Als vor elf Jahren die Integrationsinitiative „Welcome“ gegründet wurde, habe sich schnell die Notwendigkeit einer Fahrradwerkstatt abgezeichnet. „Geflüchtete brauchen Fahrräder, um innerhalb eines Ortes mobil zu sein“, sagt der 85-Jährige. Gemeinsam mit dem bereits gestorbenen Hamish Walker habe er deshalb den ehrenamtlichen Betrieb aufgebaut.
Aus „Welcome“ ist vor acht Jahren der Verein „Miteinander“ geworden. Doch das Prinzip hat sich nicht verändert. „Fahrräder werden als Spende abgegeben oder von uns abgeholt und wieder fit gemacht, um sie an Geflüchtete für einen kleinen Preis zu verkaufen“, beschreibt Lau das Geschäftsmodell. Ursprünglich sei es auch ein Ziel gewesen, Geflüchtete als Integrationsmaßnahme in den Werkstattbetrieb einzubinden. „Aber es gab zu große Sprachbarrieren. Oft haben die Zugewanderten auch schnell einen Job gefunden und hatten dann wenig Zeit.“
Mit Uli Hoppe fand Aufbauhelfer Lau später auch noch einen engagierten Werkstattleiter. Der vor einem Jahr gestorbene Frank Noack sei sogar ein ausgebildeter Fahrradmechaniker gewesen. „Ansonsten sind wir alle nur Hobbyschrauber“, berichtet Lau. Mit Hoppe und Noack habe er vor sieben Jahren den Umzug der Werkstatt von der Runden Straße in die heutigen Räume an der Hirtenstraße abgewickelt. In dem neuen Gebäude – mit einem kleinen Lager im ersten Stock – sei etwas mehr Platz. Für die Nutzung berechnet die Gemeinde keine Miete.
„Es gibt aber keine Heizung und wenig Möglichkeiten, um bei schlechtem Wetter an den Rädern zu arbeiten“, schildert Teammitglied Hoppe die Probleme. Wegen der nach wie vor beengten Verhältnisse zieht es die Senioren oft nach draußen. Der Innenhof wird nicht nur für die Ausstellung der fertigen Räder genutzt, sondern auch für Reparaturen und als Aufenthaltsbereich für Wartende. Zum Team zählen inzwischen auch Andreas Czerny und Ralf Hemmyoltmanns. Letzterer kümmert sich als „Außendienstler” im Innenhof um Wartende und nimmt Räder an.
Die Senioren wollen in ihren kleinen und unbeheizten Räumen auch künftig nicht einrosten: Donnerstags stehen sie für Geflüchtete von 15 bis 17 Uhr als Ansprechpersonen zur Verfügung. An weiteren Werktagen machen sie gespendete Räder verkehrssicher, erledigen aufwändigere Reparaturen und besorgen Material. Durch den Verkauf nehme die Werkstatt zwischen 5 und 20 Euro pro Fahrrad ein. Der Betrieb sei kostendeckend. „Seit Beginn haben wir schon mehr als 900 Fahrräder in Schuss gebracht und an Geflüchtete abgegeben“, berichtet Lau. Weitere Informationen über die Werkstatt und Kontaktmöglichkeiten sind im Internet auf miteinander-in-wennigsen.de zu finden.
Was die Senioren besonders freut: Die Werkstatt bewährt sich zehn Jahre nach dem Beginn inzwischen auch als Integrationsstätte. Vor gut einem Jahr ist der 42-jährige Vahid Kheiri aus Persien nach zwei Probediensten fest ins Team gekommen und hilft auch als Dolmetscher. „Er spricht schon gut Deutsch und auch Englisch“, sagt Hemmyoltmanns. Eigentlich habe Kheiri nur ein Fahrrad benötigt. „Dann haben wir ihm einige Handgriffe gezeigt: Daran hat er Gefallen gefunden.“
Der 42-jährige Kheiri lebt seit eineinhalb Jahren in Wennigsen, lernt weiterhin engagiert Deutsch und ist zurzeit auf Jobsuche. Er sei froh, im Team der Werkstatt zu sein, sagt er auf Englisch. Von kleinen Sprachbarrieren lassen sich alle nicht ausbremsen. Zurzeit gibt es jedoch ein Materialproblem. „Im Frühjahr werden mehr Kinder- und Jugendräder benötigt“, sagt Hemmyoltmanns. Auch insgesamt steige im Frühling der Bedarf. „Wenn Jugendliche ihre Räder an kleine Geschwister weitergeben, brauchen sie dann Räder für junge Erwachsene.“
Die Hobbyschrauber sind froh, für ihr ehrenamtliches Engagement mietfrei Räume der Gemeinde nutzen zu dürfen. Nur: „Wenn wir etwas weniger beengte Verhältnisse und eine beheizte Werkstatt hätten, könnten wir noch viel mehr Geflüchtete mobil machen“, sagt Hemmyoltmanns.
Dem „Außendienstler“ haben die Altgedienten zehn Jahre nach der Werkstatteröffnung den Leitungsposten übergeben. Aber auch Mitbegründer Lau und der bisherige Werkstattleiter Hoppe wollen Geflüchteten weiterhin helfen, fest im Sattel zu bleiben.