Beamte raten zum Notruf
Nach einem Zwischenfall in Ronnenberg tut sich die örtliche Polizei schwer mit Ratschlägen für Situationen,in denen Zivilcourage gefordert ist

Ronnenberg. Die Sache ist weiterhin kompliziert: Ende April hat ein 54-jähriger Ronnenberger, der mit seiner Familie an der Buswendeschleife unterwegs war, auf eine Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener reagiert. Das Zünden eines Böllers in geringer Entfernung nahm der Mann zum Anlass für eine Kontaktaufnahme. Was dann folgte, kann die Polizei bis heute nicht enträtseln. Es gibt widersprüchliche Aussagen und gegenseitige Anzeigen. Eine missliche Lage, nicht nur für den 54-Jährigen, der auch noch erhebliche Verletzungen davongetragen hat. War die Entwicklung der Situation vermeidbar? Was rät die Polizei?

Mit Verhaltenshinweisen, wie in den Bereichen der Enkeltricks oder gegen Taschendiebstähle, tut sich Romey Leonhardt, Sprecherin des Kommissariats in Ronnenberg, schwer. Flyer oder andere Ratgeber, die beispielsweise bei der Verhinderung von Einbrüchen in der dunklen Jahreszeit helfen sollen, gebe es in diesem Bereich, den sie im weiteren Sinne dem Thema Zivilcourage zuordnet, nicht. Ratschläge zu geben sei deshalb schwierig, weil es sich um individuell unterschiedliche Situationen handele. „Wir können nur sagen, dass man sich nicht in Gefahr bringen soll“, sagt sie mit einem deutlichen Hinweis darauf, dass das tatsächliche Geschehen in dem besagten Fall an der Buswendeschleife nicht geklärt sei.

Besser sei es, in potenziell gefährlichen Situationen den Notruf 110 zu wählen. Dort könnten die Kollegen die Situation abwägen und hätten Kenntnis über die einsatzbereiten Kapazitäten der Beamten. Die sie dann in entsprechend notwendiger Stärke zum Ort des Geschehens schicken könnten, erläutert die Ronnenberger Sprecherin.

Auf ihrer Internetseite führt die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) mit Sitz in Stuttgart diese Ratschläge als die beiden ersten von sechs Tipps in Zivilcourage-Situationen an. Dazu kommt noch die Einbindung anderer Personen, wenn ein Eingreifen notwendig erscheint, um nicht allein handeln zu müssen. Außerdem sollen sich Betroffene Tätermerkmale einprägen und später auch als Zeugen aussagen. Die Versorgung möglicher Opfer gehört auch zu den Handlungsempfehlungen.

Die Förderung von Zivilcourage sei inzwischen ein wichtiger Bestandteil der polizeilichen Arbeit, heißt es in den Ausführungen auf der Seite www.polizeiberatung.de. Dabei sei Zivilcourage nicht nur bei Gewalt im öffentlichen Raum wichtig, sondern beispielsweise auch bei Hass und Radikalisierungen im Netz, heißt es von ProPk.

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