In Zeiten immer größer werdender Haushaltslöcher gehen die Meinungen über die Notwendigkeit eines solchen Stadthauses innerhalb des Rates zum Teil weit auseinander. Die geplanten Kosten in Höhe von rund 8 Millionen Euro für eine freiwillige Leistung treiben vor allem den Fraktionsmitgliedern von CDU und FDP den Schweiß auf die Stirn. Während der Beratungen zum Haushalt 2026 versuchten beide, die bislang angesetzten Planungskosten in Höhe von 500.000 Euro in kommende Jahre zu verschieben. „Das Stadthaus ist Luxus“, legte sich der FDP-Fraktionsvorsitzende Dieter Herbst fest. „Wir müssen es schieben.“
Die CDU suchte einen anderen Ansatz, um die Planungskosten aus dem aktuellen Haushalt herauszubekommen: Als Teil einer Streich- und Kürzliste wollte die Partei das Projekt zumindest um ein Jahr aufschieben, um dem neuen Rat, der im September 2026 gewählt wird, die Entscheidung über das Stadthaus und die dafür anfallenden Kosten zu überlassen. Bürgermeister Marlo Kratzke (SPD) hält dem entgegen, dass ein Aufschub nur zusätzliche Kosten erzeugen würde. Aktuell geht die Stadt laut Kämmerer Frank Schulz von einer jährlichen Baukostensteigerung von 5,5 Prozent aus. Dieser Haltung schlossen sich die Fraktionen von SPD und Grünen an, zumal der grundsätzliche Bedarf für ein Dorfgemeinschaftshaus in Ronnenbergs größtem Stadtteil mit vielen sozialen Problemen von allen Fraktionen ähnlich gesehen wird.
Eine Mehrheit aus SPD und Grünen sorgte dann in einer Abstimmung auch dafür, dass die Planungen für das Großprojekt im Bereich Empelde-Mitte zunächst weitergeführt werden können. Direkt am Zebrastreifen über die Berliner Straße gegenüber den Supermärkten der Ketten Rewe und Penny will die Stadt innerhalb eines neu entstehenden Quartiers in dem neuen Gebäude Räume für Vereine und Gruppen schaffen. Eine integrierte Gastronomie mit Außenterrasse, angrenzend an einen Bürgerpark, soll die Attraktivität der Einrichtung für die Empelderinnen und Empelder zusätzlich steigern.
„Die Menschen in Empelde wünschen sich schon seit Jahrzehnten ein Stadtteilzentrum“, hatte Kratzke bereits im Herbst 2025 betont. Empelde ist aktuell neben Benthe der einzige Stadtteil ohne eigenes Dorfgemeinschaftshaus. Darauf weist auch Uwe Buntrock, Fraktionsvorsitzender der Grünen hin: „Wir haben in Empelde keinen Ort der Begegnung.“ Er bezeichnet den Bau als „Notwendigkeit“ mit hoher Priorität für die Stadt. Auch in Benthe hat inzwischen die Planung für einen Dorftreff im alten Feuerwehrgerätehaus begonnen. Wenn in diesem Jahr die ersten Vorplanungen vorliegen, hat Bürgermeister Kratzke weitere Bürgerbeteiligungen zum Stadthaus angekündigt. Ab November wird auch der neue Empelder Ortsrat an den politischen Entscheidungen zu diesem Projekt beteiligt werden. Tagen könnte das neue Gremium dann nach dessen Fertigstellung übrigens auch im Stadthaus – bislang stehen dafür im Ort lediglich Klassenzimmer in der Marie-Curie-Schule zur Verfügung.