Anfang Oktober hat Bürgermeister Malte Losert (parteilos) den Haushalt für das nächste Jahr eingebracht – mit einem erheblichen Defizit. Im Anschluss ging es direkt in die Konsolidierungsgespräche. Durch die Haushaltskonsolidierungen konnte das Defizit in 2026 von fast 15,5 Millionen Euro zwar auf einen Fehlbetrag von knapp 15 Millionen Euro reduziert werden. Durch die Erhöhung der Regionsumlage steigt das Defizit aber auf fast 15,8 Millionen Euro an. Mehrheitlich verabschiedet wird der Haushalt dennoch.
Thomas Spieker (CDU) wird deutlich: „Wir diskutieren nur noch darüber, wie wir den Mangel verwalten, den uns andere eingebrockt haben.“ Das Problem: Pflichtaufgaben ohne Kostendeckung. Sei es bei der Flüchtlingsunterbringung, sei es beim Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, sei es bei immer neuen bürokratischen Auflagen im Baurecht oder im Sozialbereich. „Wir werden mit Aufgaben zugeschüttet, aber die Finanzausstattung wächst nicht im gleichen Maße“, kritisierte Spieker scharf.
Ein Kostentreiber sei die Region Hannover. Sie gönne sich einen Stellenzuwachs und eine Bürokratie, die ihresgleichen suche, während sie den Kommunen über die Regionsumlage die Luft zum Atmen nehme. „Unsere Zustimmung zum Haushalt verknüpfen wir mit der Erwartung, dass der Bürgermeister den Protest zur Region trägt“, sagt Spieker.
Wie schwer sich Gehrdens Politikerinnen und Politiker tun, zu sparen, zeigt die Rede von Michael Passior (SPD). Für ihn gehe es um eine zukunftsfähige Entwicklung der Stadt und der Ortschaften. „Wir müssen handlungsfähig bleiben, trotz einer finanziellen Schieflage.“ Gleichzeitig sieht Passior keine Spielräume mehr, um Einsparungen vorzunehmen, ohne das gesellschaftliche und soziale Leben zu gefährden.
Für ihn sind Investitionen Ausgaben für die Zukunft. „Wir lassen uns nicht durch kurzfristige Sparzwänge bremsen“, betont der SPD-Politiker. Ausgaben für eine neue Sporthalle, den Bau einer Grundschule und einer Outdoor-Anlage sowie die Erweiterung des Rathauses und die Entwicklung von Gewerbeflächen seien richtig und wichtig. „Das sind keine Prestigeprojekte“, sagt Passior. Eines sei für ihn trotz der Finanzmisere, für die auch er Region, Land und Bund mitverantwortlich machte, bedeutend: „Wir können die Schulden begründen.“
Gisela Wicke (Bündnis 90/Die Grünen) spricht von infrastrukturellen Versäumnisse der Vergangenheit. Die aktuellen Investitionen bezeichnet sie als Meilensteine für Gehrden. Wicke mahnt aber auch, den Klimaschutz nicht zu vernachlässigen.
Rudi Locher (FDP) wiederum bemängelt, dass der Schuldenberg immer weiter wachse, die Mehrheit im Rat aber Sparansätze der Liberalen regelmäßig abgeschmettert habe. „Der Schnellzug Richtung Überschuldung nimmt immer mehr Fahrt auf“, sagt er. Auch er kritisiert die Region. Es sei unverantwortlich, wie die bei Personaleinstellungen vorgehe.
Stefan Fromm (UWG) dagegen sieht eine Mitschuld am Haushaltsdefizit beim Rat. „Auch wir haben Verantwortung“, sagt er. Für Fromm steht fest: Künftig könnten keine Wohlfühlhaushalte mehr aufgestellt werden. „Es ist Ausgabenkritik angesagt“, so Fromm. Der aktuelle Rat habe es versäumt, die Konsolidierung der Finanzen vorzutreiben, auf Kostendisziplin zu achten und auf neue Einnahmequellen zu schauen.