Auf eine starke Interessengemeinschaft
Zusammen bauen und wohnen: Bauherren fordert dies mehr ab als ein Soloanlauf –dabei kann ein Gemeinschaftsprojekt Kosten sparen und verbinden, wenn die Voraussetzungen stimmen.

Alters-WG, Mehrgenerationenprojekt oder ein Zuhause für junge Familien: Wer in der Gruppe baut, sollte sich früh auf gemeinsame Ziele einigen.Foto: Christin Klose/dpa
Berlin/Dresden. Gemeinsam bauen und dann zusammenwohnen – die Vorstellung klingt romantisch für junge Familien und einsame Senioren – oder? Doch die meisten Menschen verwirklichen sich den Traum vom Eigenheim alleine. Dabei sind die Vorteile, neuen Wohnraum als Gruppe zu schaffen und gemeinsam einzuziehen, spürbar: „Zehn bis 20 Prozent der Baukosten lassen sich beim Bauen in der Gruppe sparen“, sagt Thomas Penningh, Vorsitzender des Verbands Privater Bauherren.

Trotzdem wagen nur wenige Menschen den Schritt, Wohneigentum innerhalb einer Baugruppe zu errichten. Dabei gibt es gute Beispiele, in denen fast familiäre Gemeinschaften entstanden sind. Folgende Dinge sind wichtig, damit es klappt.

Wer sich mit dem Gedanken trägt, mit anderen zu bauen, muss sich Mitstreiter suchen. „Wichtig ist, dass die Leute zusammenpassen und gemeinsam Konflikte lösen können, die immer beim Bauen auftreten können“, sagt Penningh. „Das wird man nicht gleich beim ersten Treffen herausbekommen, aber es zeigt sich meist sehr schnell, ob jemand teamfähig ist oder nicht.“ Natürlich müssen sich auch alle das Wohneigentum finanziell leisten können.

„Wer nicht genügend passende Mitstreiter in seinem privaten Umfeld findet, kann sich an kommunale Beratungsstellen und regionale Netzwerke wenden. Dort gibt es Informationen über aktuelle Projekte“, sagt Marion Kempe, Vorsitzende des Bundesverbandes Baugemeinschaften in Dresden.

Soll es eine Alters-WG werden, ein generationsübergreifendes Projekt, eine integrative Wohnform oder das gemeinsame Zuhause junger Familien? „Gut ist, wenn möglichst früh definiert wird, wie die Wohngemeinschaft am Ende aussehen soll“, meint Ivy Wollandt von der Landesberatungsstelle Gemeinschaftliches Wohnen Schleswig-Holstein. „Dann finden die passenden Mitstreiter leichter zusammen.“

Mit dem Grundstück steht und fällt die Baugemeinschaft. „In größeren Städten ist es sehr schwer, auf dem freien Markt passende Grundstücke oder Objekte zu finden“, sagt Kempe. „Auf dem Land ist es häufig leichter.“ In der Phase des Grundstückskaufs sollten sich Baugruppen unbedingt beraten lassen. „Es geht um viel Geld, es sind Fehler möglich. Hier braucht man unbedingt jemanden, der sich auskennt“, so Kempe. Immer mehr Kommunen unterstützen das gemeinschaftliche Bauen und bieten ihre Grundstücke und Objekte für diesen Interessentenkreis an. „Über Ausschreibungen suchen sie die Gruppe aus, die das beste Konzept für die Nutzung hat“, so Kempe. „Oft bekommen Baugruppen den Zuschlag, die mehr wollen als nur das reine Wohnen, zum Beispiel Raum schaffen für die Nachbarschaft, ökologische Projekte oder eine Kita, die dann von der Kommune betrieben wird.“

Je mehr bauliches und organisatorisches Fachwissen in der Gruppe vorhanden ist, umso besser. Aber in der Regel finden sich in Baugemeinschaften Baulaien, sodass es unumgänglich ist, einen Projektsteuerer zu beauftragen. „Es gibt Projektentwicklungsbüros, die sich auf Baugruppen spezialisiert haben“, sagt Wollandt. „Sie kennen sich aus mit Behörden, Genehmigungsverfahren, Banken und Fördermöglichkeiten.“ Penningh zufolge sind diese von einem Projektsteuerer betreuten Baugemeinschaften bei Kommunen beliebt, „weil alles in einer Hand liegt und es klare Vorstellungen für die Entwicklung des infrage kommenden Grundstücks gibt“, sagt Penningh.

Mit der Verbreitung der Baugemeinschaftsidee haben sich laut Bundesverband Baugemeinschaften – neben der Bildung von Wohneigentum nach Wohnungseigentumsgesetz – inzwischen eine Vielzahl verschiedener Rechts- und Kooperationsformen herausgebildet, etwa bewohnergetragene Genossenschaften, GmbH & Co. KGs, Kooperationen mit Traditionsgenossenschaften oder kommunale Wohnungsunternehmen.

„Wichtig ist, schon bei der Gründung daran zu denken, unter welchen Umständen einzelne Mitglieder später aussteigen und neue aufgenommen werden können“, rät Kempe. „Für kleinere Baugemeinschaften eignet sich zum Beispiel die Rechtsform einer Genossenschaft.“

Es braucht Zeit, damit sich die Baugemeinschaft einheitlich handeln kann. „Es ist ratsam, sich möglichst früh auf Grundsätze und Werte der Gruppe zu einigen, die bei späteren Auseinandersetzungen eine gute Orientierung bieten“, sagt Wollandt. „Dazu gehören auch vermeintliche Kleinigkeiten, ob Haustiere erlaubt sind zum Beispiel.“

Es gilt: Wenn aus einer Baugemeinschaft eine Wohngemeinschaft wird, ist das Ziel erreicht. „Die Leute haben während der Planungs- und Bauphase Stresssituationen und Ausnahmezustände gemeinsam gemeistert“, sagt Wollandt, „das schweißt zusammen.“ dpa
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