Wie geht es
mit Tempo 30 weiter?
Die Region Hannover hat das Modellprojekt auf Durchgangsstraßen auch in Empelde abgeschlossen und eine positive Bilanz gezogen

Bis auf Weiteres Tempo 30: Auch an der Nenndorfer Straße in Empelde bleiben die Schilder mit dem Tempolimit vorerst stehen.Foto: Uwe Kranz
Empelde. Das im Herbst 2024 begonnene Modellprojekt „Tempo 30 in Ortsdurchfahrten“ der Region Hannover ist im Umland abgeschlossen. Die Verantwortlichen haben dazu ein positives Fazit gezogen. „Auf möglichst vielen der Strecken soll Tempo 30 ganz oder auf Teilabschnitten beibehalten werden. Die Verkehrsbehörden sind hier aktuell in der Abwägung/Prüfung, wie dies im rechtlichen Rahmen möglich ist“, heißt es dazu in einer Mitteilung der Region. Wie es mit den Strecken in Ronnenberg weitergeht, ist indes noch nicht klar.

Laut Svenja Ryll, Leiterin der Unteren Verkehrsbehörde in Ronnenberg, befinde man sich dort noch in der Auswertung der Ergebnisse speziell für die Stadt. Das Modellprojekt umfasste in Empelde die Nenndorfer, die Berliner und die Ronnenberger Straße. Dazu kam ein Teil der Hirtenstraße. Während auf einer Versuchsstrecke in Neustadt-Poggenhagen die Tempo-30-Schilder bereits abgebaut sind, stehen in Ronnenberg „nach Ablauf des Modellprojekts noch abschließende Evaluationen aus“, wie Ryll berichtet. Deshalb sei dort die Geschwindigkeitsbegrenzung zunächst befristet verlängert worden.

Laut Region Hannover habe die Testphase auf 21 Versuchsstrecken in der gesamten Region gezeigt, dass die Geschwindigkeitsreduzierung zu mehr Verkehrssicherheit und geringerer Lärmbelastung beigetragen hat. „Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass die Bevölkerung das Projekt überwiegend positiv bewertet“, resümiert Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 in Ortsdurchfahrten ist nach aktueller Straßenverkehrsordnung (StVO) allerdings bisher nur bei einer sogenannten qualifizierten oder einfachen Gefahrenlage möglich – also etwa da, wo die Straße an Schulen oder Kitas vorbeiführt.

Mittels Seitenradarmessungen wurden Geschwindigkeit, Lärm und Verkehrsaufkommen vor und während der Testphase untersucht. Mit der Methode der Floating-Car-Data wurden Geschwindigkeitsverläufe über gesamte Strecken gemessen. Außerdem wurde im Rahmen einer Onlinebefragung exemplarisch in den Ortsteilen Eltze (Uetze), Hellendorf (Wedemark) und Steinwedel (Lehrte) erhoben, wie Anwohnende das Projekt wahrgenommen haben und wie die Akzeptanz der Temposenkung war.

Die Bilanz des Projektes fällt grundsätzlich positiv aus. Die Durchschnittsgeschwindigkeit sank um bis zu 20 Prozent, im Schnitt um 10 Prozent. Besonders wirksam war die Reduzierung laut Region Hannover auf Strecken, bei denen es zuvor häufig zu Tempoüberschreitungen gekommen war und auf denen die Ausgangsgeschwindigkeit entsprechend hoch war. Gewöhnungseffekte wurden über den Zeitraum des Projektes nicht festgestellt, die Wirkung von Tempo 30 blieb stabil.

Auch eine Lärmminderung konnte – wenngleich in unterschiedlichem Ausmaß – an fast allen Strecken gemessen werden. Bis zu 50 Prozent der Befragten merkten an, dass das Projekt positive Auswirkungen auf Sicherheit und Lärm hat. Bis zu zwei Drittel der Befragten haben den Verkehrsfluss trotz Tempo-Reduzierung als unverändert oder flüssiger empfunden. Entsprechend würden sich mehr als die Hälfte der Befragten freuen, wenn das Projekt weitergeführt werden könnte – jeder Vierte würde es sogar gerne auf weitere Hauptverkehrsstraßen ausweiten.

„Tempo 30 ist ein wirksamer Hebel für mehr Sicherheit, weniger Lärm und lebenswertere Orte“, stellt Franz fest. Er setzt deshalb darauf, dass der Bund die Straßenverkehrsordnung entsprechend anpasst. In Ronnenberg gilt das Tempolimit auf den Durchgangsstraßen in Abstimmung mit der Region zunächst noch bis zum 31. März 2026.

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