Kwartier-Café eröffnet am Monatsende – provisorisch
Arbeiten für das Kunst- und Kulturzentrum an der Hirtenstraße kommen voran:Eine Baustellenbesichtigung.

Mit Stolz vor dem Haus: Elisabeth Rokahr-Gritsko (links) unterstützt Isabel Dammermann mit Grafik und Design.fotos: Stephan Hartung
Wennigsen. Noch ist alles eine Baustelle: Arbeiter verschiedener Gewerke legen auf dem Areal des alten Schlachthofs an der Wennigser Hirtenstraße Hand an, überall liegen noch Bauschutt, Bretter oder sonstige Materialien herum. „Man kann es sich nicht vorstellen, aber in rund zwei Wochen wird es hier anders aussehen, und wir eröffnen das Café“, sagt Isabel Dammermann und lacht.

Die 41-Jährige ist die Initiatorin des Projekts Kwartier. Gegenüber dem alten Feuerwehrplatz lässt sie das historische Häuserensemble zu einem Zentrum für Kunst und Kultur umbauen. Und mit der Eröffnung des Cafés, das an eines der Gebäude angebaut wurde, ist nun ein weiterer Meilenstein dieses Großprojekts erreicht.

Als Dammermann im August 2025 ankündigte, dass sie „auf das Datum 30. und 31. Mai 2026“ hinarbeite, klang das alles noch weit weg. Nun ist es soweit: Zum Start am letzten Mai-Wochenende nimmt das Kwartier an der Veranstaltung „Kunstspur Wennigsen“ teil. Es ist das dritte Mal nach 2022 und 2024, nun erstmals mit Café-Betrieb - wenn auch vorerst provisorisch: Weil Fenster und Türen noch fehlen, soll der reguläre Betrieb mit festen Öffnungszeiten erst später starten. Termin und genaues Angebot an Speisen und Getränken stünden noch nicht fest, heißt es.

Gekauft hatte Dammermann das Ensemble der alten Schlachterei bereits im Jahr 2018. Wann sie mit dem Abriss eines der Häuser, den Umbaumaßnahmen und Sanierungen richtig angefangen hat, weiß sie nicht mehr so genau. „Erst haben wir nur aufgeräumt – und dann kam Corona. Nach unserer ersten ‚Kunstspur‘-Teilnahme ging es los“, sagt die Künstlerin, die selbst mit zeitgenössischem Schmuck arbeitet und seit ihrem Studium in Florenz auch international vernetzt ist. Ohnehin sei immer das Ziel gewesen, alles entspannt und ohne Druck in kleinen Schritten zu erledigen.

Seit dem Kauf damals ist einiges passiert. Das ehemalige Schlachthaus wird zu einer Keramikwerkstatt mit Workshop-Fläche. Im Obergeschoss befinden hohe und offene Räume, in denen auch Yoga-Kurse stattfinden können, sowie Ausstellungen. Der Keller wurde zugeschüttet, weil Probleme mit der Feuchtigkeit aus dem Wennigser Mühlbach drohten. Das Haus nebenan, an das das Café angebaut wurde, wird Teil der privaten Werkstatt Dammermanns sein.

Natürlich bleibt noch viel zu tun. Fenster und Türen werden in der Woche nach der „Kunstspur“ eingesetzt. „Dann ist ein weiterer Meilenstein geschafft – und wir können mit dem Innenausbau weitermachen“, sagt Dammermann. An der östlichen Seite des Geländes befindet sich noch ein großer Haufen mit Backsteinen. Hier entsteht in Kürze das Versorgungshaus mit Heizungsanlage. „Die Leitungen wurden schon gelegt“, sagt die 41-Jährige, die seit 13 Jahren in Wennigsen lebt, und zeigt auf die aus dem Boden ragenden Rohre. „Und vor den Sommerferien kommt die Sohlplatte drauf, nach den Ferien das Haus.“

Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen in Wennigsen zusammenkommen können. „Ich werde oft darauf angesprochen. Die Menschen haben eine Sehnsucht nach so etwas“, sagt Isabel Dammermann – und berichtet auch von Erzählungen älterer Menschen aus Wennigsen, die noch das alte Schlachthaus kennen. „Da hört man Geschichten, wie die Leute gesehen haben, als den Ochsen der Bolzenschuss verpasst wurde.“ Sie hofft, dass bis zum nächsten Jahr der gesamte Umbau abgeschlossen ist. „Mal gucken, wie es im Juni 2027 aussieht.“



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