„Was wir verschwiegen haben“ – so lautet der Titel seiner Neuerscheinung, und auf dem Buchcover ist Schirmers vollständiger Name zu lesen. „Jetzt ist es raus“, sagt der 44-Jährige und schmunzelt. Der Inhalt des Thrillers habe mit seinem bisherigen Verzicht, sich als Autor zu „outen”, nichts zu tun. Aber: Vor diesem Buch seien nur seine Eltern, die Ehefrau und die Schwiegermutter über sein nebenberufliches Autorendasein eingeweiht gewesen.
„Zuerst habe ich ein Pseudonym verwendet, um meinen Namen nicht wegen schlechter Kritiken aufs Spiel zu setzen“, erklärt der Familienvater. Er brachte seine Werke bislang als „Jack Sanders“ heraus. „Das war ein computergenerierter KI-Vorschlag auf meine Frage nach einem passenden Namen für einen Krimiautoren.“
Schirmer wohnt seit elf Jahren mit seiner Frau und zwei Kindern in Barsinghausen. Ursprünglich kommt er aus Hannover-Ahlem. Den Einstieg als Autor habe er seinem Hauptberuf zu verdanken, sagt er. Schirmer arbeitet als Rechtspfleger bei der Staatsanwaltschaft Hannover und war zuvor Justizfachwirt an einem Landgericht.
„Während der Corona-Pandemie ging es überall mit den Podcasts los“, erzählt er. Vor allem das Genre „True Crime“, das sich mit realen Kriminalfällen beschäftigt, sei zunehmend zu hören gewesen. „Mit einer Kollegin ist mir aufgefallen, dass oft die juristischen Fachbegriffe verwechselt werden“, erzählt Schirmer. Deshalb hätten sie zusammen beschlossen, selbst in der Szene aktiv zu werden.
„Wir haben zu alten Fällen im Internet recherchiert, Moderationen geschrieben und die Geschichten auf Podcast-Portalen veröffentlicht“, berichtet er. Berufliche Quellen seien natürlich wegen der Verschwiegenheitspflicht tabu. „Mit durchschnittlich 10.000 Hörern pro Folge lief es zwar gut“, sagt Schirmer. Die Podcasts seien aber zu zeitaufwendig geworden.
Auf Anraten einer „True Crime“-Autorin sei er dann als Schriftsteller eingestiegen: „Mein erstes Werk war ein Adventskalender mit einer erdachten Kriminalgeschichte in 24 Kurzkapiteln.“ Und mit dem kostenlosen Hochladen seines Werks auf einer Internetplattform als E-Book – auf Bestellung auch als gedruckte Ausgabe erhältlich – machte er gleich gute Erfahrungen. „Ich habe etwa 50 Exemplare verkauft.“
Schließlich folgte sein erster Kriminalroman: eine Geschichte, die im Schwarzwald in Freudenstadt bei Karlsruhe spielt. „Eine Autorin hatte mir zu einem regionalen Bezug geraten, um Leserschaft anzulocken“, erläutert er. Und warum dort? „Ich wollte früher beruflich zum Bundesgerichtshof nach Karlsruhe, deshalb habe ich in der Nähe einen Ort gesucht.“
Fortsetzung auf Seite 7Die lokalen Informationen über Freudenstadt beschaffte er sich mithilfe von Internetrecherchen.
Nach fünf weiteren Werken mit dem gleichen Ermittlungsduo verlagerte Schirmer den Schauplatz für die nächsten Krimibände an die Ostsee nach Plön in Schleswig-Holstein. Dort habe er auch vor Ort recherchiert. Anschließend veröffentlichte er unter dem Titel „Deister-Crimes“ zwei Bücher mit erdachten Kriminalfälle in der Wennigser Mark.
Im November 2025 wurde nun Schirmers neuer Psychothriller „Was wir verschwiegen haben“ fertig – ein 500-Seiten-Werk, das erstmals nicht nur auf einer bekannten Internetplattform, sondern in jeder Buchhandlung erhältlich ist. Der Preis: 17,99 Euro. Schirmer hat das Buch als Selbstverleger über das Buchhandelsunternehmen Thalia herausgebracht – unter seinem echten Namen.
„Zu Jack Sanders passt die Story nicht, weil sie keinen lokalen Bezug hat“, meint der Autor. Die Geschichte, die aus der Täterperspektive geschrieben ist, spielt in einer fiktiven Stadt in den USA. „Nach einer Feier an einem See, mit viel Alkohol, ist ein Mädchen verschwunden und nie wieder aufgetaucht – die Ermittlungen wurden eingestellt“, erzählt Schirmer. Zehn Jahre später werde eine weitere Person von der Vergangenheit eingeholt. „Es geht um Schuld und wie man mit etwas Verdrängtem umgeht“, verrät der Autor.
Aber wie konnte er innerhalb eines Jahres so viele Bücher produzieren? „Ich schreibe fast jeden Abend rund zweieinhalb Stunden, wenn die Kinder im Bett sind und meine Frau Serien schaut“, sagt Schirmer. Für ihn sei das ein toller Ausgleich nach der Arbeit.
Inspiriert werde er von Filmen und seinem beruflichen Hintergrund. Das Schreiben ist bislang aber nur ein Nebenerwerb: „Meine Reinerlöse liegen monatlich im Durchschnitt zwischen 75 und 100 Euro“, sagt der Krimiautor.