Künftig nur noch als Duo auf Streife im Deister
Barsinghausen soll bald zwei Feld- und Forsthüter haben. Rat beschließt weitere Stelle, während Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen der Vorfälle mit Mountainbikern vor einem Dreivierteljahr andauern.

Bis zur Eskalation: Immer wieder gibt es Ärger wegen illegaler Mountainbike-Strecken im Deister – im November 2025 wurde es handgreiflich.Foto: picture alliance/dpa
Barsinghausen. Gesetzlich dazu verpflichtet, bei ihrer täglichen Arbeit oder auf Streife stets zu zweit unterwegs zu sein, sind Feld- und Forsthüter nicht. Nach den Handgreiflichkeiten mit Mountainbikern in der Fußgängerzone aufgrund illegaler Trails im Deister und der Kündigung des Feld- und Forsthüters infolgedessen will die Stadt Barsinghausen nun für mehr Sicherheit sorgen – und schreibt jetzt zwei Stellen aus. Der Rat hat jüngst einstimmig beschlossen, hier personell aufzustocken.

Der Vorfall liegt inzwischen fast ein Dreivierteljahr zurück. Etwa zehn Mountainbiker sollen am 30. November 2025 dabei erwischt worden sein, als sie im Deister angeblich mehrere illegale Strecken oder Hindernisse bauen wollten. Später erkannte der zuständige Hegeringleiter offenbar einen Teil der Gruppe in einem Eiscafé in der Fußgängerzone wieder. Dort eskalierte die Situation. Als der hinzugerufene städtische Feld- und Forsthüter die Männer nach ihren Personalien fragte, sollen drei Mountainbiker versucht haben zu fliehen. Der Forsthüter wollte sie daran hindern, die Szene gibt es auf Video. Daraus soll sich eine kurze körperliche Auseinandersetzung mit mehreren Leichtverletzten entwickelt haben. Es steht Aussage gegen Aussage.

Die Polizei hat die Ermittlungen inzwischen an die Staatsanwaltschaft Hannover übergeben. „Die Ermittlungen dauern noch an”, teilte die Erste Staatsanwältin Kathrin Söfker auf Nachfrage der HAZ-Redaktion Ende Juni mit. Dies betreffe sowohl den Vorwurf der Sachbeschädigung durch den illegalen Trailbau im Wald gegen die Mountainbike-Fahrer, als auch die Ermittlungen zu dem, was sich im Eiscafé abgespielt habe, sagt sie.

„Es gibt wechselseitige Vorwürfe zu den Körperverletzungen“, so Söfker. Die Verteidiger hätten Akteneinsicht beantragt. Wie viel Zeit das Ermittlungsverfahren noch in Anspruch nimmt, konnte die Staatsanwaltschaft zum Zeitpunkt der Anfrage nicht sagen. Auch ob es überhaupt zu einer Anklage kommt, sei noch nicht abzusehen gewesen.

14 Monate lang hatte Barsinghausen seinen Feld- und Forsthüter im Einsatz, ehe es Ende November zu dem Vorfall kam. Er war der erste Forsthüter, den die Stadt offiziell bestellte. Seine Aufgaben: kontrollieren und Präsenz zeigen. Dabei geht es nicht nur um die Nutzungskonflikte im Wald zwischen Mountainbikern, Forstleuten, Spaziergängern und Wanderern, sondern auch um E-Bike-Fahrer im Deister, um die Leinenpflicht für Hunde in der Brut- und Setzzeit und um die Aufklärung von Erholungssuchenden. Zunächst erledigte der Feld- und Forsthüter diese Aufgabe ehrenamtlich, zuletzt hatte er eine geringfügige Beschäftigung bei der Stadt. Seit dessen Kündigung ruht das Amt.

Mit künftig zwei Feld- und Forsthütern möchte die Stadt Barsinghausen schwierigen Situationen vorbeugen. „Die Begleitung zu zweit hat den Vorteil, dass bei Auseinandersetzungen ein Zeuge anwesend ist“, sagt Bürgermeister Henning Schünhof (SPD). Traurigerweise seien verbale Angriffe keine Einzelfälle.

Ob eine Stadt einen Forsthüter einstellt, ist gesetzlich geregelt. Nach dem Niedersächsischen Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) sind die Gemeinden verpflichtet, für den Feld- und Forstschutz zuständige Personen zu berufen. Ob die Kommune dabei den „ordnungsrechtlichen Vollzug im Wald”, wie es offiziell heißt, auf einen Feld- und Forsthüter überträgt oder diese Aufgabe zum Beispiel von Mitarbeitern des städtischen Ordnungsamtes erledigen lässt, entscheidet sie selbst.

Die zwei Teilzeitstellen will die Verwaltung nach dem Ratsbeschluss nun schnellstmöglich ausschreiben. Besetzt werden sollen sie möglichst noch in diesem Jahr, kündigte Schünhof an.

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