Reit- und Fahrverein Vöriesetzt auf Klimaschutz
Vorstand will andere Sportvereine zum Mitmachen motivieren.Zusätzliche Kosten sind bisher nicht entstanden.

Montieren Kästen für Fledermäuse: Marlene von Scheidt (von links), Christine Behrens-Cramm und Birgit Busch.fotos: Mathias Klein
Vörie. Birgit Busch trägt eine volle Gießkanne über das Gelände des Reit- und Fahrvereins Vörie. „Da kann man gerade den Klimawandel praktisch erleben“, sagt sie. Vor ein paar Tagen hat sie bienenfreundliche Stauden rund um die neuen Insektenhotels gepflanzt. Nach vielen sonnigen Tagen ohne Regen brauchen die Pflanzen jetzt dringend Wasser.

Busch ist Biologin und Klimabotschafterin des Reit- und Fahrvereins, der seine Anlage in Gehrden-Lemmie hat. Vor rund einem Jahr hat der Reitverein begonnen, die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit voranzubringen. Und der Vorstand will nicht nur weitermachen, sondern auch andere Vereine in Gehrden und Umgebung animieren, ihrerseits Projekte anzuschieben.

„Wir treiben unseren Sport in der Natur, deshalb wollen wir die Natur erhalten“, sagt die zweite Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins, Christine Cramm-Behrens. Sie zeigt vom Vereinsgelände aus in Richtung der Felder. „Die landwirtschaftlichen Flächen werden immer größer, die Natur hat immer weniger Platz“, sagt sie. Das Vereinsgelände aber sei schon jetzt eine kleine Oase für Wildtiere. „Wir wollen noch mehr Möglichkeiten zum Verstecken schaffen“, kündigt Cramm-Behrens an.

Bei vielen anderen Sportvereinen sei es ebenfalls so, dass die Anlagen am Rand der Natur liegen, meint sie. Und jeder Verein könne etwas tun. „Das ist sogar ganz einfach und für Vereine ohne zusätzliche Kosten möglich.“ Denn beim Programm Aktiv Pro Klima der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung können Vereine Geld für einzelne Projekte beantragen. Das ist zum Beispiel in den Bereichen Biodiversität, nachhaltiger Konsum und Müllvermeidung möglich.

Der Reitverein hat mit dieser Unterstützung im vergangenen Jahr unter anderem Mehrweggeschirr für größere Veranstaltungen wie das bevorstehende Turnier angeschafft. Einweggeschirr oder Pappschalen für Pommes und Bratwurst gibt es bei den Reiterinnen und Reitern in Lemmie nicht mehr.

Gerade liegt die Aufmerksamkeit von Busch und Behrens-Cramm bei den Insektenhotels. Mehrere davon stehen verteilt auf der Anlage, und es summt drumherum. Auch wenn die frisch gepflanzten bienenfreundlichen Stauden noch wachsen müssen.

An der Fassade der Reithalle hat sich schon seit einiger Zeit etwas getan. Wo einst Wildkräuter wucherten, haben die Vereinsmitglieder Lavendel gepflanzt. „Zweimal im Jahr haben wir jetzt wunderbare Blüten und ganz viele Bienen“, sagt Vorständin Cramm-Behrens.

Im Herbst hatte der Verein Futterkästen für Vögel aufgestellt. Dorthin kämen auch Vögel, die seltener geworden seien, etwa der Gartenrotschwanz, berichtet die Biologin Busch. Jugendliche des Vereins hatten die Patenschaft für die Nistkästen übernommen, damit dort im Winter immer genug Futter zu finden ist.

In die auf dem Vereinsgelände platzierten Nistkästen sind die ersten Vögel eingezogen. Die Kästen haben Kinder und Jugendliche des Vereins selbst gebaut, ebenso wie Fledermausnistkästen, die jetzt auf dem Gelände verteilt werden. Wobei das nicht ganz einfach ist, denn die prächtigen Linden der Allee mitten im Vereinsgelände fallen zur Befestigung aus, sie stehen unter Denkmalschutz.

Aber eine Lösung finde sich immer, sagt Cramm-Behrens. Sie möchte andere Vereine in und um Gehrden animieren, ebenfalls Projekte für den Klimaschutz in Gang zu bringen. Auch kleine Dinge seien dabei hilfreich, zum Beispiel ein sparsamer Wasserhahn oder ein Fahrradständer am Vereinsgelände. „Wenn alle etwas Kleines machen, machen wir alle zusammen etwas Großes“, betont die Vereinsvorständin.



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