66-Jährige stoppt sexuelle Belästigung eines Mädchens
Zivilcourage-Preis „Helfende Hand“ bei Neujahrsempfang der Stadt Barsinghausen verliehen. Preisträgerin will anonym bleiben.

Die „Helfende Hand“: Barsinghausens Polizeichef Ludger Westermann (links) und Bürgermeister Henning Schünhof (SPD) mit dem Zivilcourage-Preis. Da die diesjährige Preisträgerin anonym bleiben möchte, wird ihr die Trophäe im Nachhinein übergeben.Foto: Jennifer Krebs
Barsinghausen. Großer Applaus trotz Anonymität: Beim Neujahrsempfang der Stadt Barsinghausen ist der Zivilcourage-Preis „Helfenden Hand“ verliehen worden – an eine 66-jährige Frau aus Barsinghausen, die aber unerkannt bleiben möchte. Sie hatte mutig eingegriffen, als ein elfjähriges Mädchen von einem Mann sexuell belästigt wurde.

Der Vorfall passierte am 26. Juli 2025 in den frühen Abendstunden: Auf dem Weg zum Einkaufen fiel der Preisträgerin, die aufgrund einer Erkrankung auf einen Rollator angewiesen ist, ein Mann auf, der mit drei Mädchen unterwegs war. Ihr kam sein Verhalten, insbesondere gegenüber des ältesten, elfjährigen Mädchens merkwürdig vor. Der Mann habe es häufig und unangemessen umarmt.

Auf dem Rückweg sah die Frau, dass er es auch zu küssen versuchte. „Er legte Handlungen an den Tag, die die Polizei später als sexuellen Missbrauch von Kindern einstufte“, sagte Barsinghausens Polizeichef Ludger Westermann, der beim Neujahrsempfang vor 500 Gästen aus Wirtschaft, Kultur, Politik, Feuerwehr, Schulen, Kirchen, Vereinsleben und Ehrenamt den Vorfall schilderte.

Das Mädchen konnte sich offensichtlich nicht alleine wehren. Die Preisträgerin nahm die Situation teilweise mit dem Handy auf, um zu dokumentieren. Sie erklärte dem Mann unmissverständlich, dass er sofort damit aufzuhören habe. Auch das Mädchen sprach sie an. Da unklar blieb, ob es den Mann kannte, begleitete sie die Kinder nach Hause und übergab sie den Eltern.

Anschließend informierte sie die Polizei – und sorgte so dafür, dass der Vorfall strafrechtlich verfolgt wurde. Auch Vorfälle in der Vergangenheit hätten so aufgeklärt werden können, sagte Westermann. Darüber hinaus habe die Frau damit den betroffenen Kindern die Möglichkeit eröffnet, durch betreuerische Maßnahmen Hilfe und Unterstützung zu bekommen.

Westermann betonte: Die Preisträgerin wolle anonym bleiben, weil sie aus ihrem Handeln keinen persönlichen Nutzen ziehen wolle. Für sie sei dies eine Selbstverständlichkeit gewesen. Die „Helfende Hand“-Trophäe bekommt die 66-Jährige nun im Nachgang der Veranstaltung überreicht. Neben der Plastik gehört dazu immer auch ein persönliches Geschenk oder kleines Preisgeld. Auch dies lehnte sie ab und bat stattdessen darum, es dem Kinderschutzbund zugutekommen zu lassen – verbunden mit ihrem eindringlichen Appell: „Tun Sie Kindern etwas Gutes.“

Auch Bürgermeister Henning Schünhof (SPD) lobte das vorbildliche Verhalten: „Wir haben uns die Auswahl der eingereichten Vorschläge nicht leicht gemacht. Dieser Fall stach aber heraus.“ Auch wenn die Preisträgerin anonym bleiben wolle, habe man diese Leistung würdigen wollen. Von den Gästen des Neujahrsempfangs gab es dafür anerkennenden Applaus.

Westermann nutzte die Gelegenheit, um auf „Signal for Help“ hinzuweisen. Das ist ein stiller, einhändiger Hilferuf, der entwickelt wurde, um in Notsituationen wie häuslicher Gewalt, aber auch bei sexueller Gewalt oder Entführung diskret um Hilfe zu bitten. Man macht es, indem man die Handfläche nach vorn zeigt, den Daumen in die Handfläche legt und die Finger darüber schließt, bis eine Faust entsteht – so wird der Daumen symbolisch „gefangen“. Wenn man dieses Zeichen sieht, sollte man die Person unauffällig ansprechen und Hilfe anbieten, im Zweifelsfall aber auch die Polizei (110) alarmieren. „Regel der Zivilcourage: Bringen Sie sich nicht selbst in Gefahr“, betonte der Polizeichef.

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