Glück Auf! für ein neues Kapitel
Nach acht Jahren Umbau präsentiert sich das Museum für Kali- und Salzbergbau in Empelde grundlegend verändert – am 29. August wird das 30-jährige Bestehen gefeiert

Bergbau unter Tage wird in Empelde anschaulich: Auch der nachgestellte Untertagebereich des Museums wurde im Zuge der Neugestaltung neu gegliedert und aufgeräumt. fotos: Otmar Haas
Empelde. Ein bisschen weniger soll am Ende deutlich mehr sein. Mehr Übersicht, mehr Geschichte, mehr Erklärung – und damit ein besserer Blick auf eine Industrie, die Ronnenberg und die Region über Jahrzehnte bis heute geprägt hat. Am Sonnabend, 29. August, wird im Rahmen eines Sommerfestes nicht nur das 30-jährige Bestehen des Niedersächsischen Museums für Kali- und Salzbergbau gefeiert, sondern auch ein umfangreicher Umbau gewürdigt, der das ehrenamtlich geführte Haus grundlegend verändert hat.

„Es gibt keinen Raum, der nicht neu konzipiert wurde“, sagt der Vorsitzende des Museumsvereins, Otmar Haas. Die Arbeiten reichen weit zurück. 2018 begann die konzeptionelle Weiterentwicklung des Hauses, 2019 folgte ein Planungsentwurf für die Dauerausstellung, 2020 wurde die Sammlung digital grundinventarisiert. 2021 und 2022 wurden unter anderem das Entrée und der nachgestellte Untertagebereich baulich umgestaltet, seit 2023 folgte die Neukonzeption der Dauerausstellung. Nun seien rund 90 Prozent des Vorhabens geschafft, sagt Haas.

Nötig geworden war die Neuordnung auch durch die Entstehungsgeschichte des Museums. Die Gründungsväter und viele ehemalige Bergleute hatten alles zusammengetragen, was an die Zeit des Kali- und Salzbergbaus erinnerte. Mehr als 1000 Exponate waren bereits bei der Museumseröffnung 1996 zu sehen. Und mit den Jahren wuchs die Fülle weiter. Die Ausstellung sei schließlich „überladen“ und vor allem sehr mineralienlastig gewesen, sagt Haas.

Das Ziel des Umbaus beschreibt er deshalb so: „Wir mussten von einer überladenen und mineralienlastigen Ausstellung zu einem didaktisch erklärten Museum des ehemaligen Kali- und Salzbergbaus werden.“ Besucher sollen nun leichter verstehen können, was sie sehen und welche Bedeutung der Bergbau für die Region hatte.

Dafür wurde beispielsweise der Eingangsbereich neu gestaltet – mit einem Infopunkt sowie einem multifunktionalen Aufenthalts- und Vortragsbereich. Ein Leitsystem führt durch die Ausstellung, eine einheitliche grafische Gestaltung soll Orientierung schaffen. Auch die nachgestellte Untertagesituation wurde neu gegliedert. Vor allem aber sollen die Exponate stärker in ihren historischen Zusammenhang eingeordnet werden. Die Geschichten der Schächte Hansa in Empelde, Albert in Ronnenberg, Deutschland in Weetzen und Hermann in Benthe wurden miteinander verknüpft. Hinzu gekommen ist auch ein Bereich für Sonderausstellungen.

Denn die Geschichte, die das Museum erzählt, ist eng mit der Entwicklung der Orte rund um den Benther Salzstock verbunden. Der Kalibergbau begann dort Ende des 19. Jahrhunderts. 1894 fanden erste Probebohrungen bei Empelde und Benthe statt, 1898 begann das Abteufen des Schachtes Albert in Ronnenberg. 1975 endete der Kalibergbau auf dem Benther Salzstock nach einem Wassereinbruch in Schacht Albert. Das Kaliwerk Hansa-Silberberg in Empelde war bereits 1973 stillgelegt worden. Zu seinen besten Zeiten gehörte es mit drei Förderschächten zu den Spitzenwerken des niedersächsischen Kalisalzbergbaus.

