In die Jahre gekommen,aber beliebt wie eh und je
Das Deisterbad Kirchdorf ist eine feste Größe in Barsinghausens Sport- und Freizeitangebot. Wie geht es weiter nach dem vom Stadtrat beschlossenen Neubau?

Ist zufrieden: Das seit Mitte April wieder geöffnete Deisterbad wird laut der stellvertretenden leitenden Schwimmmeisterin Susanne Kopmann wieder gut angenommen. Mehr Zeiten für Vereine oder längere Öffnungszeiten seien wegen Personalmangel derzeit leider nicht möglich.Foto: Maike del Rio
Barsinghausen. Mit einer 45 Meter langen Riesenrutsche, dem Einmeter- und Dreimeter-Sprungturm und dem mit buntem Spielzeug bestückten Kleinkindbecken lässt das mehr als 50 Jahre alte Kirchdorfer Deisterbad kaum Wünsche offen. In den vergangenen Jahren wurde es jedoch immer wieder aufgrund von Mängeln geschlossen und aufwendig saniert. Zuletzt musste der Betrieb wegen eines ungeklärten Wasseraustritts Anfang 2024 eingestellt werden. Wiedereröffnung war nach 15-monatiger Schließzeit im April vorigen Jahres. Wie läuft es seitdem?

Susanne Kopmann, die Stellvertreterin des leitenden Schwimmmeisters Ingo Korczowski, blickt spätestens seit dem Bekanntwerden des Ratsentscheides für einen Schwimmbadneubau mit nostalgischer Wehmut auf ihren Arbeitsplatz.

„Im August bin ich 48 Jahre hier. Man hängt an diesem Bad, es hat eine gemütliche Atmosphäre“, meint sie. Seit der Wiedereröffnung werde es wieder gut angenommen.

Ihre Kollegin Barbara Korczowski kann das mit Zahlen belegen. „Im Sommer hatten wir bis zu 10.000 Gäste pro Monat, ansonsten sind es zwischen 3500 und 5000.“ Viele kämen sogar aus Hildesheim und Hannover, sagt Kopmann und meint: „Die Besucherzahlen sind gut.“ Die Auslastung durch Schulen und Vereine sei sogar sehr gut. „Ich habe noch weitere Anfragen von Vereinen“, berichtet sie. Gut laufen würden auch die Aquafitness-Kurse. Aufgrund von Personalmangel könnten die Öffnungszeiten jedoch nicht erweitert werden. Gesucht werde eine Fachkraft in Vollzeit. Auch ein Rettungsschwimmer könne sich gern bewerben.

Beim Schwimmbad-Neubau, für den der Rat im April vergangenen Jahres stimmte, sollte ein Extrabecken für die Kurse eingeplant werden, meint Kopmann.

Schulen nutzen das Bad unter der Woche an den Vormittagen auf zwei abgesperrten Bahnen. Montags und donnerstags ist das Becken für Vereine reserviert. Kopmann betont in dem Zusammenhang den hohen Stellenwert des Barsinghäuser Schwimmbades. „Was hat Barsinghausen Kindern und Jugendlichen sonst zu bieten?“, fragt sie und führt als weiteres Argument die Wichtigkeit des Schwimmenlernens an. „Die Vereine sind voll“, so Kopmann. Gerade seien im Deisterbad die Wettbewerbe um den Stadtpokal des SC Barsinghausen ausgetragen worden.

Harald Klöber, erster Vorsitzender des SC Barsinghausen, ist noch ganz erfüllt von der Stadtpokal-Veranstaltung, bei der 18 Vereine mit insgesamt 500 Teilnehmenden dabei waren. Diese seien nicht nur aus der Region, sondern auch aus Hildesheim, Rinteln und Bückeburg gekommen. „Das hat einen positiven Effekt für Barsinghausen“, meint er. Barsinghausen rangiere als Veranstaltungsort ganz oben. Ein besonders Lob spricht er den Mitarbeitern des Deisterbades aus, die die Veranstaltung sehr gut gemanagt hätten. Und das, obwohl der letzte Stadtpokal-Wettbewerb – bedingt durch die Schließung des Bades – im Jahr 2023 stattfand und das zum Teil neue Personal erstmals eine derart große Veranstaltung betreut habe.

Klöber berichtet weiter, dass im Sommer 2026 das Lehrschwimmbecken in der Adolf-Grimme-Schule geschlossen und umgebaut werde. Die Gruppen des SC Barsinghausen, die durch die Deisterbad-Schließung dorthin umgezogen waren, würden dann ins Deisterbad zurückkehren. Die hohen Belegungszahlen würden deutlich machen, wie wichtig beide Bäder seien.

Für den Neubau eines Schwimmbades müsse es deshalb genügend Kapazität für Aquasport-Gruppen geben. Eine Idee seien absenkbare Böden, die nach Bedarf von einem Schwimmer- in einen Nichtschwimmerbereich umgewandelt werden könnten. Auch ein Fitnessraum für das Trockentraining steht beim SC Barsinghausen auf der Wunschliste.

Andreas Apitius, 1. Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Barsinghausen, hebt ebenfalls die Wichtigkeit eines Nichtschwimmerbereiches hervor. Für die Schwimmprüfungen sei auch ein Dreimeterturm notwendig; gerade deshalb, weil der in Gehrden abgebaut worden sei. Obwohl die Verantwortlichen des Deisterbades und der Verwaltung sehr entgegenkommend seien, habe die DLRG zu wenig Hallenzeiten. „Alle Kurse sind voll, wir führen Wartelisten“, sagt Apitius. Er erwartet eine Verschärfung der Situation, wenn das Lehrschwimmbecken saniert wird.

Die Kosten für den geplanten Schwimmbadneubau belaufen sich nach derzeitigen Berechnungen auf insgesamt 34 Millionen Euro. Der Standort ist noch offen und soll von der Stadtverwaltung geprüft werden. Genauso wie die Frage, wer das neue Hallenbad bauen und betreiben soll. Für Planung und Bau wird von einem Zeithorizont von acht bis zehn Jahren ausgegangen.

Das ist noch Zukunftsmusik. Die Bundesregierung beschloss im September 2025 ein Sondervermögen von einer Milliarde Euro zur Sanierung kommunaler Sportstätten. Barsinghausen reichte deshalb Projekteinträge ein, darunter einen für den Schwimmbad-Neubau. Der Haushaltsausschuss des Bundestages wird Ende Februar Beschlüsse zur Verwendung der „Sportmilliarde“ fassen. Wenn Geld aus dem Sondervermögen für den Neubau bewilligt werden sollte, wären möglicherweise 8 Millionen Euro zu erwarten.

Die Stadt Barsinghausen ließ auf Nachfrage mitteilen, dass man diese Entscheidung abwarten wolle. „Weitere Planungen erfolgen erst, wenn Klarheit über die Zuschüsse besteht.“

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