: Heidi Rabenhorst
Region. Der Landfrauenverein Gehrden-Ronnenberg-Hemmingen-Wennigsen blickt auf acht Jahrzehnte Vereinsgeschichte zurück. Was macht ihn bis heute erfolgreich? Wir haben beim Führungsduo Petra Paland und Heike Wekel nachgefragt, was sich hinter der 80-jährigen Geschichte verbirgt.

Ein wichtiger Faktor sei die Pflege langjähriger Freundschaften, sagen die beiden Vorsitzenden. Ältere Mitglieder, die nicht mehr an Versammlungen teilnehmen können, würden nicht allein gelassen. Die Ortsvertreterinnen kümmerten sich um sie. Zudem sei der Jahresbeitrag mit 40 Euro vergleichsweise niedrig.

Petra Paland hebt besonders die Zeit der Corona-Pandemie hervor. „Wir haben einen großen E-Mail-Verteiler aufgebaut. Zu Ostern oder Weihnachten haben wir kleine Briefe verschickt und Geschenke verteilt, damit der Kontakt nicht abreißt“, sagt sie.

Außerdem sei das Programm sehr vielfältig und spreche Frauen mit ganz unterschiedlichen Interessen an. „Wir wollen den Spagat zwischen jungen und älteren Mitgliedern schaffen, ohne jemanden zurückzulassen“, sagt Paland. Ziel sei es, die Gemeinschaft zu stärken und gleichzeitig offen für neue Ideen und Generationen zu bleiben. Heike Wekel hebt einen weiteren Aspekt hervor: „Für viele Mitglieder ist es angenehm, dass unsere Veranstaltungen ausschließlich für Frauen sind.“

Die Zusammensetzung der Mitglieder hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gewandelt. „Früher waren die meisten Mitglieder Bäuerinnen. Das ist heute nicht mehr so“, sagt Wekel. Themen aus Natur und Landwirtschaft spielten zwar weiterhin eine wichtige Rolle, das Spektrum sei aber deutlich breiter geworden. „Wir behandeln auch politische Themen“, erklärt Wekel. Besonders gut besucht seien zudem Veranstaltungen rund um Gesundheitsthemen.

Paland verweist auch auf den Bildungsauftrag der Landfrauen. Aktuell seien beispielsweise die Wechseljahre ein wichtiges Thema, insbesondere vor dem Hintergrund längerer Erwerbsbiografien. Unternehmen müssten darauf künftig stärker Rücksicht nehmen. „Und wir setzen uns seit jeher für die Rechte von Frauen ein“, sagt sie.

Wichtig sei auch die Kommunikation zwischen den einzelnen Ortsvereinen. „Es entstehen Freundschaften über den eigenen Wohnort hinaus“, sagt Paland. Informationsquelle seien die monatlichen Rundbriefe. Sehr beliebt seien außerdem Tages-, Mehrtages- und Auslandsfahrten. Großen Zuspruch erfahren Betriebsbesichtigungen, Theater- und Museumsbesuche sowie Städtefahrten.

Das Programm wird inzwischen stärker auf berufstätige Frauen abgestimmt. Deshalb gibt es zunehmend Abendveranstaltungen. Ziel des Führungsduos sei es, „einen Spagat zwischen Tradition und modernem Zeitgeist“ zu schaffen. Der Landfrauenverein will nicht länger auf die klassischen Klischees reduziert werden. Auch die Zusammensetzung des Vorstands hat sich verjüngt. Mit den Beisitzerinnen Friederike Grefe, Mareen Rode und Corinna Schasse sind gleich drei Frauen im Alter von Mitte 30 in diesem Gremium aktiv. „Wir sind längst aus der Schublade Backen und Kochen herausgeschlüpft“, betont Wekel.

Als eine Herausforderung nennen die Vorsitzenden die Suche nach bezahlbaren Veranstaltungsräumen. Seit dem Wegfall des Sportpark-Restaurants in Empelde werde es zunehmend schwieriger, geeignete Orte zu finden. Umso dankbarer sei der Verein für die Nutzungsmöglichkeiten im Dorfgemeinschaftshaus Holtensen. Gleichzeitig stiegen die Honorare für Referenten ebenso wie die Kosten für kulturelle Angebote.

Der Verein zählt 310 Frauen aus 29 Orten in Gehrden, Ronnenberg, Hemmingen und Wennigsen. Gefeiert wurde das Jubiläum am 26. Juni im Stadtteilzentrum Hannover-Ricklingen.

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