Er selbst bewirtschaftet im Bereich Groß Munzel Flächen mit einer Größe von rund 300 Hektar. Minusgrade und Schnee seien aus mehreren Gründen für den Ackerbau förderlich. Bevor von Hugo die Zusammenhänge genauer erläutert, nennt er zunächst die verschiedenen Auswirkungen der aktuellen Wetterlage: Demnach sei der Frost gut für die Bodenstruktur und reguliere Schädlingspopulationen, der Schnee schütze Kulturen vor dem vollständigen Erfrieren. Die Folge: „Der Boden wird fruchtbarer, und im Frühjahr wachsen die Pflanzen besser.“
„Frostgare” - so lautet der Fachbegriff für Vorgänge, die von Hugo so beschreibt: „Durchgefrorene Böden bewirken eine natürliche Regeneration und bringen die Bodenstrukturen wieder in Ordnung“, berichtet der Landwirt. Bestimmte Böden werden im Herbst durch den Einsatz schwerer Maschinen auf den Feldern verdichtet. „Durch den Frost dehnt sich der Boden wieder aus und wird aufgelockert“, erläutert von Hugo. Dadurch bleibe ihm im Frühjahr viel Arbeit erspart, um mit schwerem Gerät und hohem Dieselverbrauch das Erdreich selbst zu durchlüften. Das gehe auch mit Kosteneinsparungen einher.
Der zweite Vorteil eines kalten Winters: „Starker Frost dient der Kontrolle des Schädlingsaufkommens“, sagt von Hugo. Demnach überwintern zum Beispiel Läuse in Form von Eiern. „Wenn es einige Jahre lang sehr warm war, kommt das der Population zugute. Bei Frost geht der Bestand wieder zurück“, sagt der Landwirt. Das nehme im Ackerbau den Schädlingsdruck.
Warum bei anhaltendem Frost eine geschlossene Schneedecke für den Acker wichtig ist, erklärt von Hugo auch: „Der Schnee wirkt isolierend.“ Denn zu kalt dürfe es für die Kulturen, die schon gesät sind, nicht werden. „Ein Winterweizen kann Temperaturen von bis zu zehn Grad unter Null gut aushalten“, berichtet er. Eine Schneeschicht verhindere ein zu starkes Absinken der Temperaturen im Erdreich und schütze die Kulturen vor dem vollständigen Einfrieren.
Unterdessen nutzt Landwirt von Hugo die Wintermonate, um einen Teil des zunehmenden bürokratischen Aufwands abzuarbeiten: Dokumentation des Ackerbaus, Düngeplanung, Anträge stellen. Der Winter sei für landwirtschaftliche Betriebe geeignet, um die bürokratischen Formalitäten „auf Vordermann“ zu bringen. Zahlreiche Landwirtinnen und Landwirte seien auch als Nebenerwerb für den Winterdienst im Einsatz.
Trotz der kalten Witterung will von Hugo nichts beschönigen: „Ja, wir freuen uns über Schnee und Kälte, finden im Januar auch etwas Ruhe“, sagt er zwar. Das könne aber nicht die abnehmende Wettbewerbsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe ausgleichen.
Global gebe es hohe Ernteerträge. „Auf dem Weltmarkt sind die Preise für alle Grundlebensmittel um ein Drittel gesunken“, sagt von Hugo. Während die Kosten für Lohn, Energie und Personal steigen würden, seien die Erlöse für Getreide, Fleisch, Raps, Rüben und Kartoffeln immer schlechter. „Der Handel kauft Lebensmittel günstig ein, verkauft sie im Supermarkt für den alten Preis und steckt sich den Rest in die Tasche.“