„Wir freuen uns grundsätzlich über alle Waldbesucher und Menschen, die den Wald als Lebensraum erleben wollen“, sagt von Constantin von Waldthausen, Leiter der Klosterforsten. Nur: Dieser Lebensraum müsse auch geachtet werden und dürfe keinen Schaden nehmen. Es sei durchaus okay, auch abseits des Weges nach Pilzen zu suchen. Anders sehe es mit illegalen Strecken und Hindernissen für Mountainbiker aus. „Beim Bau werden oft Jungpflanzen aus dem Boden gerissen und abgesägt. Es wird Nutzholz entwertet, indem es durchgesägt wird, wenn es im Weg liegt“, berichtet von Waldthausen.
Auch der Mountainbikeverein Deisterfreunde distanziert sich regelmäßig von Radfahrenden, die illegale Trails anlegen. Der Verein mit zurzeit rund 1300 Mitgliedern betreibt drei legale Abfahrtsstrecken im Deister, für die in Kürze die Betriebserlaubnis ausläuft. Diese Strecken liegen auf dem Gebiet der Landesforsten. Rund um die Trails gebe es laut Verein keine illegalen Strecken. Die Hoffnung in der Politik und bei Waldbesitzern war aber, dass durch die erlaubten Strecken im gesamten Deister der illegale Bau von Trails der Vergangenheit angehören. Von Waldthausen zeigt dazu zwei Karten, auf denen verbotene Strecken in den Klosterkammer-Forstorten Barsinghausen und Wennigsen mit roten Linien markiert sind, ein regelrechtes Streckennetz. „Große Teile der Trails sind in Landschaftsschutzgebieten illegal angelegt und deshalb grundsätzlich Ordnungswidrigkeiten“, sagt von Waldthausen.
Der Leiter des Forstbetriebs nennt weitere Schäden im Klosterforsten-Gebiet: Kürzlich sei ein Kulturzaun zerstört worden. In einem weiteren Fall seien für den Rückbau von Schanzen rund 3000 bis 4000 Euro an Kosten entstanden, um Naturschäden an einem Bachlauf zu verhindern.
Die Polizeidirektion (PD) Hannover bezifferte kürzlich das Ausmaß, nachdem Mountainbiker im Fuchsbachtal beim Schanzenbau sogar Bäume gefällt haben sollen: Demnach soll ein Schaden von rund 58.000 Euro entstanden sein. Von Waldthausen spricht von einem „fehlenden Unrechtbewusstsein“ seitens einiger Mountainbiker: „Viele haben kein Verständnis dafür, dass der Wald Eigentümer hat.“ Zerstörungen seien auch angesichts großer Bemühungen zahlreicher Waldbesitzer nicht hinnehmbar: „Viele Eigentümer investieren jährlich in siebenstelliger Höhe, um den Wald wegen des Klimawandels umzugestalten.“ Auch weil ein Großteil hiervon staatliche Fördermittel sind, seien Beschädigungen nicht zu tolerieren.
Auch die Tierwelt leidet. „Das Rotwild zieht sich durch den Lärm in andere Bereiche zurück und wird dann nachtaktiv“, berichtet von Waldthausen. Dadurch nehmen die Schäden durch das „Schälen“ – Abziehen von Baumrinde – zu. Der Forstwissenschaftler verweist auf die Karten mit den rot markierten Trails: Für das Wild bedeute dies auf der ganzen Fläche unkalkulierbare Störungen. „In Kombination mit Radfahrern, Wanderern und Reitern auf den Hauptwegen bleibt fast kein Quadratmeter ohne Störung – auch in den Kinderstuben des Wildes“, sagt von Waldthausen. Die ausgefahrenen Trails würden Wanderer auch querfeldein durch den Wald leiten.
Das zweite große Problem für die Eigentümer: die Gefahrenlage für Spaziergänger. „Viele illegale Trails führen direkt auf offizielle Wanderwege, deshalb schießen immer wieder Mountainbiker unvermittelt auf den Weg – es gibt ja dort für sie keine Verkehrszeichen“, berichtet von Waldthausen.
Die Sorgen der Flächenbesitzer gehen über die Gefahrenlage und Naturschäden hinaus: „Ist die Duldung der illegalen Trails ein Anlass dafür, dass sich Waldbesitzer für Schäden haftbar machen?“, fragt von Waldthausen. Die Furcht, wegen möglicher Unfälle belangt zu werden, nehme zu. Schon zweimal habe es in der Vergangenheit Hubschraubereinsätze wegen verunglückter Mountainbiker gegeben. Grundsätzlich gebe es hinsichtlich der Haftungsfrage in solchen Fällen unterschiedliche Gerichtsurteile, berichtet der Forstbetriebseiter.
Streit gibt es auch um die drei legalen Trails. Vor gut zehn Jahren hat der Verein Deisterfreunde in Kooperation mit der Region Hannover und den Landesforsten im Rahmen eines Pilotprojekts die offiziellen Strecken im Deister angelegt. Nun droht ihnen das Aus. Regionssprecher Philipp Westphal: „Die naturschutzrechtliche Befreiung von den Verboten der Landschaftsschutzgebietsverordnung für die Downhilltrails läuft Ende des Jahres aus.“
Die Region will die Genehmigung nur unter bestimmten Voraussetzungen verlängern. Dabei geht es unter anderem um eine Kompensationszahlung in Höhe von 15.000 Euro wegen eines vermeintlich ungenehmigten Ausbaus der legalen Trails – der Verein spricht vor allem von notwendigen Korrekturen und Sanierungsmaßnahmen