„Die Natur war mir immer schon sehr wichtig“
Die 20 Jahre alte Nele Bier absolviert ein Freiwilligenjahr im Kloster Wennigsen –und widmet sich hier vor allem der Gartendenkmalpflege

Mit Heckenschere: Auch der Baumschnitt gehört zu den Tätigkeiten von Nele Bier.foto: Stephan Hartung
Wennigsen. Vor dem Treffen mit der Redaktion an diesem Vormittag war Nele Bier schon fleißig. Sie hat Äpfel gesammelt – von der Obstwiese im Kloster in Wennigsen. Hier absolviert die 20-Jährige einen Freiwilligendienst, ein sogenanntes Freiwilliges Jahr, in der Gartendenkmalpflege.

Noch bis zum 31. August ist Bier im Rahmen eines Projektes der Deutschen Stiftung Denkmalschutz im Kloster tätig. Die Jugendbauhütten, ein internationaler Gemeinschaftsdienst für junge Menschen, ist als Träger für die Organisation verantwortlich. „Eigentlich habe ich nicht direkt den Kontakt zu einem Kloster gesucht, ich wollte in den Bereich Restaurierung gehen“, sagt Nele Bier, die im Internet recherchiert hatte und bei den Bauhütten in Potsdam eine Beratung erhielt. Es folgten Probearbeitstage in Kassel im Bergpark Wilhelmshöhe und im Kloster Wennigsen – mit einer finalen Entscheidung für die Gemeinde am Deister.

„Die familiäre Atmosphäre hat mir im Kloster Wennigsen gut gefallen, hinzu kamen die unterschiedlichen Aufgaben hier“, sagt die Stadthagenerin, die im Kloster ein Zimmer hat und nur selten diesen Wohnsitz verlässt, beispielsweise für Heimfahrten in den Landkreis Schaumburg. „Nele arbeitet toll und nimmt unserem Hausmeister viel ab. Wir freuen uns sehr, dass wir unseren Wunsch umsetzen können, einen jungen Menschen hier zu beschäftigen und ihm die Möglichkeit des Ausprobierens bieten können“, sagt Äbtissin Mareile Preuschhof. „Wir sind mit ihr sehr zufrieden und auch traurig, wenn sie bald geht.“

Nele Bier ist die vierte Freiwilligendienstleistende im Kloster Wennigsen. Noch ist ihre Nachfolge offen. Per E-Mail an bewerbung@kloster-wennigsen.de können sich Interessierte informieren. Eine Mitgliedschaft in der Kirche ist keine Voraussetzung. Auch Bier war nicht gläubig, hat aber während ihres Dienstjahres mit der Klosterkirche zusammengearbeitet und war im Zuge der Kirchentage aktiv.

Und wie sieht der Aufgabenbereich von Nele aus? Wenn nicht Veranstaltungen an Wochenenden anstehen, ist sie von montags bis freitags im Dienst. Tätigkeiten im Klostergarten wie Rasenmähen, das Entfernen von Unkraut, das Ein- und Umpflanzen oder das Beschneiden von Büschen und Hecken stehen auf dem Programm. Außerdem kümmert sie sich um Vögel und Schafe, schiebt Projekte wie Insektenhotels an und bereitet Weiterbildungskurse innerhalb des Klosters vor. „Da geht es dann beispielsweise um das Eindecken von Tischen und das Aufstellen von Stühlen“, sagt Nele. Auch das Staubsaugen auf dem Flur übernimmt sie.

Auf den ersten Blick erscheint es heutzutage exotisch, wenn ein junger Mensch ins Kloster geht. Ihre Freunde fragen auch, was sie denn dort so macht. „Sie interessieren sich dafür. Für mich war wichtig: Ich wollte nach der Schule nicht sofort studieren, genieße die Zeit hier und wollte noch mal etwas anderes erleben“, sagt Bier, die im Anschluss Psychologie studieren möchte. „Ich finde es im Kloster toll. Die Natur war mir immer schon sehr wichtig“, sagt Nele Bier.

Bleibt nur noch die Frage zu klären: Wofür waren eigentlich die Äpfel bestimmt, die Nele morgens gesammelt hatte? „Für einen Apfelkuchen. Den habe aber nicht ich gebacken, sondern unsere Hauswirtschaftlerin“, sagt Nele Bier und lacht. Der frisch gebackene Apfelkuchen war für den Gartennachmittag vorgesehen, der an jedem Donnerstag von 14 bis 18 Uhr der Öffentlichkeit im Kloster angeboten wird.

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