„Die außerordentliche Mitgliederversammlung hat im April einstimmig die Auflösung des Vereins beschlossen“, berichtet Vorstandsmitglied Gabriele Grotstück. Zuvor sei es nicht gelungen, Kandidaten für die erforderlichen Neuwahlen zu finden – trotz langer und aufwendiger Suche. Grotstück wurde deshalb gemeinsam mit Gudrun Vorreiter vom bisherigen Teamvorstand zur Liquidatorin bestimmt. Eine Aufgabe: die Abwicklung der laufenden Geschäfte. Dazu zählt auch der Rückbau der Wassertretstellen.
„Wenn es den Verein nicht mehr gibt, endet auch das Pachtverhältnis mit den Waldbesitzern für die Flächen, auf denen sich die Anlagen befinden“, erklärt Grotstück. Der Rückbau der Tretstellen „Lehmbrink“ am Waldkater in Wennigsen und „Georgsplatz“ in der Wennigser Mark sei eine vertraglich geregelte Verpflichtung. Das sei jeweils mit den Niedersächsischen Landesforsten und den Klosterforsten so vereinbart. Nach der beschlossenen Auflösung des Kneipp-Vereins sind auch für die beiden Touristenattraktionen die Tage gezählt. Grotstück bedauert das sehr. Schon kurz nach der Vereinsgründung im Jahr 1970 sei zunächst die Wassertretstelle in Wennigsen entstanden, drei Jahre folgte später die Anlage in der Wennigser Mark. Der Kneipp-Verein habe mit dieser Form der Gesundheitsförderung auch einen Beitrag für das Gemeinwohl geleistet. „Die Tretstellen waren immer öffentlich zugänglich“, sagt Grotstück. Der Verein habe die Anlagen ehrenamtlich betrieben und auf eigene Kosten betreut. „Das sind touristische Attraktionen“, sagt Grotstück.
Zuletzt gab es große Unterstützung seitens der Gemeinde Wennigsen. Weil die Betreuung der Tretstellen für die Ehrenamtlichen aus Altersgründen immer schwieriger geworden sei, habe der kommunale Bauhof bei der Pflege der Anlagen sehr geholfen, so Grotstück. Nach der Vereinsauflösung seien auch viele Gespräche mit anderen Vereinen geführt worden, um den drohenden Rückbau zu vermeiden. „Es hat sich aber niemand gefunden, der die Anlagen und das Pachtverhältnis übernehmen will“, bedauert sie.
Jetzt möchte offenbar die Gemeinde Wennigsen einspringen. „Wir wollen, dass die Wassertretstellen erhalten bleiben“, bestätigt Bürgermeister Ingo Klokemann (SPD) gegenüber dieser Redaktion. Über mögliche Modelle soll mit den Vereinsliquidatorinnen und den Waldeigentümern gesprochen werden.
„Die Gemeinde würde sich um die Pflege der Tretstellen kümmern“, sagt der Bürgermeister. Mit den Landes- und Klosterforsten müsse jedoch geklärt werden, in welchem Rahmen auf deren Flächen mit Unterstützung des Bauhofs ein Erhalt möglich sei. Er sei aber optimistisch, dass sich eine Lösung finden lasse. „Das wäre eine tolle Sache“, sagt Grotstück.
Eine Rettung des Kneipp-Vereins Wennigsen/Gehrden zeichnet sich unterdessen nicht ab. Mögliche Kandidaten für einen neuen Vorstand hätten sich immer noch nicht gemeldet, sagt Grotstück.
Nach der Abwicklung der Geschäfte und einer Sperrfrist von einem Jahr sei der nächste Schritt die Löschung aus dem Vereinsregister. „Die meisten der knapp 300 Mitglieder haben schon gekündigt.“