„Wir warten auf das, worauf wir nicht vorbereitet sind“
17 Ehrenamtliche organisieren Gehrdens Stadtfest –und kommen dabei ohne professionelle Security nicht mehr aus

Der GfG-Verein, die Polizei und die Stadtverwaltung setzen sich für ein friedliches und gelungenes Stadtfest 2026 ein: Julian Wolf (von links), Patrick Hohe, Martin Buske, Alexander Benne, Nicola Horndasch und Philip Berger.Sarah Istrefaj
Gehrden. Die Vorbereitungen für das Gehrdener Stadtfest gehen in den Endspurt. Vom 4. bis 6. September wird in der Innenstadt gefeiert – zum ersten Mal drei Tage lang.

Während Besucher später vor allem Bühnen, Musik und Stände sehen, arbeiten die 17 Ehrenamtlichen von „Gehrden feiert Feste“ (GfG) seit Monaten daran, dass hinter den Kulissen alles funktioniert. Dabei wissen die Organisatoren aus Erfahrung: Ganz gleich, wie gut sie planen – nicht alles lässt sich vorhersehen. „Wir warten auf das, worauf wir nicht vorbereitet sind“, sagt die stellvertretende GfG-Vereinsvorsitzende Nicola Horndasch.

Der Verein organisiert das Stadtfest seit 2009. Die Vorbereitung dauert nach eigenen Angaben acht bis neun Monate, eigentlich sei die Arbeit zwischen Stadtfest und Weihnachtsmarkt ein kontinuierlicher Prozess. Die Aufgaben sind verteilt: Ein Team kümmert sich um das Musikprogramm, ein anderes um die Infrastruktur. Strom und Wasser für die Stände, Müll, Toiletten, Verträge, Bands, Soundchecks und Technik: Vieles organisiert der Verein selbst. Ein zweistündiger Auftritt bedeutet vorher Terminabsprachen, technische Abstimmungen und Umbauzeiten. Während des Festes bleibt das Team Ansprechpartner für Künstler und Standbetreiber.

Horndasch investiert nach eigenen Angaben seit Januar rund zehn Stunden pro Woche in die Organisation. Andere Mitglieder übernehmen Spezialaufgaben oder arbeiten insbesondere rund um das Fest besonders viel. Die freie Zeit müsse man sich dafür regelrecht „erkämpfen“, sagt der GfG-Vorsitzende Julian Wolf.

Neben Programm und Infrastruktur ist die Sicherheit einer der aufwendigsten Bereiche. Das war nicht immer so: Erst seit etwa vier bis fünf Jahren engagiert der Verein nach eigenen Angaben überhaupt professionelle Security. Zuvor sei das nicht nötig gewesen. Seitdem seien Umfang und Einsatzzeiten kontinuierlich gewachsen – und damit auch die Kosten. Die Veranstalter setzen zum einen auf professionelle Security, weil sie bestimmte Situationen vor allem zu später Stunde nicht allein bewältigen können und wollen. Außerdem gab es am Mittwoch, 12. August, vorab eine Sicherheitsbegehung, an der Vertreter der Stadt, die Polizei und der Verein teilnahmen.

Dabei wurden die Zufahrtsbeschränkungen eingehend besprochen. Diese seien in diesem Jahr ähnlich wie 2025, aber weiter ausgefeilt. „Das ist sinnvoll und praktikabel bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung, und es hat sich bewährt“, sagt Horndasch. Im vergangenen Jahr sei alles friedlich und ruhig geblieben, bestätigt der Einsatz- und Streifendienstleiter des Ronnenberger Polizeikommissariats, Alexander Benne. „Wir werden von Freitag bis Sonntag mit Kräften auf dem Fest und im Nahbereich sichtbar und präsent sein“, kündigt der Polizeihauptkommissar an.

Die Diskussion um zusätzliche Poller, wie sie in der Stadt Hannover und einigen Umlandkommunen wie Garbsen geführt wird, hat unterdessen auch Gehrden erreicht. Erst im Mai 2025 hatte die Stadt an zwei Zufahrten zur Fußgängerzone Sperrpfosten errichten lassen – einmal an der Kirchstraße auf Höhe der Stadtbibliothek und einmal an der Einmündung der Hornstraße auf den Marktplatz. „Diese Poller reichen aber nicht aus, wir sehen da Bedarf“, betont Philip Berger, Leiter des städtischen Teams Sicherheit und Ordnung. Allerdings seien weitere Maßnahmen mit viel Geld verbunden, daher befinde sich das Thema aktuell noch in der Diskussion.

Bis eine Entscheidung getroffen wird, müssen die Veranstalter jetzt also erneut auf Zufahrtsbeschränkungen und den Securitydienst setzen – ein Sicherheitsaufwand, der über die Jahre gewachsen sei, so Vereinsvorsitzender Wolf. Anfangs habe eine einzelne Streife gereicht, inzwischen seien auch längere Einsatzzeiten und Nachtwachen nötig. Ein Grund: Auf den Bühnen bleibt über Nacht Technik montiert. „Mittlerweile muss man auf jedes Kabel aufpassen.“

Doch auch sorgfältige Planung schützt nicht vor jeder Panne. Vor zwei Jahren fiel während des Stadtfestes plötzlich der Strom aus. Betroffen waren nicht nur die Bühnen, sondern auch Kühlungen und elektrisch betriebene Verschlüsse an Ständen. Mit jedem Fest werde das Team erfahrener, sagen die Organisatoren – dennoch passiere immer wieder etwas, das vorher niemand bedacht habe. Deshalb sind Wolf, Horndasch und das Team während des Festes ständig unterwegs und ansprechbar. Wirklich abschalten können sie kaum. Erst wenn die Besucher feiern und alles seinen Gang geht, zeigt sich, ob sich die monatelange Vorbereitung ausgezahlt hat. Dann werde spürbar, dass die vielen Planungen ineinandergriffen, sagt Horndasch. Dieser Moment mache die lange „Durststrecke“ davor wieder wett.

Bis dahin bleibt die Ungewissheit, was dieses Mal Unvorhergesehenes passieren könnte. Auf alles vorbereiten können sich die Ehrenamtlichen eben nicht. Oder, wie Horndasch es ausdrückt: „Wir warten auf das, worauf wir nicht vorbereitet sind.“

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