Im Wohngebiet wächst die Unzufriedenheit
In der Neubausiedlung Caleidis fehlen nicht nur die Verkehrsschilder:Die Anwohnerschaft äußert auch deutliche Kritik an der Grünpflege und Müllabfuhr

Immer noch kein öffentliches Gemeindegebiet: In der Neubausiedlung Caleidis beklagt die Anwohnerschaft etliche Missstände und kritisieren unter anderem die mangelnde Grünpflege des Bauinvestors.Foto: Ingo Rodriguez
Wennigsen. Es ist eine junge Neubausiedlung an der Degerser Straße in Wennigsen. Trotzdem sind inzwischen schon gut sechs Jahre vergangenen, seitdem im Wohngebiet Caleidis die ersten Bewohnerinnen, Bewohner und Familien in ihr neues Zuhause eingezogen sind. Mit zunehmender Dauer hat sich die Anwohnerschaft zwar gut eingelebt. Trotzdem wächst gleichzeitig die Unzufriedenheit über die weiterhin andauernden Missstände im Bereich der öffentlichen Infrastruktur.

Unter anderem warten die Anwohner seit mehr als zwei Jahren auf eine Verkehrsbeschilderung. Aber: Der Bauinvestor hält die Gemeinde Wennigsen für zuständig, die Gemeindeverwaltung wiederum wartet auf die offizielle Übergabe des Wohngebietes durch den Investor. Solange handelt es sich um ein privates Areal. Anwohner Nils Bähne sagt vor diesem Hintergrund: „Man muss viele Punkte ergänzen, die im Alltag mindestens ebenso belastend sind wie die fehlende Verkehrsregelung.“ Das Caleidis-Gebiet sei vielmehr in wesentlichen Bereichen immer noch nicht vollständig erschlossen und werde auch nicht verantwortungsvoll betreut.

Im Kreis der Anwohnerschaft wird auch die Kritik an der Grünpflege schärfer: „Die neu gepflanzten Bäume und Sträucher wurden vom Investor über mehrere Sommer hinweg überhaupt nicht gepflegt oder gewässert“, erzählt Bähne. Viele der Jungbäume und Büsche seien vertrocknet. Bähne wohnt mit seiner Frau und zwei Hunden in einer Doppelhaushälfte am Kurt-Müller-Weg. Er beschreibt den guten Zusammenhalt in der Neubausiedlung: Demnach haben sich einige der Menschen „zusammengeschlossen und über Wochen hinweg in Eigeninitiative“ die öffentlichen Grünflächen bewässert. „Das ist eine Aufgabe, die eigentlich nicht den Bewohnern eines neu entwickelten Quartiers zufallen sollte“, sagt er. Die Mängelliste der Anwohnerschaft ist lang, die Beschwerden über die schlechte Betreuung nehmen zu: Auf den Grünflächen sei das Gras teilweise meterhoch gewesen, sagt Bähne. „Damit Kinder die Flächen überhaupt nutzen und darauf spielen können, haben Anwohner die Grünbereiche sogar selbst gemäht“, berichtet der 46-Jährige. Das sei auch notwendig gewesen, um Folgeschäden zu vermeiden. „Damit nach Regenfällen das Oberflächenwasser abfließen kann und Wege nicht überflutet werden“, sagt der Anwohner.

Bähne erläutert weiter, warum die Menschen mit den Zuständen hadern: „Lange Zeit funktionierten etliche Straßenlaternen nicht, Teile des Quartiers waren nachts kaum beleuchtet.“ Erst seit wenigen Wochen seien alle Lampen im Baugebiet in Betrieb. Oft seien unzählige Hinweise bei der Projektgesellschaft Klostergrund erforderlich, bis Missstände beseitigt würden. Die Projektgesellschaft hatte der Kölner Investor, die Gesellschaft Ideal Wohnen, eigens für das Neubaugebiet gegründet.

„Es existiert außerdem nur ein einziger öffentlicher Mülleimer – am Spielplatz“, ergänzt Bähne die Mängelliste. Für die Müllabfuhr sei es notwendig, die Tonnen zu improvisierten Sammelstellen bringen „Diese Plätze sind aber weder markiert noch gesichert und werden deshalb regelmäßig zugeparkt“, berichtet der Anwohner.

Die Menschen aus dem Neubaugebiet fühlen sich im Stich gelassen: „Die Gemeinde wurde mehrfach über diese Missstände informiert, teilt aber immer mit, dass sie nicht zuständig sei, weil das Baugebiet bisher nicht offiziell übergeben wurde“, berichtet Bähne.

Für die Anwohner ist die Gesamtsituation „schwer nachvollziehbar“. „Viele Eigentümer zahlen bereits seit mehreren Jahren Grundsteuer, ohne dass die kommunale Infrastruktur in einem funktionsfähigen Zustand ist“, fasst Bähne das Meinungsbild zusammen.

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