Das Kloster Barsinghausen wurde im Jahr 1193 als Augustiner-Doppelkloster gegründet. Hier lebten zunächst Mönche und Nonnen, bis es im 13. Jahrhundert in ein reines Frauenkloster umgewandelt wurde. In der Reformationszeit wurde das Kloster zu einem Damenstift für alleinstehende adelige Frauen.
Im Dreißigjährigen Krieg erlitt das Kloster schwere Schäden. Zwischen 1700 und 1704 wurde es wieder aufgebaut, damals entstanden die meisten der heute erhaltenen Teile des Ensembles. Die Klosterkirche, die 1198 erstmals urkundlich erwähnt wurde, ist der älteste erhaltene Teil des Klosters. „Dazwischen liegen rund 500 Jahre. Man kann den Anbau gut von außen am Mauerwerk erkennen“, sagt Äbtissin Henrike Wahl und öffnet eines der vielen Fenster zum Kreuzhof. Von hier aus kann man den baulichen Übergang zwischen Konventgebäude und Kirche besonders gut sehen.
Die Kirche ist seit jeher der Muttergottes geweiht und ist nach ihr benannt: St. Marien. Das Kirchengebäude gehört ebenso wie das Konventgebäude und der Klostergarten nicht der Landeskirche, sondern der Klosterkammer Hannover. Die Kirchenglocken läuten täglich zur Mittagszeit für den Frieden.
Im lichtdurchfluteten Obergeschoss des barocken Bauwerks stehen für Gäste in zwei Wohnungen vier helle Einzelzimmer zur Verfügung. „Wo es Gäste gibt, da gibt es auch einen Gastgeber. Das bin im Grunde nicht ich, sondern Gott: Es ist sein Haus, und ich öffne die Klosterpforte letztlich auch in seinem Namen“, sagt die Äbtissin. Die Klostergäste kommen aus ganz Deutschland, aus Österreich und der Schweiz. „Mit mehrtägigen Aufenthalten wollen sie Ruhe und in der Stille zu sich selbst finden“, sagt Wahl.
Viele Menschen fragen an für Übernachtungen. „Die Nachfrage übersteigt das Angebot“, sagt die Äbtissin. Im Jahr 2024 waren es 250 Übernachtungen, gebucht von etwa 60 Personen. 2023 sei es die Hälfte davon gewesen, zwei Jahre davor nur 20 Prozent. Das Alter der Übernachtungsgäste liege zwischen acht Monaten und 80 Jahren, es kämen Frauen wie Männer, auch die Kirchenzugehörigkeit spiele keine Rolle.
Was aber wichtig zu wissen ist: Nicht umsonst leitet sich das Wort Kloster vom lateinischen „claustrum“ ab, was ursprünglich „Riegel“, „Verschluss“ oder „geschlossener Ort“ bedeutet. Das Kloster ist also ein geschützter Raum. Das ist der Äbtissin wichtig, zu betonen. Sie höre oft in Gesprächen in der Öffentlichkeit, dass sich das Kloster abschotten wolle.
Dem sei nicht so. Aber: „Unsere Gäste kommen, weil sie Rückzug aus dem Alltag und Abstand vom ‚Außen‘ suchen, oft in Schwellensituationen oder nach einem Schicksalsschlag wie dem Verlust eines nahestehenden Menschen“, erklärt Wahl und bittet um Verständnis. „Ein solcher Schutzraum würde durch regelmäßige Führungen und auch durch die Öffnung für Spaziergänger und Passanten empfindlich gestört.“
Wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten werden vorerst allerdings keine neuen Buchungen entgegengenommen. Neue Heizung, besserer Brandschutz, energiesparende Fenster, Wände und Flure, aber auch schnelleres Internet: Ab Frühjahr 2026 wird das Kloster in Barsinghausen für etwa eineinhalb Jahre geschlossen und eine Baustelle sein.
