Stadtwerke überprüfendie Wasserleitungen
Nächtlicher Einsatz: Der Leck-Check soll Leckagen im Trinkwassernetz aufdecken

Nächtlicher Einsatz: Detlev Baldauf (links) und Liam Weidner von der Firma Severin beim Leck-Check in Barsinghausen.Foto: Nina Rasche
Barsinghausen. Aufmerksame Barsinghäuser dürften bemerkt haben, dass in den zurückliegenden Nächten auf den Straßen mehr Betrieb als üblich war. Die Stadtwerke haben gemeinsam mit der Firma Severin in den vergangenen zwei Wochen die Wasserleitungen der Stadt auf Lecks überprüft. Die Redaktion hat die Experten dabei begleitet. Einsatzgebiet in dieser Nacht: Kirchdorf.

Die Trupps kontrollieren pro Nacht zwei Bereiche. Dabei werden die Messgebiete so gewählt, dass zwischen ihnen ein gemeinsamer Kontrollpunkt aufgebaut werden kann.

Dort wird eine Messstation eingerichtet: Der Wasserfluss wird über einen Schlauch durch einen Messkasten und wieder in die Erde geleitet. Dadurch bleibt das Gebiet auch während der Lecksuche mit Wasser versorgt.

Danach werden die übrigen Zuflüsse zu dem Gebiet geschlossen. Je nach Größe des Areals kann die Anzahl variieren. Diese Nacht wird im Bereich Die Heide, Stoppstraße und Landstraße überprüft.

Das Messgebiet ist vergleichsweise klein. Es müssen nur drei Zuläufe geschiebert werden. So heißt das Zudrehen der Zuflüsse im Fachjargon. Das funktioniert mit einem sogenannten elektrischen Schieberdrehgerät und mechanisch mit einem Schieberschlüssel.

Sind alle Zuflüsse dicht, geht es zurück zum Kontrollpunkt. Durch diesen fließt nun das gesamte Wasser, das in dem Messgebiet verbraucht wird. Nun heißt es warten.

Der Messkasten zeigt den Wasserfluss in Litern an. Im Messfahrzeug ist ein Computer, aus dem der Wasserverbrauch auf einem Graphen ablesbar ist. Die Techniker warten darauf, dass dieser Wert annähernd auf null abfällt.

Um 22.30 Uhr gibt es noch deutliche Schwankungen im Wasserverbrauch, was daran liegt, dass viele Bewohner noch wach sind. „Zuverlässig messen kann man erst ab etwa 23 Uhr oder Mitternacht. Dann verbrauchen die Haushalte nur noch vereinzelt Wasser”, erklärt Stadtwerke-Mitarbeiter Carsten Christoph. Er weiß, wovon er spricht: Viele Jahre hat er selbst nach Lecks in Wasser- oder Gasrohren gesucht.

Lassen die Schwankungen nach, ist klar, dass sich in diesem Bereich keine Leckagen befinden. Fällt der Wert allerdings nicht auf null ab, sondern bleibt er nach einiger Zeit konstant bei einem Fluss, sind Lecks vorhanden.

Bei einem etwas vier Millimeter großen Loch in der Wasserleitung, was einem sehr kleinen Leck entspricht, verliert die Leitung rund 23 Liter pro Minute. Das sind 1430 Liter in der Stunde, mehr als 34.000 Liter am Tag und mehr als eine Millionen Liter monatlich.

Ein großes Leck von zwei Zentimetern verliert monatlich fast 26 Millionen Liter Wasser. Diese Menge kann mehr als zehn olympische Schwimmbecken füllen. Die Lecks beeinflussen zwar nicht die Qualität des Trinkwassers, haben aber eine große Verschwendung von Trinkwasser zur Folge.

Wurde eine Leckage im Messbereich festgestellt, wird dieser im nächsten Schritt verkleinert. Das heißt, es passiert wieder dasselbe, nur dass nun der Messbereich kleiner ist.

So wird ein Gebiet systematisch abgesucht, bis der Bereich so klein ist, dass die händische Suche beginnt. „Wenn die Rohre aus Metall sind, hört man die Wasserlecks recht gut”, erklärt Detlev Baldauf, von der Firma Severin. Mit einem Mikrofon werde schließlich die verdächtige Geräuschquelle, also im Idealfall das Leck, gesucht.

Die Bilanz des zweiwöchigen Checks in Barsinghausen: Es wurden fünf Lecks gefunden. Die Stadtwerke haben laut Carsten Christoph damit einen immensen Wasserverlust von rund 150 Liter pro Minute und etwa 216.000 Litern pro Tag gestoppt.

„In Zeiten des Klimawandels ist es wichtig, sparsam mit der Ressource Trinkwasser umzugehen“, betont der Stadtwerke-Mitarbeiter.

Druckansicht