Das neue Baugebiet „Hartjehäuser Weg“ südlich der Wilhelm-Heß-Straße (L391) liegt zentrumsnah mit kurzen Wegen zu Fußgängerzone, Schule, Kindergarten und Supermarkt. Das Plangebiet ist rund 1,6 Hektar groß und schließt eine Bebauungslücke. Östlich angrenzend befindet sich das Wohngebiet „Wohnen am Bullerbach“, westlich grenzt das „Wohnquartier Neue Bergwiese“ an. Bis 2022, als in dem Bereich die Planungen für ein Baugebiet begannen, wurde das Areal landwirtschaftlich genutzt.
Für die Barsinghäuser Bauverwaltung ist es relativ neu, dass eine städtische Fläche in die eigene Vermarktung gehen soll. In der Vergangenheit wurde die Vermarktung meist von der Stadtentwicklungsgesellschaft Barsinghausen (SGB) durchgeführt. Nachdem die SGB aufgelöst wurde, übernimmt die Stadt das jetzt wieder selbst – und hat sich dafür ein neues Vergabeverfahren überlegt. Die 13 städtischen Grundstücke im neuen Baugebiet „Hartjehäuser Weg” werden nicht nach dem sogenannten Windhundprinzip – also nach Schnelligkeit – oder an die wirtschaftlich besten Bieter verkauft, sondern nach einem punktebasierten System.
Der Kriterienkatalog, den die Stadt erarbeitet hat, ist umfangreich. Punkte gibt es beispielsweise, für den Erstwohnsitz und Arbeitsplatz in Barsinghausen. Angerechnet wird auch, wenn minderjährige Kinder oder pflegebedürftige Personen im Haushalt leben. Stärker berücksichtigt wird zudem bei der Vergabe ein ehrenamtliches Engagement in Feuerwehren, Vereinen oder anderen sozialen Einrichtungen. Angestrebt werde damit eine „nachvollziehbare und faire Vergabe der Baugrundstücke“, heißt es in der Beschlussvorlage. Gleichzeitig solle sichergestellt werden, dass insbesondere Haushalte mit einem Bezug zur Stadt sowie Familien mit Kindern angemessen berücksichtigt werden. Die Grundstücke für Einfamilienhäuser sind zwischen 480 und 638 Quadratmeter groß.
Bürgermeister Henning Schünhof (SPD) sprach in der Ratssitzung ausdrücklich von einem Testverfahren für jetzt zunächst 13 städtischen Grundstücke am Hartjehäuser Weg. „Die vielen anderen Grundstücke in Barsinghausen, die privat oder von anderen Trägern veräußert werden, sind davon nicht betroffen“, betonte er. „Das hier ist noch keine Satzung, die für die ganze Stadt gilt. Es ist ein Versuch.“
Ziel sei es, praktische Erfahrungen mit der eigenständigen Vermarktung von Baugrundstücken zu sammeln. Diese Erkenntnisse könnten dann für künftige größere Wohnbauentwicklungen genutzt werden. Die Würdigung eines ehrenamtlichen Einsatzes bei der Vermarktung hält die Stadtverwaltung zudem für ein wirksames Instrument, um bürgerschaftliches Engagement zu belohnen und junge Familien an den Ort zu binden. „Was sonst bloß Lippenbekenntnisse sind, soll zu Taten werden“, sagte Schünhof.
Auch wenn der Rat die Vergabekriterien und das Punktesystem letztlich mehrheitlich verabschiedete, gab es viele Einwände und Gegenstimmen. Max Matthiesen (CDU) sprach von Barrieren, die nach außen aufgebaut würden. CDU-Fraktionschef Gerald Schroth verwies darauf, dass sich in Barsinghausen gerade „ganz viel Gewerbe in der Ansiedlung befindet, wo Menschen Arbeitsplätze in Barsinghausen bekommen und deswegen mituntewr hier auch herziehen wollen“. Diese seien im Prinzip aber noch außen vor. Schroth zeigte sich zudem skeptisch, ob datenschutzrechtlich alles korrekt sei, weil bei den Interessierten auch eine Menge persönlichster Daten abgefragt werde.
Gerade wenn man sich die Entwicklung der Zinsen und Baupreise ansehe, „müssen wir Barsinghausen offenhalten“, sagte Ben Eggert (FDP). Er empfinde das Punktesystem als „viel zu bürokratisch“.
SPD und Grüne zeigten sich hingegen überzeugt von den Plänen. Er verstehe die Aufregung nicht, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Andreas Lorch. „Es geht hier jetzt erst mal einzig und allein um einen Pilot am Hartjehäuser Weg.“ Ob man dieses Vergabeverfahren künftig auch bei riesigen Baugebieten anwende, sei noch nicht entschieden. „Vielleicht stellt sich ja auch heraus, es ist doch zu kompliziert.“