Ein Millionenprojekt:Verkehrsberuhigt und mit mehr Stadtgrün
Rund um das Matthias-Claudius-Gymnasium in Gehrden beginnen in Kürze umfangreiche Bauarbeiten.Nach Kanalsanierungen bekommen zwei Straßen bis zum Sommer 2027 ein völlig neues Gesicht.

Die Bauarbeiten rund um das Gymnasium sollen im Frühjahr beginnen: Für die Matthias-Claudius-Straße und die Hangstraße sind Kanalsanierungen und eine umfangreiche Neugestaltung der Straßenverläufe geplant.Foto: Ingo Rodriguez
Gehrden. Große Pläne für das Gebiet rund um das Matthias-Claudius-Gymnasium (MCG): Vor der Schule soll bis zum Sommer 2027 ein verkehrsberuhigter Bereich entstehen. In wenigen Wochen beginnen umfangreiche Bauarbeiten. Geplant sind drei Abschnitte: Nach Kanalerneuerungen werden jeweils die Hangstraße und ein Großteil der Matthias-Claudius-Straße komplett umgebaut. Hinzu kommt ein Teil des Schäfereiwegs. Fahrspuren, Fußwege und Parkplätze sollen neu angeordnet werden.

„Bei der Neugestaltung werden Empfehlungen aus unserem Mobilitätskonzept umgesetzt“, sagt Gehrdens Bürgermeister Malte Losert (parteilos). Außerdem werde das Ergebnis eines Fußverkehrschecks berücksichtigt. Dabei war vor gut eineinhalb Jahren herausgekommen: Die Gehwege zur Schule sind viel zu schmal. Schülerinnen und Schüler des MCG müssten deshalb häufig auf die Straßen ausweichen.

Hintergrund der großen Baumaßnahme sind allerdings dringend notwendige Erneuerungen der Straßen und Arbeiten im Erdreich, wie die zuständige Fachbereichsleiterin Beate Küchemann erläutert. „Das Gymnasium wurde jahrelang in mehreren Abschnitten umgebaut“, sagt sie. Unter dem Einsatz der schweren Baufahrzeuge habe die Qualität der etwa 50 Jahre alten Straßen stark gelitten.

Ein weiterer Grund für die Dauerbaustelle rund um das MCG sind die Ergebnisse einer Kanalbefahrung der Abwassergesellschaft Gehrden und des Unternehmens Avacon Wasser vor etwa zwei Jahren. „Die Kanalisation muss mit einer neuen Hydraulik ausgestattet und im Querschnitt vergrößert werden“, sagt die Fachbereichsleiterin. Das ebenfalls rund 50 Jahre alte Leitungsnetz sei zudem marode und immer noch ein Mischwassersystem und müsse auf die Trennung von Regen- und Abwasser umgestellt werden. „Es kam wegen Kanaleinbrüchen schon zu Absackungen der Straßen“, so Küchemann. Jahrelang seien Reparaturen nur Flickwerk gewesen.

Bürgermeister Losert fasst die Situation so zusammen: „Wenn wir die Kanäle erneuern müssen, bietet es sich an, auch die Straßen umzubauen.“ Je nach Wetterlage soll es schon Mitte Februar, spätestens Ende März, losgehen. Der Auftrag sei bereits an eine Baufirma vergeben. Rund 4,2 Millionen Euro investiert die Stadt, um das Großprojekt umzusetzen – 2,4 Millionen Euro davon übernimmt die Stadt Gehrden für den Straßenbau, 1,8 Millionen Euro zahlt deren Abwassergesellschaft für die Kanalerneuerung.

Geplant sind drei Bauabschnitte, jeweils mit Kanalerneuerung und Straßenumbau. Es beginnt im Frühjahr mit der Hangstraße – ab dem Abzweig zur Matthias-Claudius-Straße bis zur Einmündung des Schäfereiweges an der Bahnhofstraße.

Unmittelbar nach dem ersten Bauabschnitt sollen – voraussichtlich von Mitte August bis Ende 2026 – der westliche Teil der Hangstraße und die Matthias-Claudius-Straße bis zum Haupteingang des Gymnasiums erneuert werden, inklusive Kreuzungsbereich. Im dritten Bauabschnitt wird die Matthias-Claudius-Straße bis zur Brinkstraße umgebaut – von Januar bis August 2027, so der Plan.

Was Bürgermeister Losert betont: „Die Anwohnenden werden zeitnah per Rundschreiben genau informiert.“ Es werde Einschränkungen geben, aber alle Grundstücke sollen jederzeit erreichbar sein, wenn auch „nicht immer genau bis zur Haustür“. In jedem Bauabschnitt sei die Stadt auch dazu verpflichtet, alle Bereiche für Rettungsfahrzeuge und die Müllabfuhr zugänglich zu machen.

Die Baumaßnahme wird nicht nur die Verkehrsführung, sondern auch das Ortsbild verändern. „Die Matthias-Claudius-Straße wird zum verkehrsberuhigten Bereich, damit verschwinden dort sämtliche Bürgersteige“, sagt Losert. Diese Strecke werde ebenerdig gepflastert und optisch durch eine Entwässerungsrinne in der Straßenmitte hervorgehoben. Die Querparkplätze vor der Schule und die Stellplätze für die Lehrkräfte sollen erhalten bleiben. Fußgänger, Radfahrende und Kraftfahrzeuge sind gleichberechtigt.

„Es werden wechselseitig Längsparkplätze und Bepflanzungen angelegt“, so der Bürgermeister. Bislang gebe es dort keine Bäume. „Aus ökologischen Gründen gibt es aber keine Planung mehr ohne Stadtgrün“, betont Losert.

Die wichtigste Änderung für die Hangstraße: „Auf der linken Seite wird es bergauf keinen Bürgersteig mehr geben, dafür wird der Gehweg auf der rechten Seite verbreitert“, berichtet Losert. Die Hangstraße werde asphaltiert.

Der Rathauschef betont: Die Anlieger seien in die Planungen eingebunden worden. „Wir haben viel besprochen, verschoben und Hinweise eingearbeitet.“ Die Anwohnenden hätten sich auch gegen einen Minikreisel am oberen Ende der Hangstraße ausgesprochen. „Es bleibt aber genug Platz zum Wenden“, sagt Losert. Über detaillierte Pläne für künftige sogenannte Bringzonen und Kurzzeitparkplätze für Elterntaxis sollen aber erst noch genauere Überlegungen angestellt werden.

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