Trassensuche beginnt von vorn
Beim geplanten Radschnellweg von Hannover nach Gehrden stößt die Region Hannovervor allem in Ronnenberg auf Widerstände

Neue Trasse gesucht: Der geplante Radschnellweg soll Hannover mit Gehrden verbinden.Foto: Christoph Schmidt/dpa
Ronnenberg/Empelde. Für Hermann Haller ist die Sache klar: Der Vorsitzende des Ronnenberger Realverbandes, der Vereinigung der Landbesitzer, machte vor dem Bauausschuss der Stadt Ronnenberg klar: Es bleibt beim Nein des Verbandes für einen Radschnellweg zwischen Gehrden und Ronnenberg auf Wegen des Verbandes. Neben befürchteten Konflikten zwischen Landwirten und Radfahrern auf der Strecke erklärt Haller diese Haltung auch mit Gründen des Naturschutzes und der zu erwartenden hohen Kosten. Da auch die Deutsche Bahn für einen Radschnellweg keine Flächen an die Region Hannover sabgeben will, beginnt dort die Suche nach einer geeigneten Trasse quasi von vorn.

Ein Gutachterbüro habe eine Vorzugsvariante erarbeitet und einen ersten Bauabschnitt zwischen Hannover und Ronnenberg mit der Kommune und weiteren Interessengruppen abgestimmt, berichtet Regionssprecher Christoph Borschel. Im Wesentlichen sehe diese Variante eine Streckenführung zwischen Empelde und Ronnenberg westlich der Bahn vor. „Damit der Weg genutzt werden kann, müssten für eine kurze Wegstrecke Wirtschaftswege des Realverbands mitgenutzt werden. Das wird nach aktuellem Stand abgelehnt, obwohl die Region Hannover weitreichende Angebote gemacht hat“, erläutert er das Problem.

„Wir werden unsere Einstellung zum Radweg nicht ändern“, stellte Haller indes fest. Dabei spiele aber nicht nur eine Minderheit der Radler eine Rolle, mit denen er Probleme bei der gemeinsamen Nutzung befürchte. „Mit 85 Prozent haben wir in tolles Miteinander“, berichtet er. Allerdings sieht der Vorsitzende beim Bau der Trasse einen zu großen Eingriff in Flora und Fauna, wie er sagt. So erfordere der Radschnellweg durchgehen eine Breite von vier Metern, bei einer Tragfähigkeit von 40 Tonnen für große Landmaschinen. Ein Kilometer würde in dieser Ausführung zudem 650.000 bis 700.000 Euro kosten, rechnet er vor. Außerdem erzählt er von geplanten Lichtlaufbändern, die den Weg, begleitend mit den Nutzern, ausleuchten sollen.

In einem Telefonat habe er deshalb dem Verkehrsdezernenten Ulf-Birger Franz seine Haltung klargemacht, berichtet Haller. Ein weiterer Punkt sei die fehlende soziale Kontrolle in der Feldmark. Dieses Argument hatte beim Bau des zusätzlichen „Alltagsradweges“ zwischen Ihme-Roloven und Devese eine wichtige Rolle gespielt. Dieser war bewusst entlang der Regionsstraße gebaut worden, als Alternative zu einem bereits bestehenden Weg entlang der Ihme. Der neue Weg soll dagegen extra abseits der Hauptstraßen entstehen.

Aber auch bei den Alternativvorschlägen des Realverbandes hatte die Region kein Glück. Sie habe verschiedene Alternativen geprüft, berichtet Borschel. Hierfür hätten Flächen der Deutschen Bahn unmittelbar neben einem Biotop übernommen werden müssen. „Die Bahn selbst ist nicht bereit, diese Flächen abzutreten. Der Weg kann aber aus naturrechtlichen Gründen nicht durch das Biotop laufen“, schildert der Sprecher das Problem. Daher gebe es aktuell keine geeignete Variante, die dem ursprünglichen Vorhaben der Region Hannover nahekommt. Die Region beschäftigt sich deshalb jetzt mit der Frage, ob es überhaupt noch eine Trasse durch Ronnenberg gibt, die noch infrage kommt.

Für die Region steht die Gesamtumsetzung des Radweges nach diesen Schwierigkeiten noch nicht komplett auf der Kippe. „Wir versuchen weiter, Lösungen zu finden“, stellt Borschel fest, betont aber auch: „Es ist aber auch klar, dass die Konzeption und Abstimmung eines bauträgerübergreifenden Weges eine große Aufgabe ist.“

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