Schon ein Spaziergang über den Marktplatz an einem heißen Sommertag zeige, wo Handlungsbedarf bestehe, sagt Dr. Iris Wesely aus Gehrden, die dem Aufsichtsrat der Energiegenossenschaft Calenberger Land angehört. Ihre Bilanz für Gehrden fällt kritisch aus: „Große versiegelte Flächen speichern die Hitze, Schatten ist Mangelware, und die vorhandenen Pflanzflächen können die Temperaturen kaum spürbar senken.“
Die Grünen haben schon im vergangenen Jahr eine Diskussion darüber angestoßen, welche konkreten Maßnahmen die Menschen in der Innenstadt besser vor Hitze schützen können. Dort dominieren derzeit Beton, Asphalt und versiegelte Flächen, denn bei der Innenstadtsanierung hat Hitzeschutz kaum eine Rolle gespielt.
Nach den Vorstellungen der Grünen könnten in der Innenstadt mehr Flächen entsiegelt werden. Sinnvoll sei es auch, Regenrückhaltebecken zu bauen, um in Dürreperioden die Wasserversorgung zu sichern. Außerdem fordert die Fraktion, eine „Baumoffensive“, damit mehr Bäume und Sträucher die Stadt Gehrden bei Hitze abkühlen können. Besonders die Fußgängerzone mit ihrer sehr überschaubaren Vegetation haben die Grünen dabei im Blick.
Bürgermeister Malte Losert (parteilos) kennt die Zusammenhänge. Die Stadt wolle auch handeln und suche nach innovativen Lösungen, sagt er. So seien mobile Pflanzkübel bei einem Stuttgarter Start-up-Unternehmen geordert worden. Weil die Kübel mit wenig Aufwand den Standort wechseln könnten, sei es möglich, schnell auf Veränderungen zu reagieren – ob als Schattenspender für temporäre Veranstaltungen, in der Nähe von Baustellen oder für andere saisonal nötige Anpassungen.
„Es gibt allerdings lange Lieferzeiten, weil auch andere Städte Bedarf haben“, erklärt Losert. Er erinnert aber auch daran, dass durchaus Bäume in der Fußgängerzone gepflanzt worden seien. „Sie müssen allerdings noch wachsen.“ Und: Mit der Kirchwiese rund um die zentral gelegene Margarethenkirche gebe es immerhin eine Grünfläche in der Innenstadt. Zudem seien am Marktplatz eine Wassertreppe und ein weiteres Wasserspiel bei den sogenannten bronzenen Schweinen angelegt worden.
Iris Wesely begrüßt diese Ansätze. Und sie ist sicher: „Ich bin überzeugt, dass viele Bürgerinnen und Bürger bereit wären, sich mit Ideen, praktischer Unterstützung oder Spenden für einzelne Projekte einzubringen.“ Entscheidend sei, dass Politik, Verwaltung und Bürgerschaft jetzt gemeinsam handeln und Klimaanpassung als Zukunftsaufgabe begreifen.
Wie gut die Städte für extreme Wärme im Sommer gewappnet sind, hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) geprüft. Das Ergebnis: Viele Kommunen seien nicht hinreichend präpariert, es gebe zu viel Beton und zu wenig Grün. Laut DUH sind aus den untersuchten 195 Städten mit mehr als 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern allein mehr als 900.000 Bäume in den Jahren zwischen 2018 und 2025 verschwunden. Und die Versiegelung schreite weiter voran.
Mehr als zwölf Millionen Menschen in deutschen Städten sind laut DUH von extremer Hitze betroffen.Versiegelte Flächen, fehlendes Stadtgrün und kaum Schattenplätze machten die Kommunen im Sommer zu gefährlichen Hitzeinseln, heißt es.
Ein mögliches Zukunftsmodell: Beim HAZ-Energieforum stellten kürzlich Vertreter des Versorgers Avacon das Modell einer Schwammstadt vor. Dieses verfolgt das Ziel, Regenwasser systematisch in der Stadt zu halten, Flächen zu entsiegeln, Zisternen anzulegen und die Begrünung zu erweitern.