FDP-Antrag abgelehnt: Rathaus wird wie geplant modernisiert
35 Jahre nach dem Bau wird das Rathaus für rund 7,3 Millionen Euro umgestaltet und umgebaut

Modernisierung: Das Gehrdener Rathaus soll für rund 7,3 Millionen Euro um einen zusätzlichen Trakt erweitert und umfassend erneuert und umgestaltet werden.Foto: Dirk Wirausky
Gehrden. Lutz Fengler hatte es nochmal versucht. Der FDP-Ratsherr wollte im Ausschuss für Bau- und Städteplanung die Mitglieder davon überzeugen, dass die Kosten für die geplante Modernisierung des Rathauses zu hoch seien. Es können an verschiedenen Stelle gespart werden.

Ein Kritikpunkt von Fengler: In den vergangenen Jahren habe die Gehrdener Stadtverwaltung immer mehr Personal eingestellt, ohne digitale Möglichkeiten zu nutzen, um Verwaltungsprozesse zu vereinfachen. Dazu könnte das bestehende Gebäude umgebaut werden, um eine „Neue Arbeitswelt“ zu schaffen. Gemeint seien damit flexible Arbeitsplätze, also keine personenbezogene Zuordnung mehr, oder das Einrichten von heimischen Arbeitsplätzen. In die Überlegungen könnte auch die Stadtbibliothek einbezogen werden, deren Platzbedarf durch die zumindest Umwandlung in eine eBook-Ausleihe verringert werden könne.

Vorschläge, die auf keine Gegenliebe stießen. Bürgermeister Malte Losert (parteilos) sprach von einer dringend notwendigen Modernisierung des mehr als 30 Jahre alten Verwaltungsgebäudes. Den Antrag der Liberalen bezeichnete er als „Retourkutsche“, obwohl der Beschluss bereits vor einem Jahr gefällt worden sei. Losert erinnerte auch an die zahlreichen Mängel wie Fußböden, die sich lösen, Parkett, das sich senkt, oder technische Probleme aufgrund alter Leitungen. „Auch der Fahrstuhl muss dringend ausgetauscht werden“, nannte Losert ein weiteres Detail.

Unabhängig davon würden viele Leistungen im Rathaus angeboten und dafür bräuchten die Mitarbeitenden Platz - „auch für Einzelgespräche mit Bürgerinnen und Bürger“. Und die Stadtbibliothek sei ein wichtiger Bestandteil des Rathauses und habe einen großen Mehrwert für die Menschen. „So soll es auch bleiben“, betonte Losert.

Unterstützung kam von den anderen Ratsfraktionen. Helmut Meinecke (CDU) zeigte sich verwundert über den Antrag der FDP. Deren Ideen würden das Rathaus verhunzen. Michael Passior (SPD) konnte die Forderung der Liberalen ebenfalls nicht nachvollziehen. „Der Prozess ist inzwischen weit fortgeschritten“, sagte er. Den Umbau des Rathauses bezeichnete er als notwendig, damit die ganze Belegschaft unter einem Dach arbeiten könne, statt auf verschiedene Außenstellen verteilt zu sein. Für Eva Kiene-Stengel (Bündnis 90/Die Grünen) kommt der Antrag eh viel zu spät. Die Entscheidung sei längst gefallen.

Die Gründe für den geplanten Anbau sind schon seit längerer Zeit bekannt und politisch beschlossen wurden. Der Grund für die Pläne: Das Rathaus ist inzwischen zu klein geworden. Seine räumliche Konzeption genügt schon lange nicht mehr den organisatorischen Ansprüchen einer modernen Verwaltung. In der Vergangenheit musste die Stadt deshalb immer wieder Räume anmieten, um die verschiedenen Ämter unterzubringen. Die Außenstellen sollen jetzt zurück ins Rathaus. Dadurch entstehen weniger Mietkosten. Auch der Bürgersaal und die Bibliothek werden im Zuge der Arbeiten erneuert. Vermutlich in zwei Jahren beginnt die Modernisierung des alten Rathauses.

Herzstück des Projekts ist der Neubau eines dreigeschossigen Gebäudes auf einer angrenzenden Fläche an der Hüttenstraße. Dort werden Büros mit rund 30 Arbeitsplätzen und drei Besprechungsräume eingerichtet. Los gehen soll es im Frühjahr nächsten Jahres. Nach bisherigen Schätzungen ist mit Gesamtkosten in Höhe von rund 7,3 Millionen Euro zu rechnen – auf mehrere Jahre verteilt. Derzeit wird mit einer Bauzeit von drei bis vier Jahren gerechnet.

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