Dabei hat sich das Gesicht der Barsinghäuser Innenstadt in den vergangenen 20 Jahren deutlich verändert. Immer mehr inhabergeführte Läden sind verschwunden. Zuletzt waren es die Kindergalerie, das Schreibwarengeschäft Kleine, der Blumenladen Böhlke und erst kürzlich Elektroexperte Kuhnert, die zumachten. Sport Keil, die Ledergalerie, der Herrenausstatter Riechers, das Bekleidungsgeschäft Brackhahn, die Schuhläden Tebbe und Rose sowie Frehe, wo es Haushaltswaren und Geschenkartikel gab, existieren schon länger nicht mehr. Stattdessen besetzen zunehmend Billigketten wie Tedi, NKD und Woolworth die frei werdenden Verkaufsflächen.
Auch das Fachgeschäft Gödeke Optik, das es seit fast 30 Jahren in Barsinghausen gibt, ist seit Kurzem nicht mehr inhabergeführt. „Dort gab es die Übergabe zu einem großen Unternehmen. Das ist seit dem 1. Mai offiziell“, berichtet Viebahn. Die bisherige Chefin arbeite weiterhin dort, auch die Belegschaft sei übernommen worden.
Was Viebahn freut, ist die Entwicklung in der Bahnhofstraße mit der Neueröffnung des „Mo’ Amor”. Dort waren früher jahrzehntelang das bekannteste Fotostudio in Barsinghausen und danach eine inhabergeführte Modeboutique ansässig. Später standen die Räume fast zwei Jahre leer, ehe nun die neue Gastronomie dort eröffnet hat.
Einige Betriebe sind aus der Innenstadt von Barsinghausen ins Gewerbegebiet abgewandert, weil sie dort mehr Expansionsmöglichkeiten haben. Auch Geschäftsmann Viebahn selbst gehört dazu, der mit seinem Computertechnikunternehmen CTB IT von der Bergstraße am Rande der Fußgängerzone in die Marie-Curie-Straße gezogen ist. „Wir brauchten einfach mehr Platz”, sagt er. Und dieser Bedarf nach mehr Kapazität sei kein Einzelfall in Barsinghausen.
So ist auch der Traditionshandwerksbetrieb LattmannHeizung-Sanitär-Technik von der Egestorfer Straße, wo das Unternehmen vor über 130 Jahren gegründet wurde, in die Marie-Curie-Straße umgezogen. „In den Bestandsbauten ist es den gesetzlichen Vorgaben geschuldet, dass man sich nicht so einfach vergrößern kann“, sagt Viebahn. In Neubauten sei dies einfacher. Für Viebahn zählt die Egestorfer Straße durchaus noch zum Innenstadtbereich – er spricht von einem erweiterten Radius um die City, der bis zu Top In im Gewerbegebiet an der Bunsenstraße reicht.
Trotz aller Veränderungen: „Ich habe den Eindruck, dass sich der Standort Barsinghausen festigt. Auch bei den Geschäften bekomme ich mit, dass sie einstellen und Mitarbeiter suchen“, sagt Viebahn. Auch die Mobilitäts- und Wirtschaftsschau MOWI in Barsinghausen, habe dies untermauert. „Das war nicht nur eine Kampagne, sondern auch das klare Bekenntnis, um zu zeigen, dass man dafür Mitarbeiter einsetzt und Leute einstellen will.“
Viebahn vergleicht Barsinghausen mit umliegenden Kommunen. In Wunstorf, Stadthagen und Hameln gebe es weitaus mehr Leerstand, sagt er. „In Hameln übernimmt die Stadt sogar für die ersten sechs bis zwölf Monate die Miete, damit der Leerstand behoben wird und ein neuer Interessent Unterstützung für den Start erhält.“
Dem Vorsitzenden von „Unser Barsinghausen” ist es wichtig, die Zusammenarbeit mit der Stadt Barsinghausen hervorzuheben. „Sie hilft uns bei der Vorbereitung von Veranstaltungen – etwa beim Laternenumzug. Es ist Wahnsinn, welche Vorgaben man da beachten muss, und das schon jetzt im Juli für den November", sagt Viebahn.
Gut findet er, dass die Stadt „in Kürze personell nachlegt“ und es eine hauptamtliche Managerin für das Stadtmarketing geben soll. Zum Aufgabengebiet gehört laut Stellenbeschreibung dann auch die „Konzeption und Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung der Geschäftstreibenden der Innenstadtbereiche“, etwa durch den Aufbau eines präventiven Leerstandsmanagements, die Unterstützung bei der Vermarktung und Zwischennutzungen.
Mehr als 50 Bewerbungen soll die Stadt auf den neuen Managerposten erhalten haben. Das Land fördert die Stelle mit 114.500 Euro aus dem Programm „Zukunftsräume Niedersachsen“, zunächst bis Ende 2028.