Fit für den Einsatz
Rund drei Dutzend Johanniter trainieren in Ronnenberg und Gehrden
für Einsätze bei Konzerten und Großveranstaltungen

Teil einer groß angelegten Übung: Die Johanniter bauen vor wenigen Tagen an der FTZ in Ronnenberg eine Unfallhilfsstelle mit Zelt und Patientenablage auf.foto:JUH/Schwarzenberger
Ronnenberg/Gehrden. Blut klebt an der Hand eines jungen Mannes. Er liegt regungslos auf dem Asphalt des Schulhofs am Kirchhügel in Ronnenberg. Neben ihm eine zerbrochene Flasche, verstreute Glassplitter. Einsatzkräfte kreisen ihn ein, arbeiten konzentriert, mit klaren Abläufen – und doch mit spürbarer Dringlichkeit. „Die Kollegin legt Ihnen jetzt einen Verband an“, sagt einer der Helfer ruhig. „Gleich bekommen Sie Sauerstoff.“ Was nach einem Ernstfall klingt, soll sich auch so anfühlen, ist in Wahrheit aber Training. Das Blut nur rote Farbe.

Der „Patient“ ist Darsteller in einer sogenannten Realistischen Unfalldarstellung (RUD). Szenarien wie dieses werden von Hilfsorganisationen gerne genutzt, um Einsatzsituationen möglichst authentisch zu proben. An diesem Tag ist die Grundschule in Ronnenberg einer von vier Übungsorten des Johanniter-Ortsverbands Deister. Rund 40 Ehrenamtliche sind am vergangenen Sonntag im Einsatz – unterstützt von Kräften aus Wunstorf und Langenhagen. Ihr Ziel: vorbereitet sein, wenn es darauf ankommt.

Fortsetzung auf Seite 3

Die Gelegenheit ihr Können einzusetzen ergibt sich in der nahen Zukunft garantiert: Die Johanniter begleiten Sanitätsdienste bei Veranstaltungen, Konzerten und Festivals – in Ronnenberg und weit darüber hinaus. „Vor der Festivalsaison ist der ideale Zeitpunkt für so eine Übung“, sagt RUD-Leiterin Kathrin Blacha. Sie hat dem Darsteller die täuschend echte Verletzung geschminkt: blasse Haut, klaffende Schnittwunden, viel Kunstblut. Ein Bild, das fordert – auch erfahrene Kräfte.

Zu ihnen gehören Justine Tasche und Pascal Suhr. Beide absolvieren ihre Ausbildung zu Notfallsanitätern in Garbsen und Wunstorf und übernehmen hier Verantwortung. Während sie die „Blutung“ versorgen, behalten sie auch mögliche weitere Verletzungen im Blick. Kommunikation, Teamarbeit, strukturierte Abläufe – all das wird unter realitätsnahen Bedingungen trainiert.

„Es sind oft bunt gemischte Fälle“, sagt Blacha. Schnittverletzungen, Frakturen, Krampfanfälle oder Kreislaufprobleme – etwa durch Alkohol oder Hitze. Szenarien, wie sie bei Großveranstaltungen regelmäßig auftreten.

Auch an anderen Orten wird parallel geübt: Bei der Feuerwehr Lemmie in Gehrden steht die Reanimation im Fokus. In der Dienststelle am Hagacker in Ronnenberg die Versorgung von Arbeitsunfällen. Am Nachmittag kommen alle Gruppen zusammen – auf dem Gelände der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Ronnenberg. Dort entsteht aus Zelten und Ausrüstung eine komplette Unfallhilfsstelle, inklusive Patientenablage.

Mit dabei sind nicht nur erfahrene Helfer, sondern auch Nachwuchskräfte wie Tim Ullrich. Der 16-Jährige aus Wennigsen engagiert sich in der Johanniter-Jugend. Unter Anleitung darf er Verbände anlegen, beim Aufbau helfen – und erste praktische Erfahrungen sammeln. „Ich möchte später Notfallsanitäter werden“, sagt er. Die Übung bringt ihn diesem Ziel ein Stück näher.

Am Ende ist es genau der Mix aus Erfahrung und Engagement, der den Ortsverband stärkt. „Solche Übungen bereiten uns als Gemeinschaft gut auf unsere Einsätze vor“, sagt Notfallsanitäter Niklas Tracht aus dem Leitungsteam. Und während auf dem Schulhof die letzte „Verletzung“ versorgt wird, steht fest: Wenn es ernst wird, sitzt hier jeder Handgriff.

Druckansicht