Auf der Ruhestätte ihrer Familie ist nicht zum ersten Mal Grabschmuck verschwunden. Das sei kein Einzelfall, betont Lehnhoff. Schon seit gut einem Jahr treiben nach ihren Worten Grabdiebe auf dem Friedhof an der Levester Straße ihr Unwesen. „Kaum sind neue Blumen eingepflanzt, kann man sie kurz danach schon nicht mehr wiederfinden“, beschreibt die 58-Jährige ein regelmäßiges Muster.
Im Visier der Grabräuber ist aber offenbar nicht nur eingepflanzter Blumenschmuck: „Einer Bekannten wurden neulich Schnittblumen aus der Vase gestohlen“, berichtet Lehnhoff. Vom Grab ihrer Großeltern sei im Dezember sogar ein mit Draht verankertes Weihnachtsgesteck spurlos verschwunden. „Es ist doch bekannt, dass auf diesem Friedhof im großen Stil geklaut wird“, sagt Lehnhoff.
Der Blumenklau auf dem kommunalen Friedhof ist auch der Stadtverwaltung nicht entgangen. „Das ist bekannt“, bestätigt Stadtsprecher Frank Born. „Es werden gelegentlich Blumensträuße entwendet, die auf anderen Grabstätten wieder auftauchen“, berichtet er. Es komme auch vor, dass neue Anpflanzungen verschwinden. Aber: Eine deutliche Zunahme der Diebstähle sei nicht zu beobachten. Besondere Maßnahmen seien wegen der Vorfälle nicht geplant.
Gleichwohl bereiten die Grabdiebe den Hinterbliebenen großen Schmerz. Nicht nur die betroffene 58-Jährige ist fassungslos. „Auch meine Eltern kommen fast alle drei Tage zum Familiengrab, um die Blumen zu gießen“, berichtet sie. Die Ruhestätte werde gemeinsam regelmäßig neu bepflanzt. Auch ihre Eltern seien entsetzt. Den Grabschmuck zu stehlen, sei unfassbar skrupellos.
„Für Angehörige ist das nicht nur ein materieller Verlust, sondern vor allem eine schmerzhafte Erfahrung“, sagt Lehnhoff. Ein Grab sei ein Ort des Erinnerns und der Trauer. „Wer Blumen oder Grabschmuck stiehlt, nimmt Hinterbliebenen ein Stück dieses persönlichen Gedenkens“, so die 58-Jährige. Besonders verletzend sei für sie, dass solche Taten an einem Ort geschehen, der von „Ruhe, Würde und Respekt“ geprägt sein sollte. „Wir geben uns Mühe, den Verstorbenen ein würdevolles Andenken zu gestalten – und dann passiert so etwas“, sagt Lehnhoff.
Die Polizei äußert sich unmissverständlich zu den Berichten: Zwar sei im Bereich von Diebstählen auf Friedhöfen kein zunehmender Trend bekannt, berichtet Maike Petereit vom Polizeikommissariat (PK) Ronnenberg. Die Leiterin des Kriminalermittlungsdienstes (KED) sagt aber auch: „Solche Vorfälle werden von Betroffenen nicht zur Anzeige gebracht.“
Trotzdem warnt sie: Auch der Diebstahl einer geringwertigen Sache sei eine Straftat. Im Fall von Sachbeschädigungen an öffentlichen Totengedenkstätten und von Zerstörungen an Beisetzungsstätten drohe sogar eine Freiheitsstrafe.
Um weitere Schäden künftig in Grenzen zu halten, hat die 58-jährige Angehörige Katja Lehnhoff die Anzahl der Anpflanzungen reduziert. Stattdessen schmücke sie das Grab auch mit Steinen. „Dann ist der Aufwand nicht so groß und die Schäden sind überschaubarer“, sagt Lehnhoff.
Trotzdem hofft sie, dass eine erhöhte Aufmerksamkeit aller Friedhofsgäste und des Pflegepersonals die Grabdiebe abschrecken könnte. „Wir können gemeinsam dazu beitragen, dass solche Vorfälle seltener werden“, sagt Lehnhoff. Ihr eindringlicher Appell: „Friedhöfe sollten Orte bleiben, an denen Angehörige ungestört trauern und ihrer Verstorbenen gedenken können.“