Gestartet ist er trotzdem. Am 1. Januar 2026 war es so weit. In den Räumlichkeiten an der Bruchstraße in Empelde, wo sich vorher ein Elektronikgeschäft befand, öffnete sein Laden. Für Alkurdi ist die Reparatur von Schuhen das Hauptstandbein, er bietet aber auch einen Schlüsseldienst und einen Service für Nähen, Schneidern, Gravuren, Stempel, Uhren sowie Polster für Sessel- oder Sofabezüge an. Seine Frau Rawah Htytani unterstützt ihn dabei.
Alkurdi hatte zuvor bereits fünf Jahre lang in einem Supermarkt in Bornum ein Geschäft für Schuhreparaturen und Schlüssel. Die veränderten Öffnungszeiten, gebunden an den Supermarkt, gaben ihm dort aber keine Perspektive. Ein Jahr lang war er zu Hause. „Gut, dass er jetzt wieder arbeitet. Wenn er zwei Tage nicht arbeiten kann, wird es schwer mit ihm“, sagt seine Frau und schmunzelt.
Über frühere Kunden sowie mithilfe eines Glückstreffers im Internet erfuhr er von der leer stehenden Immobilie in Empelde – und schlug zu. Aus seiner Supermarktzeit sind viele Kunden geblieben, die ihn nun auch in Empelde aufsuchten, sagt er, und berichtet von Kunden aus dem Umkreis wie Badenstedt, Davenstedt, Ronnenberg und natürlich Empelde.
Alkurdi kam vor zehn Jahren mit seiner Familie aus Syrien nach Deutschland – wie viele Menschen damals auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in seinem Heimatland. Die Familie flüchtete mit fünf Kindern, mittlerweile sind es sechs. Die Integration hat funktioniert. So will Tochter Rouz (24) ihre Ausbildung zur Pharmazeutisch-Technischen Assistentin (PTA) noch im Februar mit einer Prüfung abschließen, möchte danach in diesem Bereich weiterarbeiten und ist auf der Suche nach einer Stelle, berichtet Alkurdi. Alkudi hat in Syrien den Beruf des Tischlers gelernt – in der Schule. Danach ging es sofort in die Arbeitswelt. „In Syrien arbeitet man nicht nur in einem Job, man macht mehrere Arbeiten am Tag“, erklärt er, warum er nicht nur tischlern kann. Als Allrounder in vielen Tätigkeitsfeldern hat er also Erfahrung – nun ist in seinem Geschäft alles unter einem Dach vereint. „Nur den Schlüsseldienst musste ich hier neu erlernen. In Deutschland gibt es geschützte Sonderanfertigungen – in Syrien nicht“, sagt er und lacht.Ebenfalls ein Unterschied: „In Syrien schmeißt man Schuhe weg, in Deutschland kommt man damit zur Reparatur“, sagt der 54-Jährige mit einem Augenzwinkern – und lacht dann wieder. „Das ist gut für mich. Damit kann ich Geld verdienen.“ Omar Alkurdi hat sein Geschäft in der Bruchstraße 8 montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, in Kürze während des Ramadans jeweils bis 16 Uhr.
Dennoch stellt sich die Frage: In einem mittlerweile selten gewordenen Beruf des Schuhmachers zu arbeiten – wieso macht man das, und wie mutig ist das? „Ich habe einen Kopf und zwei Hände – also mache ich das. Ich kenne das aus Syrien. Männer machen das, was sie können.“ Als schwer empfand er jedoch, was im Vorfeld der Ladenöffnung zu beachten war. „In Deutschland ist die Bürokratie sehr groß.“ Demotivierend sei das zwar nicht gewesen, er habe sich seinen Traum erfüllen wollen. Aber beim Gedanken an so manche rechtliche Hürden und die Einhaltung von Vorgaben vergeht sogar ihm das Lachen. Aber nur kurz.