Ziel der Proteste ist es, den Druck auf die Politik zu erhöhen. Die Apothekerschaft fordert eine Anhebung des sogenannten Fixums – eines festen Betrags, den Apotheken zusätzlich zum prozentualen Zuschlag pro abgegebenem Medikament erhalten. Dieser soll von derzeit 8,35 Euro auf 9,50 Euro steigen.
Nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) nahmen rund 25.000 Menschen an Demonstrationen in mehreren Großstädten teil, darunter auch etwa 5.000 in Hannover. ABDA-Präsident Thomas Preis sprach von einem „seit Jahren bestehenden Honorarstillstand“ bei gleichzeitig deutlich gestiegenen Kosten. Seit 2013 seien die Betriebskosten um rund 65 Prozent gestiegen, während die Vergütung nicht entsprechend angepasst worden sei. In diesem Zeitraum habe fast jede fünfte Apotheke schließen müssen.
Auch aus der Region Hannover machten sich Apothekenteams auf den Weg zu den Kundgebungen. Sie sehen die wohnortnahe Versorgung zunehmend gefährdet. Mit jeder Schließung verlängerten sich die Wege für Patientinnen und Patienten, so die Argumentation der Branche.
Die gesetzlichen Krankenkassen weisen die Kritik jedoch zurück. Stefanie Stoff-Ahnis, Vize-Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, betont, dass die Vergütung der Apotheken in den vergangenen Jahren durchaus gestiegen sei. Zwischen 2013 und 2024 hätten sich die Zahlungen der Kassen um rund 1,5 Milliarden Euro auf insgesamt 7,1 Milliarden Euro erhöht – ein Plus von etwa 26 Prozent. Zudem profitierten Apotheken von steigenden Medikamentenpreisen und zusätzlichen Honoraren etwa für Notdienste, Botendienste oder Impfleistungen.
Die Kassen sprechen sich daher nicht für eine generelle Erhöhung, sondern für eine gezieltere Verteilung der Mittel aus. So sollten umsatzschwächere Apotheken in ländlichen Regionen stärker unterstützt werden als wirtschaftlich erfolgreiche Standorte in Ballungsräumen.
Uneinigkeit besteht auch über die Ursachen des Apothekenrückgangs. Während die Apothekerschaft wirtschaftlichen Druck als Hauptgrund nennt, sehen die Krankenkassen vor allem Wettbewerbseffekte. Untersuchungen zufolge habe sich die Erreichbarkeit von Apotheken trotz Schließungen bislang kaum verschlechtert.
Politisch ist eine Anpassung der Vergütung grundsätzlich vorgesehen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat eine Erhöhung des Fixums in Aussicht gestellt, auch im Koalitionsvertrag ist dieses Ziel verankert. Unklar ist jedoch die Finanzierung. Die gesetzliche Krankenversicherung rechnet im kommenden Jahr mit einem Defizit von rund 12 Milliarden Euro.
Wie es weitergeht, hängt auch von den Vorschlägen einer Expertenkommission ab, die Lösungen zur Stabilisierung der Kassenfinanzen erarbeiten soll. Bis dahin dürfte der Konflikt weiter bestehen bleiben.