Umzug des Glockenspielsist eingeläutet
Fast 43 Jahre nach der Inbetriebnahme sollen die insgesamt 18 Bronzeglocken vom Ratskeller an eine Wand der Margarethenkirche verlegt werden.

Fast 43 Jahre nach der Inbetriebnahme: Das Gehrdener Glockenspiel soll vom Ratskeller an eine Wand der Margarethenkirche verlegt werden.Foto: Ingo Rodriguez
Gehrden. Am Marktplatz in Gehrden gehört das 18-stimmige Musikinstrument seit mehr als vier Jahrzehnten zum Stadtbild. Das Glockenspiel prägt nach einer technischen Erneuerung inzwischen längst wieder die Geräuschkulisse in der Innenstadt. Jetzt steht den 18 Bronzeglocken aber ein Standortwechsel bevor: Das Instrument soll vom Rastkeller an eine Wand der Margarethenkirche verlegt werden – fast 43 Jahre nach der Anschaffung und Inbetriebnahme.

Den Hintergrund beschreibt Wolfgang Middelberg von der Bürgerstiftung Gehrden: Das Glockenspiel sei im Besitz der Stadt, die Bürgerstiftung habe aber ein „Mandat“, sich um Dinge wie die Instandhaltung und den Betrieb zu kümmern. Dazu zähle auch die Suche nach einem neuen Standort. Mit dem Inhaber des Ratskellers habe die Stiftung zwar vor eineinhalb Jahren nach der erneuten Inbetriebnahme den Verbleib an der Gebäudefassade vereinbart. Unter anderem wegen der Lautstärke sei aber die Suche nach einem Alternativstandort notwendig.

„Das Glockenspiel erklingt zurzeit nur zweimal täglich – einmal morgens und einmal nachmittags“, berichtet Middelberg. Die Einschränkung sei nötig, um Rücksicht auf die Außengastronomie des Ratskeller-Pächters zu nehmen. „Es ist für Gäste einfach zu laut“, sagt Middelberg. Als das Glockenspiel im Jahr 1983 angebracht worden sei, habe es dort noch keine Außengastronomie gegeben.

Ziel der Bürgerstiftung ist es, künftig wieder das gesamte Potenzial der Anlage auszuschöpfen: Das Glockenspiel wiegt 443 Kilogramm, die größte Glocke ist 47 Kilogramm schwer. Das Repertoire umfasst mehr als 70 Musikstücke – darunter Melodien wie „Ein Jäger aus Kurpfalz“ und „When the saints go marching in“. Um diese Vielfalt zu nutzen, hatte die Stiftung vor mehr als zwei Jahren auch schon Spendengelder in Höhe von etwa 10.000 Euro gesammelt. Das beliebte Glockenspiel war zuvor seit dem Herbst 2015 fast zehn Jahre lang außer Betrieb gewesen.

„Die Technik musste überarbeitet werden“, sagt Middelberg. Ursprünglich sei das Instrument mit sogenannten „Lochkarten“ betrieben worden, danach elektronisch. „Als die Schaltkreise beschädigt waren, wurde mithilfe der Spenden auf eine digitale Steuerung umgestellt“, erzählt Middelberg. Den Auftrag habe eine Spezialfirma aus Hamburg erledigt. „Die Glocken mussten dafür nicht abgebaut werden“, so Middelberg.

Das wird beim geplanten Umzug an eine Wand der Margarethenkirche aber notwendig sein. „Der Kirchenvorstand hat einer Verlagerung an die Westfront des Südschiffs der Kirche grundsätzlich zugestimmt“, sagt Pastor Wichard von Heyden. Die kirchliche Baubehörde habe ebenfalls keine grundsätzlichen Einwände. Die Gründe erläutert der Pastor im aktuellen Gemeindebrief: Das Glockenspiel beherrsche nach einem Umzug weiterhin akustisch den öffentlichen Raum an Marktplatz und Kirche. „An der Kirche könnte die Gemeinde gemeinsam mit der Stiftung bestimmen, welche Lieder wann und zu welchen Festen gespielt werden“, so von Heyden. Zudem gewönne die Kirche einen zusätzlichen Attraktivitätswert nach außen.

Das geplante Modell: Das Glockenspiel soll weiterhin im Eigentum der Stadt bleiben, die Bürgerstiftung bleibt für Wartung und Betrieb zuständig. Die Kirche stellt den Standort zur Verfügung. „Derzeit laufen Abstimmungen, die hoffentlich bald zu einem Ergebnis führen“, teilt der Pastor mit.

Laut Bürgerstiftung soll in Kürze ein Orgelbeauftragter der Kirche die Lage vor Ort noch einmal genau überprüfen. Im Fall einer Zustimmung soll die bewährte Firma aus Hamburg den Umzug des Glockenspiels abwickeln. Im nächsten Sommer könnten dann wieder mehr als zwei Melodien pro Tag erklingen.

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