Radtouren zur Energiewende
Zukunftstour-Reihe von Basche erneuerbar führt zu Energie- und Infrastrukturprojekten vor Ort

Auf Windenergie-Tour: Der Verein Basche erneuerbar ist mit etwa einem Dutzend Teilnehmenden im Calenberger Land unterwegs. foto: privat
Barsinghausen. Der Verein Basche erneuerbar setzt seine Zukunftstour-Reihe fort. Bei zwei Fahrradtouren haben sich bereits jeweils rund ein Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Energie- und Infrastrukturprojekte im Calenberger Land informiert – unter anderem am Windpark bei Leveste, am Wasserwerk in Eckerde und am Klärwerk Nordgoltern. Weitere Stationen folgen an den kommenden Wochenenden.

Bei der Tour zum Windpark nach Leveste ging es um acht Windenergieanlagen mit jeweils 2,0 beziehungsweise 2,3 Megawatt Leistung und einer Gesamthöhe von rund 100 Metern. „Nach heutigen Maßstäben kleine Anlagen, die gleichwohl das Landschaftsbild zwischen Leveste und Eckerde prägen. Vor allem aber leisten sie einen wichtigen Beitrag zur regionalen Energiewende“, teilte Meike Poutrain für den Verein mit. Rund die Hälfte des im Gehrdener Stadtgebiet erneuerbar erzeugten Stroms stamme allein aus diesem Windpark.

„Und das seit über 20 Jahren“, betonte Jan Pinkernelle, Geschäftsführer der Betreibergesellschaften, die derzeit ein Repowering der Anlagen planen. Noch seien die Betreibergemeinschaften jedoch sehr zufrieden mit den bestehenden Anlagen.

Anschließend führte die Tour zum Mühlenberg an der Stadtgrenze zwischen Seelze und Barsinghausen. Dort steht neben dem Wassergewinnungsgelände des Wasserverbandes Garbsen-Neustadt die bislang einzige repowerte Windenergieanlage im Calenberger Land. Mit 175 Metern Gesamthöhe, 112 Metern Rotordurchmesser und einer Leistung von 3300 Kilowatt ist sie mehr als dreimal so leistungsstark wie die älteren Anlagen in der Umgebung. Die Jahresproduktion liegt nach Betreiberangaben bei rund acht Millionen Kilowattstunden. Zum Schutz von Fledermäusen werde die Anlage in den Sommermonaten bei entsprechenden Temperaturen und Windbedingungen zeitweise abgeschaltet.

Eine weitere Zukunftstour stand unter dem Motto „Kommune kann Klimaschutz“. Unter Leitung von Gerd Köhler von Basche erneuerbar und Wernhard Thielemann vom ADFC führte sie zunächst zum Wasserwerk in Eckerde. Dort stellten Janina Binner, Klimaschutzmanagerin der Stadt Barsinghausen, und Benjamin Winkler, Wassermeister der Stadtwerke Barsinghausen, aktuelle Projekte vor.

Binner erläuterte unter anderem das Potenzial der thermischen Nachnutzung des Grubenwassers aus Schacht IV. Grundlage ist eine Studie der Fraunhofer IEG. Demnach tritt das Wasser dort mit einer durchschnittlichen Temperatur von 20,8 Grad Celsius und einer Fördermenge von 66 bis 83 Litern pro Sekunde ohne zusätzlichen Energieaufwand aus. Derzeit werde geprüft, ob sich die Nutzung für ein Nahwärmenetz wirtschaftlich umsetzen lasse.

Winkler führte die Gruppe anschließend durch das Wasserwerk. Dort wird ein Großteil des Barsinghäuser Trinkwassers gefördert. Rund 1,6 Millionen Kubikmeter Wasser stammen jährlich aus sechs Brunnen, weitere 500.000 Kubikmeter aus den Deisterquellen. Thema waren auch die Aktivkohlefilter zur Reinigung des PFAS-belasteten Grundwassers. Nach Angaben der Stadtwerke werden die belastenden Stoffe mithilfe der Filter aus dem Wasser entfernt.

Letzte Station war das Klärwerk Nordgoltern. Marcus Füssel, Leiter der Stadtentwässerung, und Heiko Bartling, Leiter des Klärwerks, erläuterten die Abläufe der Anlage, die jährlich rund 3,5 Millionen Kubikmeter Abwasser von etwa 34.000 Einwohnern sowie von Unternehmen aus 18 Ortsteilen reinigt.

Besonders interessierte die Teilnehmer die Energieversorgung. Seit 2022 produziert eine Schlammfaulungsanlage mit Blockheizkraftwerk rund die Hälfte des jährlichen Strombedarfs von etwa 1,6 Millionen Kilowattstunden direkt vor Ort. Weitere zehn Prozent werden durch eine Photovoltaikanlage gedeckt.

Für viele Teilnehmer waren es die ersten Einblicke in kommunale Ver- und Entsorgungseinrichtungen. Die Organisatoren zogen ein positives Fazit: Die Touren zeigten, dass Klimaschutz nicht nur in großen politischen Programmen stattfindet, sondern auch an vielen Stellen direkt vor Ort.

Die nächste Zukunftstour steht am heutigen Sonnabend, 13. Juni, unter dem Titel „Unter Höchstspannung“ an. Start ist um 11.15 Uhr am Bahnhof Barsinghausen. Ziel sind Energieprojekte rund um den Stemmer Berg, darunter das Umspannwerk Hannover-West, der Südlink sowie das Info-Zentrum Gut Dunau.
Weitere Touren finden am 21. und 28. Juni statt. Anmeldungen nimmt Bernd Greger per
E-Mail an greger.wennigsen@ t-online.de entgegen.
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