Frank Plorin tritt nach30 Jahren bei Noa Noa kürzer
Nach rund 16 Jahren ist die Barsinghäuser Kunstschule seit Ende Oktober ohne Leitung. Im neuen Jahr soll sich das ändern.

Vermächtnis: 30 Jahre widmete sich Frank Plorin dem Wohl und Wehe der Kunstschule Noa Noa. Foto: Maike del Rio
Barsinghausen. Frank Plorin, als Künstler in seiner Familie ein „Ausreißer“, hat sich bald nach dem Studium der freien Künste in Hannover der Erkenntnis stellen müssen, von seiner Art der Kunst nicht leben zu können. Zufällig landete er bei der Kunstschule Noa Noa und übernahm immer mehr Aufgaben. Nach 30 Jahren an der Schule und rund 16 Jahren in der Position als Schulleiter ist er Ende Oktober zurückgetreten und blickt zurück auf sein Lebenswerk. Die Kunstschule ist eine von den zwei letzten Verbliebenen in der Region Hannover.

Als Plorin nach sieben Jahren als freischaffender Künstler 1994 die Reißleine zog und sich arbeitslos meldete, wurde ihm eine damals auf zwei Jahre befristete, sogenannte „AB-Stelle“ angeboten. Eine von der Arbeitsagentur geförderte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, die Arbeitsuchenden helfen sollte, eine reguläre Anstellung zu finden.

Aufgabe war die Organisation und Umsetzung von künstlerischen Beteiligungsprojekten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene bei Noa Noa in Barsinghausen. „Super“, dachte er sich, „da lernt man, wie man Projekte managt.“ Seitdem hat ihn die Kunstschule nicht mehr losgelassen, deren Leitung er 2013 übernommen hatte, damit ist seit Ende Oktober Schluss.

„Frank bleibt uns aber als Teamer hoffentlich noch sehr lange erhalten. Was sollen wir ohne ihn machen?“, fragt sich Renate Ernst vom Vereinsvorstand, die derzeit einige Aufgaben Plorins übernommen hat. Die Nachfolgeregelung sei derzeit in Planung, so Ernst. Näheres werde Anfang des neuen Jahres feststehen. Sehr wahrscheinlich würden die umfangreichen Aufgaben, die Plorin übernommen hatte, auf mehrere Schultern verteilt. Dabei gehe es im Wesentlichen um die künstlerische Leitung und die Verwaltung.

Netzwerken sei ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit gewesen, erzählt Plorin im Gespräch. Ernst hebt den 2023 ins Leben gerufenen Kulturbeirat in Barsinghausen hervor, dem sie selbst als Vertreterin von Noa Noa angehört und dessen Entstehung von Plorins Mitwirken geprägt gewesen sei. Außerdem dabei: Vertreterinnen und Vertreter der Kulturfabrik Krawatte, der Deister-Freilicht-Bühne, des Vereins Calenberger Cultour & Co. sowie des Kulturvereins Barsinghausen. Plorin habe einen beträchtlichen Teil seiner Zeit in Sitzungen verbracht. Er war oder ist Mitglied unter anderem im Beirat des Stadtjugendrings, des Kaufleutevereins „Unser Barsinghausen“ und im Vorstand der Kulturfabrik Krawatte.

Maßgeblich beteiligt war Plorin auch an der Entwicklung des Arbeitskreises Kunst im Jahr 2002, aus dem sich der Kunstverein gründete, in dem er lange aktiv im Vorstand mitgearbeitet hatte. Seine Arbeit habe ihm in den vergangenen 30 Jahren keine Muße für seine eigene Kunst gelassen. Dies werde sich vorerst wohl auch nicht ändern, sagt er: „Aber ich kann endlich mal wieder Ausstellungen besuchen, das war bei den vielen Sitzungen und Abendterminen fast nicht möglich.“

Noa Noa ist eine von den letzten beiden in der Region verbliebenen Kunstschulen. Das erste Kursprogramm sei im Jahr 1988 erschienen, so Plorin. Die Kunstschule gehörte damals zum heute nicht mehr existierenden Kunstverein Hannover Land. „Als ich hier anfing, war Noa Noa deutlich bildhauerisch geprägt“, erinnert sich d%er 65-Jährige.

Auch der Theaterbereich sei von Anfang an dabei gewesen, was auf den Umstand zurückzuführen sei, dass der Gründer Albrecht von Blanckenburg, heute noch Bandleader von „Sound of Hope“, Rhythmiklehrer gewesen sei.

Das Ansehen der Kunstvermittlung habe sich in den Jahren zum Positiven gewandelt. Heute würde keine Förderung für Kunst mehr bewilligt, wenn nicht gleichzeitig Kunstvermittlung angeboten werde. „Wir haben viele Jahre daran gearbeitet, dass so ein Ort wie jetzt die Krawatte hier stattfinden kann“, so Plorin. Als Konzept für die Zukunft rät der scheidende Leiter, die Arbeit der Kunstschule im Alltag von Schulen zu verankern: „Ich finde, man sollte es allen Kindern möglich machen, künstlerische Tätigkeiten kennenzulernen.“

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