Weitere Proben aus der„Alten Badeanstalt“
Die Schadstoffe auf der ehemaligen Hausmülldeponie zwischen Gehrden und Ditterke bauen sich nur langsam ab

Rund 2,2 Millionen Euro hat vor zehn Jahren die Sanierung der ehemaligen Deponie „Alte Badeanstalt“ gekostet. 6000 Kubikmeter Boden wurden ausgehoben, davon mussten 4500 Kubikmeter entsorgt werdenFoto: Gerko Naumann (Archiv)
Gehrden/Ditterke. Es war der Sanierungsfall schlechthin im Gehrdener Stadtgebiet. Vor fast 20 Jahren wurden auf der Hausmülldeponie „Alte Badeanstalt“ bei Ditterke Schadstoffe im Grundwasser festgestellt. Bohrungen im Auftrag des Teams Bodenschutz der Region Hannover zeigten, dass der Boden mit erheblichen Mengen an CKW verseucht ist – flüchtige, chlorierte Kohlenwasserstoffe. Anwohner befürchteten, dass ihr Trinkwasser belastet ist. Die Schadstoffe stammten vermutlich aus Abfällen, die Privatpersonen und Firmen nach 1954 auf dem Gelände der ehemaligen Badeanstalt unkontrolliert abgeladen hatten – wie an so vielen Stellen in der Region. Die Polizei leitete ein Strafverfahren gegen unbekannt. Verursacher wurden aber nie gefunden.

Das Areal musste aufwändig saniert werden. Bis heute steht die „Alte Badeanstalt“ auf der Agenda. 10.000 Euro muss die Stadt im Jahr ausgeben, um das Gift im Untergrund zu beobachten, vor allem das Grundwasser. Aus Brunnen werden regelmäßig Proben gezogen und ausgewertet. Das positive Ergebnis: Der Stadt sind in den vergangenen Jahren keine besorgniserregende Auffälligkeiten gemeldet worden.

Ende der Fünfzigerjahre entschloss man sich, das Freibad nahe Ditterke als Hausmülldeponie zu nutzen. Bei Untersuchungen wurde 2006 festgestellt, dass chlorierter Kohlenwasserstoff ins Grundwasser gelangt war. Bei der genaueren Überprüfung zeigte sich, dass das Grundwasser bis in die Ortschaft Ditterke hinein belastet ist. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, das Wasser aus Hausbrunnen nicht mehr als Trinkwasser zu nutzen.

Eine umfassende Sanierung begann Ende 2010. Es wurde eine Baugrube von der Größe eines halben Fußballfelds mit Spundwänden gesichert und bis zu 7,50 Meter tief ausgekoffert. So wurden etwa 6000 Tonnen belasteten Bodens und andere Schadstoffe entsorgt. Die Kosten beliefen sich auf knapp 2 Millionen Euro.

Einen Haken kann Gehrden hinter die Umweltvergiftung noch nicht machen. Die Überwachung des Grundwassers muss fortgesetzt werden. Und zwar länger als ursprünglich gedacht. Eigentlich sei der Zeitraum für Proben abgelaufen, sagt Bürgermeister Malte Losert (parteilos). Doch da sich die Schadstoffe wegen der geringen Fließgeschwindigkeit des Grundwassers deutlich langsamer abbauen, als erwartet, werde der Bereich in Absprache mit der Region Hannover weiterhin untersucht. „Auch zwei neue Messstellen sind eingerichtet worden“, sagt Losert.

Aufzeichnungen der vergangenen Jahre hatten bewiesen, dass die Konzentration giftiger Substanzen in unmittelbarer Nähe des Sanierungsgebietes deutlich abgenommen hat. Auch in der Fließrichtung des Grundwassers zeichnet sich ein klarer Rückgang ab. Die sogenannte Schadstofffahne, die sich von der ehemaligen Badeanstalt entlang der Haferriede bis in den Süden der Ortslage Ditterke erstreckt, ist aber nicht verschwunden.

Jahrzehnte wird es vermutlich noch dauern, bis sich die Schadstoffe im Grundwasser vollends abgebaut haben.

Übrigens: Sogenannte Hausmülldeponien gab es auch in Lemmie, Leveste, Ditterke, Redderse und Northen. Die Abfallentsorgung war bis in die Siebzigerjahre nicht geregelt. Haus- und Industriemüll sowie Bauschutt sind an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet wild abgekippt worden.

Auch dort sind gezielt Grundwasserproben genommen oder Bohrungen ausgeführt worden. Eine Umweltbelastung ist in keinem Fall festgestellt worden.

Druckansicht