Eine sichere Sache: Die Holzernte im Deister
Bei Schnee und Eis arbeiten Landesforsten und Feuerwehr im Wald Hand in Hand.Gefällte Baumstämme werden industriell weiterverarbeitet.

Holzernte: Steffen Breves schneidet den Stamm sauber.Foto: Niedersächsische Landesforsten
Barsinghausen. Die Feuerwehr im Einsatz für den Förster: Die Egestorfer Brandbekämpfer haben mit ihren Großfahrzeugen jetzt mehrere Rettungs- und Waldwege im Deister abgefahren. Der Grund: In den höher gelegenen Bereichen mussten die Forstarbeiten zwischenzeitlich eingestellt werden, weil die Befahrbarkeit der Rettungswege im Ernstfall nicht mehr verlässlich genug erschien. Denn im Wald läuft derzeit die sogenannte Laubholzernte auf Hochtouren. Gefällt wird dabei vor allem Laubholz für die weiterverarbeitende Industrie.Die Sicherung von Rettungswegen im Wald während des Winters ist für die Feuerwehr eine besondere Herausforderung. Denn die Zugänglichkeit der Wege muss trotz Schnee, Eis und umgestürzter Bäume sichergestellt werden. Florian Oppermann von der Feuerwehr Egestorf bestätigt: „Ziel war es, die Wege zu überprüfen und mögliche Einschränkungen frühzeitig zu erkennen.“

Auf insgesamt rund 30 Kilometern ging es durch das Waldgebiet über teils sehr steile, enge und tief verschneite Wege. „Der Übungsdienst wurde gezielt von unseren Lkw-Fahrern genutzt, um das Fahrverhalten der Fahrzeuge unter winterlichen und anspruchsvollen Bedingungen zu trainieren“, erklärt Oppermann. Dabei habe man wichtige Erfahrungen im Umgang mit den Großfahrzeugen in Extremsituationen sammeln können.

Die Laubholzernte trotz Schnee und Eis ist in der Forstwirtschaft gängige Praxis, sie bietet sogar erhebliche Vorteile gegenüber der Ernte in wärmeren Monaten. Weil die Bäume keine Blätter haben, ist die Übersicht im Wald im Winter deutlich besser.

Das erhöhe die Sicherheit bei der gefährlichen Arbeit deutlich, erklärt Steffen Breves, Forstwirtschaftsmeister bei den Niedersächsischen Landesforsten. Gerade bei der Holzernte per Motorsäge sei eine freie Sicht ein wichtiger Faktor. „Zudem können wir Gefahren in den Baumkronen besser erkennen und uns gegenseitig im Blick behalten.“ Denn trotz permanenter Sprechverbindung über den Helmfunk spiele der direkte Sichtkontakt innerhalb der Arbeitsgruppen eine wichtige Rolle.

Ein weiterer Vorteil der Winterernte betrifft laut Landesforsten den Naturschutz. Bäume mit Spechthöhlen zum Beispiel lassen sich im unbelaubten Zustand leichter identifizieren. Diese bleiben gezielt stehen und werden erhalten, um die Artenvielfalt im Deister zu fördern. Außerdem befindet sich die Vegetation im Winter in der Ruhephase. Und Bäume, die in dieser Phase gefällt werden, liefern hochwertigeres Holz, weil es trockener ist und sich besser lagern lässt.

Die Landesforsten versichern: Die Holzernte laufe nach den Grundsätzen der langfristigen ökologischen Waldentwicklung. Diese Leitlinien sollen eine nachhaltige und schonende Bewirtschaftung des Deisters sicherstellen. Auch wenn einzelne Maßnahmen auf den ersten Blick intensiv erscheinen mögen, handele es sich um eine umweltverträgliche Form der Bewirtschaftung, erklären die Experten.

Gefällt werden die Laubbäume von Hand mit der Motorsäge. Anschließend werden die Stämme mit Forstmaschinen an die Wege gerückt und von dort per Lastwagen in regionale Sägewerke transportiert. Verwendet wird das Holz unter anderem für Möbel, Bauholz sowie Industrieholz, das beispielsweise zu Papier, Dämmstoff, Pellets, Spanplatten und Sperrholz weiterverarbeitet wird.

In den kommenden Wochen werden die Waldwege stärker beansprucht, und entlang der Strecken werden auch öfter die gefällten Stämme zu sehen sein. Die Landesforsten bitten Waldspaziergänger daher um besondere Rücksichtnahme: Alle Sperrungen und Hinweisschilder sollten berücksichtigt werden.
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