Ihren späteren Mann Dietmar hatte Birgit Hentschel, die damals noch Reese hieß, bei einem Sommercamp der Landeshauptstadt kennengelernt – nicht in den Finnhütten, sondern in Otterndorf an der Nordsee kennengelernt. Beide waren in Siebzigerjahren als ehrenamtliche Helfer bei den städtischen Ferienangeboten im Einsatz.
Tochter Nina, die 1985 zur Welt kam, erzählt: „Meine Schwester Jana und ich fuhren, seit wir sieben und neun Jahre waren, in die Finnhütten. Wir nahmen in den darauffolgenden Jahren immer wieder an Ferienfreizeiten teil oder besuchten Angebote der Feriencard, bis wir uns mit 17 beziehungsweise 19 Jahren dazu entschieden, selbst Betreuerinnen zu werden.“
Die heute 40-jährige Nina Hentschel wohnt in Hannover-Ricklingen und ist Lehrerin an der Albert-Einstein-Schule in Laatzen. Hentschels Begeisterung für die Finnhütten steckt an. Ihre Schülerin Isabel Klenge (16), die in Laatzen wohnt und die Laatzener KGS besucht, absolvierte die Jugendleiterausbildung und war 2025 erstmals als Teamerin in den Finnhütten aktiv.
Nina Hentschel erinnert sich noch genau, als sie im Jahr 1994 im Alter von neun Jahren mit ihrer jüngeren Schwester in den Finnhütten war. „Alles erschien mir riesengroß wie die Hochbetten, und die Hütte war ganz neu“, erzählt sie. Die 1990 abgebrannte Hütte der Landeshauptstadt wurde durch den 1994 eröffneten Neubau ersetzt. Anfang der 2000er-Jahre wurden die Waschräume modernisiert.
In den Jahrzehnten habe sich vieles verändert, erzählt Hentschel. Früher habe niemand ein Handy gehabt. Grüße nach Hause kamen auf anderem Wege an: „Wir haben Postkarten mit einem Gruppenfoto verschickt.“ Auch wenn heute jemand ein Handy dabei hat: Auf dem Gelände gebe es keinen oder kaum Empfang. Damals hieß es noch Ferienpass und nicht Feriencard, und die Anmeldungen wurden an Ort und Stelle oder telefonisch vorgenommen und nicht online. Freizeiten heute seien eher thematisch eingegrenzt. Doch manche Spiele seien noch dieselben, hätten aber einen anderen Namen. „Die Reise nach Jerusalem“ zum Beispiel heißt heute „Die musikalischen Stühle“. „Aber die Wanderung zu den Wasserrädern und das Lagerfeuer mit dem Stockbrotbacken am Schluss – das ist noch wie früher.“ Der Grillplatz wurde erst frisch renoviert.
Isabel Klenge hat im Sommer 2025 die sechstägige Schwimmfreizeit mit rund 20 Kindern zwischen sechs und elf Jahren erstmals als Teamerin betreut, weil sie selbst in einem Verein aktiv ist. Ein Kind habe sogar sein Schwimmabzeichen in Gold gemacht, berichtet sie. Im Sommer 2026 wird sie im Wennigser Wasserpark erneut jüngeren Kindern das Schwimmen beibringen. „Der Alltag mit den Kindern ist schön“, sagt sie. Das fange morgens beim gemeinsamen Frühstück an und ende abends mit dem Vorlesen vor dem Schlafengehen. Bei den Kindern heute seien vor allem Fang- und Laufspiele beliebt sowie das „Kotzende Känguru“, bei dem eine Person jemandem ein Kommando geben darf und der oder die Angesprochene muss mit der benachbarten Person die genannte Figur – zum Beispiel ein Känguru, das sich übergibt, – darstellen.
Nina Hentschel bietet an der Albert-Einstein-Schule zusammen mit dem Kinder- und Jugendbüro der Stadt Laatzen die Ausbildung für die Jugendleitercard (Juleica) an und vermittelt an den Jugendferienservice Hannover. So wird eine Gruppe aus Laatzen im Sommer 2026 unter ihrer Leitung und unter der Leitung von Christine Kirschen des Kinder- und Jugendbüros mehrere Tage in den Finnhütten verbringen. „Auf Klassenfahrten bin ich Frau Hentschel, aber hier in den Finnhütten bin ich Nina.“ Sie ergänzt: „Die Freizeiten geben einem so viel.“ Allein die Teamabende möchte sie nicht missen.
Zum 60-jährigen Bestehen der Finnhütten gab es vor wenigen Wochen ein Kinderfest, an dem auch die Ehrenamtlichen teilnahmen. Als Geschenk für ihr Engagement erhielten die Ehrenamtlichen Hoodies, die ein Teamer in einer Grafikwerkstatt gestaltet hatte. Rund 6000 Übernachtungen mit etwa 1400 Gästen zähle die Einrichtung jedes Jahr, erläutert Thomas Rott. Er leitet den „Jugend Ferien-Service“ der Landeshauptstadt.
Im März, wenn die Winterpause in den Finnhütten vorbei ist, geht das Programm für die Sechs- bis 13-Jährigen wieder los. Es reicht von „Japan erleben, wo Freundschaften erblühen“ im Frühling vom 21. bis 27. März über „Wasserspaß im Deister“ im Sommer vom 12. bis 18. Juli bis hin zum „Herbstabenteuer“ vom 17. bis 23. Oktober. Nähere Informationen gibt es im Internet auf jugendferienservice-hannover.de und unter Telefon (0511) 16847070. Die Chancen, dass einem Nina Hentschel auf dem idyllisch gelegenen Gelände am Wennigser Mühlbach begegnet, sind übrigens groß.