„Als Kunstverein wollen wir Kunst und Kultur im Stadtbild verankern“, sagt die Vorsitzende Miriam Reckling. Mit der Umnutzung des Pferdestalls ergebe sich die Chance, einen zurzeit ungenutzten und sanierungsbedürftigen Ort in einen lebendigen Kultur- und Begegnungsraum zu verwandeln. Zuletzt habe sich schon im vergangenen Sommer beim dreitägigen Waldgeflüster des Kunstvereins das große Potenzial des Gebäudes gezeigt. So sei auch die Idee für einen neuen Vereinsstützpunkt entstanden.
„Die ruhige Lage am Waldrand, die Nähe zur Tripp’schen Gartenanlage und zum Berggasthaus Niedersachsen machen den alten Stall zu einem idealen Ort für Kunst, Austausch und kreative Nutzung“, schwärmt Reckling. Der Standort sei „wie ein offenes Tor zwischen Natur, Kultur und Stadt“.
Reckling hat im November 2023 die Leitung des 1992 gegründeten Kunstvereins übernommen. Die Gründungsvorsitzende Angelika Salfeld hatte ihren Posten nach 31 Jahren abgegeben. „Es ist uns wichtig, Kunst für alle erlebbar zu machen und noch mehr Menschen zu erreichen“, sagte Reckling nach ihrem Amtsantritt. Die Pädagogin mit abgeschlossenem Kunststudium leitete mit ihrem neuen Vorstandsteam einen Umbruch ein. Für den Verein – zurzeit rund 80 Mitglieder – soll in dem alten Stall jetzt auch eine feste Vereinsadresse entstehen. „Ein sichtbarer Ort für kulturelle Arbeit“, wie die 42-jährige Gehrdenerin berichtet.
Die Pläne sind auch in einer Beschlussvorlage der Stadt nachzulesen und stehen zunächst im Umweltausschuss auf der Tagesordnung. Wenn es später im Verwaltungsausschuss grünes Licht gibt, soll der alte Pferdestall bereits ab April an den Kunstverein vermietet werden – für zehn Jahre, mit vertraglich vereinbarter Verlängerungsoption. Wegen der zunächst hohen Investitionskosten soll erst ab dem vierten Jahr eine jährliche Pacht von 500 Euro fällig sein.
Die Sanierung soll über Fördermittel – wie etwa aus dem Programm Leader-Region Calenberger Land – finanziert werden. Auftaktgespräche mit den Förderstellen haben laut Stadtverwaltung bereits stattgefunden. „Kosten für die Stadt entstehen durch den Umbau nicht“, heißt es in der Vorlage. Die Verwaltung begrüße die Initiative für eine Nachnutzung des Gebäudes.
„Wir wollen auch Arbeiten mit Helfern in Eigenregie übernehmen und müssen zusätzlich Spendenakquise betreiben, um das Projekt zu realisieren“, sagt die Vorsitzende. Zu den Plänen zählen auch Überlegungen, einen Teil der rund 140 Quadratmeter großen Scheune an ein kreatives Startup-Unternehmen „weiterzuvermieten“, wie Reckling berichtet. Für den Verein wäre es so möglich, einen Teil der künftigen Betriebskosten zu decken. Bei der Sanierung sollen die Strukturen und die Bausubstanz des alten Stalls erhalten werden. „Damit auch der Wiedererkennungswert bleibt“, sagt Reckling. Zunächst sei aber die Zustimmung der Stadt für die Pläne notwendig. Dann sollen Förderanträge gestellt werden. „Wir haben schon konkrete Pläne, aber von den Förderzusagen wird abhängen, was wir uns leisten können“, sagt Reckling.
Weil Zuschüsse erst nach einem Abschluss der Sanierungsmaßnahmen ausgezahlt werden, bittet der Kunstverein die Stadt um eine Vorfinanzierung. „Wenn alles gut läuft, könnten wir schon in diesem Jahr mit ersten Bauarbeiten starten“, hofft die Vorsitzende.