Dass diese Geschichte heute noch vor Ort erzählt werden kann, begann mit privatem Engagement. 1991 gründeten Bergbauinteressierte den Verein Bergbaudokumentation Hansa. Private Sammlungen bildeten den Grundstock, die Stadt Ronnenberg stellte später Räume in einem ehemaligen Betriebsgebäude des Kaliwerks Hansa-Silberberg mietfrei zur Verfügung. 1994 begann dort der Ausbau, 1996 öffnete das Museum mit mehr als 1000 Exponaten.

Fortsetzung auf Seite 10

Auch der jüngste Umbau wäre ohne Unterstützung kaum möglich gewesen. Von 2018 bis 2026 hat die Region Hannover die Weiterentwicklung nach Angaben von Haas mit insgesamt 195.000 Euro gefördert. Die Maßnahmen wurden vom Vorstand geleitet. Mit den Fördermitteln konnte zudem der Ausstellungsexperte und Historiker Dr. Olaf Grohmann eingebunden werden.

Mit der Wiedereröffnung ist die Entwicklung des Hauses allerdings nicht beendet. Museumsleiter Markus Domrowe und der Verein wollen die Ausstellung künftig stärker mit digitalen Angeboten verbinden. QR-Codes sollen Besuchern vertiefende Informationen zu einzelnen Themen und Exponaten liefern; auch Museumsbesuche über das Internet sollen ausgebaut werden. Die Historie nennt die Verbindung der „analogen“ Ausstellung mit digitalen Komponenten ausdrücklich als nächsten Entwicklungsschritt.

Daneben arbeitet das Museum mit anderen Einrichtungen zusammen, etwa mit dem Bergbauverein im thüringischen Ronneburg, der Partnerstadt Ronnenbergs, sowie im Netzwerk Industriekultur Niedersachsen. Einen besonderen Stellenwert soll die Vermittlung an Schulen in Ronnenberg und der Region Hannover haben. Führungsanfragen erreichen das Museum nach Angaben des Vereins inzwischen aus ganz Deutschland und vereinzelt aus dem europäischen Ausland.

Ganz fertig ist das Haus trotz der Wiedereröffnung noch nicht. Ergänzungen der Dauerausstellung stehen aus, außerdem sollen Entfeuchtungsanlagen angeschafft werden – bei einem Museum voller Salz keine Nebensache: Salz ist hygroskopisch und zieht Feuchtigkeit an.

Und noch eine Aufgabe sieht Haas für die kommenden Jahre. Ein Museum, das wesentlich vom Ehrenamt lebt, braucht nicht nur Besucher, sondern Menschen, die es weitertragen. „Wir wollen und müssen auch jüngere Mitglieder gewinnen“, sagt der Vorsitzende. Schließlich soll die Geschichte des Bergbaus nicht nur bewahrt werden. Sie soll auch in Zukunft weitererzählt werden.

Extra-Kasten

Das Sommerfest zum 30-jährigen Bestehen des Niedersächsischen Museums für Kali- und Salzbergbau beginnt am Sonnabend, 29. August, um 11 Uhr. Das Museum befindet sich An der Halde 10 in Empelde.Zum Auftakt erklingt das Steigerlied, musikalisch begleitet von Martin Volker. Anschließend begrüßt der Vereinsvorsitzende Otmar Haas die Gäste. Es folgen Grußworte von Ronnenbergs Bürgermeister Marlo Kratzke und der stellvertretenden Regionspräsidentin Michaela Michalowitz.Ab 11.35 Uhr stellt der Historiker und Ausstellungsexperte Dr. Olaf Grohmann den Umbau des Museums vor. Um 11.55 Uhr beginnt ein Rundgang durch die neu gestaltete Ausstellung. Danach geht das Sommerfest bei Grillangeboten, kühlen Getränken und Gesprächen weiter. Auch der benachbarte Waldberg ist an diesem Tag geöffnet.

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