„Das sind seit Jahren echte Herausforderungen für uns“, sagt Schulleiter Carsten Huge. In dem 1972 errichteten Gebäude sind in der Vergangenheit in den Bauphasen in vielen Bauabschnitten unerwartete Arbeiten angefallen – Schulalltag auf der Baustelle ist ein Dauerzustand. „Ich bin seit 18 Jahren hier, gefühlt wird seit 16 Jahren gebaut“, sagt Huge.
In den Jahren 2011 und 2012 erfolgte der Start für den Anbau, in den der Grundschulzweig unterkam. 2017 ging es dann richtig los: In Bauteil A begann die Sanierung zur Umsetzung von Brandschutzvorgaben. Bis heute gab es kein Ende der Baumaßnahmen – auch deswegen, weil es schon mit Bauteil A Verzögerungen gab.
„Im Anschluss an die Brandschutzsanierung sollten die sanitären Anlagen saniert und die vorhandenen Raumstrukturen akustisch ertüchtigt werden“, berichtet Frank Born, Sprecher der Stadt Gehrden, auf Nachfrage. Statische Probleme mit der Bausubstanz der bestehenden Wände führten jedoch zu einer kompletten Neuplanung und der Umsetzung eines neuen pädagogischen Konzepts mit freien Lernflächen außerhalb starrer Raumanordnungen, wie Born sagt. Durch die Planungsanpassungen habe es schließlich Terminverzögerungen gegeben, welche den gesamten Bauablauf beeinflusst hätten. „Auch Corona hat einen Teil dazu beigetragen.“
Daher wird Bauteil B nun jetzt erst fertiggestellt. „Eine Inbetriebnahme wird für Ende Januar angestrebt, ist aber abhängig von Terminen für die Sicherheitstechnik“, sagt Born. Wenn dieser Bauteil fertig ist und in Betrieb geht, können sie an der GOBS erstmal aufatmen. „Das ist der größte Bereich. Wir mussten bislang sehr viel umplanen und improvisieren, damit der Unterricht stattfinden kann“, sagt Huge. Denn schließlich handelt es sich um einen Bauteil, in dem nicht nur die Verwaltung, sondern zahlreiche Fachräume wie Kunst, Werken, Technik und Naturwissenschaften untergebracht sind. Im Bauteil B begannen die Arbeiten 2019.
Wie das Improvisieren abläuft, erklärt mit Anke Berlin die Didaktische Leiterin der Schule. „Durch vorausschauende Planung, mobile Lerninseln und alternative Raumkonzepte konnten wir den Unterricht jederzeit sicherstellen. So konnten wir den Schulalltag nicht nur stabil halten, sondern auch weiterentwickeln“, sagt Berlin und lobt in diesem Zuge die Lehrerschaft. „Unser Kollegium hat in dieser Zeit eine beeindruckende Flexibilität gezeigt.“ Umso größer sei nun die Motivation im Blick auf die Fertigstellung von Bauteil B. „Wir freuen uns darauf, dass wir mit den neuen Naturwissenschaft-Räumen ideale Bedingungen für modernste naturwissenschaftliche Bildung geschaffen haben.“
Tatsächlich ist die neue Heimat für Biologie, Physik und Chemie ein echtes Prunkstück. Hier im zweiten Obergeschoss gibt es Lerninseln und Bereiche für Versuche, auch mit Abluftsystemen über das Dach. Es wirkt alles wie ein hochmoderner Operations-Saal. „Ich behaupte, dass solche Räume für Naturwissenschaften in Deutschland einzigartig sind in Schulen“, sagt Huge. Im gesamten Bauteil B erfolgt der derzeit der Feinschliff, dazu gehört auch die Einrichtung mit Mobiliar und Materialien. „Vieles hat sechs statt der ursprünglich angesetzten eineinhalb Jahre im Container gelagert und gelitten. Einiges muss neu gekauft werden“, sagt der Schulleiter.
Und nach dem Bauabschnitt ist vor dem Bauabschnitt: Ab Beginn des neuen Schulhalbjahres kehrt dann erstmal ein bisschen Ruhe ein. Weiter geht es ab Mai oder Juni 2026 mit Bauteil D. Es ist das zentrale, mittig gelegene Bauteil, über welches alle anderen Gebäudeteile verbunden sind und erschlossen werden können. Im Erdgeschoss entsteht ein sogenannter Marktplatz als „Neue Mitte“. Hier sind auch die Lehrküche, die Berufsberatung und die Schulsozialarbeit angesiedelt. Im Obergeschoss befinden sich eine offene Lernfläche und Klassenräume.
Die Stadt kann jedoch noch keine konkrete Aussage über die Kosten treffen. „Derzeit finden rechtsgeschäftliche Abnahmen statt, welche die Grundlage für die Schlussrechnungslegung der Firmen bilden“, sagt der Sprecher. Fest steht aber, dass die Arbeiten im Bauteil D bis zum Frühjahr 2028 beendet sein sollen.
Spätestens dann ist alles geschafft und kein Baustellenfahrzeug, keine Absperrbänder und -baken sowie Bauarbeiter mehr zu sehen. „Es war und ist auch immer eine Herausforderung, die 900 Menschen, die hier am Tag durchlaufen, über die Baustellen zu führen. Gut ist, dass sich bislang niemand verletzt hat“, sagt Huge. Die gesamte GOBS beschult 800 Schülerinnen und Schüler, hinzu kommen 100 Lehrkräfte und Schulbegleiter. Die Containeranlagen haben laut Frank Born alle eine Baugenehmigung bis zum 31. Juli 2028, „bis dahin ist auch die Standzeit geplant.“