„Ein Kloster, in dem Musik klingt – das ist mir ein wichtiges Anliegen“, sagt Wahl, die seit dem 1. März 2021 Äbtissin im Kloster Barsinghausen ist. Gerne erinnert sie sich an die Klanginstallation an der Klostermauer zurück, die sie gleich in ihrem ersten Sommer in Barsinghausen habe erleben dürfen. Vor jeder Fensterbucht in der Klostermauer hatte Künstlerin Franziska Windisch damals eine Platte aus hartem Birkenholz montiert. Kleine Körperschallwandler, wie sie auch in üblichen Lautsprechern zum Einsatz kommen, erzeugten Schwingungen auf den unterschiedlich gestalteten Platten. Vibrationen und Klänge machen so fünf Stationen unter der Klosterlinde zu akustischen Fenstern. Eindrucksvoll sei das gewesen, sagt Wahl.
Das gregorianische Psalmgebet ist fester Bestandteil im Barsinghäuser Kloster und eine uralte, gesungene Form des Gebets. Es hat eine 1500 Jahre alte Tradition und ist die Vertonung von Psalmen im Stil des gregorianischen Chorals, dem einstimmigen, unbegleiteten Gesang. Gebetet wird es morgens um 8 Uhr und abends um 18 Uhr.
Auch Instrumentalmusik ist im Kloster Barsinghausen zu Hause: Schon seit vielen Jahren nutzt der Verein Calenberger Cultour & Co. den Konventsaal für seine klassischen Konzerte. Die nächste Veranstaltung in der Reihe „Calenberger Classics“ ist am 18. Januar. Das vorerst letzte „Calenberger Classics“-Konzert im Kloster gibt es dann wegen der Baumaßnahmen am 15. Februar. Beide Veranstaltungen sind bereits ausverkauft.
„Wasser ist bei uns ein ganz wichtiges Element“, sagt Äbtissin Wahl. Auch in der Bibel spiele es eine zentrale Rolle, etwa als Ursprung des Lebens, Symbol für Erlösung und ewiges Leben, aber auch als bedrohliche Kraft (Sintflut). Das Kloster Barsinghausen hat zwar keinen Bach, aber vor dem Südflügel einen Renaissance-Brunnen. Dieser führt Grundwasser. Ein weiterer Brunnen auf dem Gelände, der 2005 bei einer Neuanlage des Klostergartens entstanden ist, besitzt einen Leitungswasserzugang und eine Zapfstelle. Und wenn man sich auf dem Klostergelände umschaut, dann findet man noch mehr Wasser: in sieben Wassertonnen, zehn Gartenschläuchen und 20 Gießkannen.
Rund 9000 Quadratmeter Garten müssen im Kloster Barsinghausen in Schuss gehalten werden. Der Hausmeister ist auch der Gärtner. „Das ist eigentlich zu wenig – vor allem jetzt, wo die Baumaßnahmen im Kloster volle Aufmerksamkeit und viel Zeit benötigen“, sagt die Äbtissin. Gut ist: Die Gäste helfen oft bei der Gartenarbeit mit, nutzen beispielsweise in der jetzigen Jahreszeit gerne Harke oder Rechen, um das Laub zusammenzufegen. Der Klostergarten bietet Bewohnerinnen und Gästen des Klosters aber nicht nur Raum für Betätigung, sondern auch Erholung. Er werde gerne zwischen den gemeinsamen Gebetszeiten genutzt. Es gibt Hängematten und viele weitere Möglichkeiten zum Verweilen.
Natur spielt auf dem Klostergelände ohnehin eine große Rolle. Es gibt zahlreiche Nistkästen, um Bienen und Vögeln Unterschlupf zu bieten. Auch weitere Tiere seien bereits gesichtet worden, wie Äbtissin Wahl berichtet: Frosch, Katze, Maus, Fuchs, Steinmarder und Fledermaus. Nur ein Igel noch nicht. „Darauf warten wir noch, dabei haben wir eine Ecke mit Laub und Totholz für ihn geschaffen.“