Was sich in der Notaufnahme ändern soll
Gehrden und Neustadt erhalten erstmals eine chefärztlich geführte Notfallmedizin.Das KRH reagiert damit auch auf steigende Patientenzahlen und Überlastungsanzeichen.

Gehrden/Neustadt. Die Kliniken Robert Koch Gehrden und Neustadt am Rübenberge bekommen erstmals einen eigenen Chefarzt für die Notfallmedizin. Zum 1. Juni übernimmt der bisherige leitende Arzt der Zentralen Notaufnahme (ZNA) im KRH Klinikum Nordstadt, Malte Feurer, die Leitung der Notaufnahmen an beiden Standorten.

Hinter der Personalentscheidung steht eine größere Umstrukturierung der Notfallversorgung im Klinikum Region Hannover (KRH). Nach Angaben des Klinikverbunds steigt die Zahl der Menschen, die Notaufnahmen aufsuchen, seit Jahren deutlich an. Gleichzeitig würden viele Patientinnen und Patienten mit Beschwerden kommen, die eigentlich ambulant behandelt werden könnten.

Das KRH verfolgt deshalb eine sogenannte Notfallmedizinstrategie. Die Notaufnahme soll demnach künftig stärker als eigenständiger Bereich organisiert werden – mit eigener Leitung, festgelegten Abläufen und klaren Zuständigkeiten.

Nach Angaben des KRH sollen die Abläufe in den Notaufnahmen effizienter werden. Ziel sei es, dass Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte mehr Zeit für akute Notfälle haben. Dafür sollen Tätigkeiten, die nicht unmittelbar zur Notfallversorgung gehören, aus den Notaufnahmen herausgenommen werden.

Zudem erproben die KRH-Verantwortlichen an anderen Standorten neue Raumkonzepte. Statt einzelner geschlossener Behandlungszimmer werden Patientinnen und Patienten teilweise in kleineren, durch Sichtschutz getrennten Bereichen versorgt. Nach Einschätzung des Klinikverbunds können dadurch mehr Behandlungsplätze geschaffen und Wartezeiten verkürzt werden. Ob und wann solche Konzepte auch in Gehrden oder Neustadt umgesetzt werden, ist bislang offen.

Geplant ist außerdem eine bessere digitale Vernetzung innerhalb der Notaufnahme. Informationen zwischen Pflegepersonal und Ärzteschaft sollen künftig stärker elektronisch ausgetauscht werden.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Steuerung von Patientinnen und Patienten, die nach Einschätzung des KRH eigentlich in einer Bereitschaftspraxis oder ambulanten Einrichtung behandelt werden könnten. Der Klinikverbund sucht dafür nach Kooperationspartnern und prüft den Aufbau entsprechender Versorgungsstrukturen. Wer unsicher ist, ob eine Notaufnahme erforderlich ist, kann sich bereits heute an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117 wenden. Dort wird unter anderem eingeschätzt, welche medizinische Anlaufstelle die passende ist.

Hintergrund ist eine bundesweite Diskussion über die Zukunft der Notfallversorgung. Die Bundesregierung plant seit Längerem Reformen, um Patientinnen und Patienten besser zwischen Notaufnahmen, Bereitschaftsdienst und ambulanter Versorgung zu steuern.

Der 50-jährige Malte Feurer absolvierte einen großen Teil seiner Facharztausbildung am KRH Klinikum Nordstadt. Nach Stationen in Schleswig-Holstein und am KRH Klinikum Robert Koch Gehrden kehrte er ins Nordstadt-Krankenhaus zurück, wo er zuletzt als leitender Arzt der Zentralen Notaufnahme tätig war. Dort war er auch an einem KRH-weiten Projekt zur Neuorganisation der Notaufnahmen beteiligt.

Mit seiner neuen Aufgabe soll Feurer die weitere Entwicklung der Notfallmedizin an den Standorten Gehrden und Neustadt begleiten und die geplanten Strukturreformen umsetzen.



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