Renaturierung als Schutzschild gegen Extremwetter
Nach der Hitze fordert der NABU: EU-Wiederherstellungsverordnung muss zur Klima-Vorsorge werden

Region Hannover. Die kürzlich heißen Tage haben Niedersachsen vor Augen geführt, was Hitze bedeutet: Menschen geraten körperlich an ihre Grenzen, Straßen, Böden und Gewässer sind enorm belastet und Wildtiere finden in ausgetrockneten Landschaften immer weniger Rückzugsorte, Schatten und Wasser. „Die aktuelle Hitzewelle ist damit mehr als ein Wetterereignis. Sie ist ein Warnsignal dafür, dass wir unsere Landschaften, Städte und Dörfer dringend widerstandsfähiger machen müssen“, teilt der NABU mit.

Während viele Menschen sich in kühle Räume zurückziehen, Wasserflaschen auffüllen oder Aktivitäten verschieben können, haben Wildtiere diese Möglichkeiten nicht. Sie sind darauf angewiesen, dass ihre Lebensräume funktionieren. Doch genau diese Lebensräume sind vielerorts geschwächt. Versiegelte Flächen speichern Hitze, begradigte Bäche führen Wasser zu schnell ab, trockengelegte Feuchtgebiete fehlen als natürliche Wasserspeicher und ausgeräumte Landschaften bieten kaum Schatten oder Kühlung.

„Diese Hitzewelle zeigt uns, wie verletzlich unsere Umgebung geworden ist. Wer Wildtiere schützen will, muss ihre Lebensräume schützen. Und wer Menschen vor Hitze schützen will, muss der Natur wieder mehr Raum geben“, erklärt Lamin Neffati, Pressesprecher des NABU Niedersachsen. „Renaturierung ist kein Randthema des Naturschutzes. Sie ist eine konkrete Antwort auf Hitzeperioden, Trockenheit und Wasserstress. Die letzten Tage haben gezeigt, dass sich niemand vor diesen Themen verschließen kann.“

Genau hier setzt die EU-Wiederherstellungsverordnung an. Sie sieht vor, geschädigte Ökosysteme wieder in einen besseren Zustand zu bringen. Dazu gehören unter anderem renaturierte Flüsse und Auen, gesunde Moore und Feuchtgebiete, naturnahe Wälder, artenreiche Agrarlandschaften und mehr Grün in Siedlungsräumen. Richtig umgesetzt können diese Maßnahmen helfen, die Folgen von Extremwetterlagen abzumildern.

Offene Böden nehmen Wasser auf, statt es ungenutzt abfließen zu lassen. Bäume spenden Schatten und kühlen ihre Umgebung. Moore, Feuchtgebiete, naturnahe Gewässer und Auen speichern Wasser, stabilisieren Landschaften in Trockenphasen und können bei Starkregen entlasten. Jede Fläche, die entsiegelt, begrünt oder ökologisch aufgewertet wird, ist ein Stück Vorsorge gegen die nächste Hitzewelle.

„Wir dürfen Hitzeschutz nicht allein auf Verhaltenstipps von Endverbrauchenden reduzieren. Entscheidend ist auch, wie wir unsere Naturräume gestalten“, so Neffati weiter. „Asphalt, Beton und ausgetrocknete Böden verschärfen die Hitzebelastung. Wiederhergestellte Natur wirkt dagegen wie ein natürliches Kühlsystem.“

Deshalb brauche es laut NABU nun den politischen Willen, die EU-Wiederherstellungsverordnung nicht auszubremsen, sondern ambitioniert umzusetzen. „Wer sich gegen wirksame Renaturierung stellt, nimmt in Kauf, dass sich Hitze, Trockenheit und Wasserstress weiter verschärfen. Niedersachsen kann es sich nicht leisten, natürliche Schutzräume weiter zu schwächen.“

„Nach dieser Hitzewelle kann niemand mehr behaupten, Renaturierung sei optional“, betont Neffati. „Sie schützt Arten, unsere Gesundheit und unsere Infrastruktur. Wer jetzt blockiert oder schwächt, handelt gegen die Wissenschaft und gegen eine klimaresiliente Umwelt. RED
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